Pappenheim-Posse: Stadt vs. Grafenfamilie von und zu Egloffstein

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Bei der Renovierung einer Schlossfassade im deutschen Pappenheim ist ein hässlicher Streit zwischen der Stadt und der dort ansässigen Grafenfamilie von und zu Egloffstein entbrannt. Die Rede ist von zweckentfremdeten Subventionen.

Schloss Grafenfamilie von und zu Egloffstein in Pappenheim
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Tilman2007 wikimedia CC BY-SA 4.0

Auch heute noch rottet das gräfliche Schloss vor sich hin. Die Schauseite zur Stadt macht wenig her und sollte längst mit öffentlichen Zuschüssen renoviert sein. Stattdessen gefiel es dem Grafen laut Medienberichten, die private Seite zum Fluss hin aufzuhübschen. 

Der malerische Ort Pappenheim führt ungewollt einen bizarren Kleinkrieg gegen die ortsansässige Grafenfamilie von und zu Egloffstein. Es geht um die offenbar nicht absprachegemässe Verwendung von Subventionen für deren Schlossrenovierung und vier Quadratmeter Strasse als gräfliche Druckmittel gegen Rückforderungen. Das Oberhaupt der Grafensteins wird nicht umsonst auch, so hat etwa die Süddeutsche Zeitung  (SZ) vernommen,  «Graf Ego» tituliert. Er ist es offenbar gewohnt, seine Interessen rücksichtslos durchzusetzen.

«Graf Ego» und die Subventionen

Aber von vorn: Die klassizistische Fassade des gräflichen Schlosses, von Hofarchitekt Leo von Klenze geplant, bietet auf der Schauseite zum Marktplatz einen eher verlotterten Anblick. 2010 wurden grosszügige Subventionen zur Renovierung zugesagt. Graf Albrecht ist nämlich bestens vernetzt, auch in Denkmalschutzkreisen.

Er ist dort unter anderem Vizechef des Landesdenkmalrates und Chef der Landesgruppe Bayern der deutschen Burgenvereinigung. Immerhin gehörten ihm noch ein paar weitere Burgen und Schlösser. Man darf also erwarten, dass der alte Herr sich in den relevanten Themen auskennt. Sogar die Stadt  versprach 80’000 Euro in Tranchen, wenn auch die Marktplatzseitige Fassade umgehend renoviert werde. Die Renovierungsetappen wurden schriftlich vereinbart.

Insgesamt sollten von den 1,8 Millionen Gesamtkosten satte 1,3 Millionen durch Fördergelder finanziert werden. Handwerker zogen auf. Es hämmerte und klopfte, Material wurde an- und abgefahren. Fördergelder flossen. 2015 stutzten die Stadtväter. Vertragsgemäss hätte die Marktplatzseite längst in neuem Glanz erscheinen sollen. Nur tat sie das, für jedermann sichtbar, nicht.

Der Graf hatte eifrig renovieren lassen, allerdings nicht dort, wo die Bürger zumindest optisch etwas davon gehabt hätten. Die Arbeiten beschränkten sich aufs Privatissimum, die nicht einsehbare Seite des Schlosses zur Altmühl hin. Das städtische Begehren, Nachweise zur vertragsgemässen Verwendung der städtischen Gelder zu erbringen, betrachteten die von und zu Egloffsteins als Zumutung. 2017 forderte die Stadt schliesslich 40’000 Euro an Fördergeldern von der Gräflichen Familie zurück, wie die Nürnberger Zeitung berichtet. Diese rückte das Geld nicht heraus.

Einfallsreiche Schikanen

Im Gegenzug begann sie nun ihrerseits die Stadt zu schikanieren. Schönstes Beispiel einer langen Liste: Als der Kneippanlage das Wasser ausging, verweigerte sie den städtischen Arbeitern den Zugang über ihr Grundstück zu einem urplötzlich auf wundersame Weise geschlossenen Wasserregler. Es bedurfte erst eines Machtworts des Weissenburger Landratsamts, bis die Touristen wieder Wasser treten konnten.

Schliesslich fand die gräfliche Familie den ultimativen Hebel in Form von vier Quadratmetern gräflichen Landes, die mitten in einer engen Altstadtstrasse liegen. Die gräfliche Familie drohte, die Fläche einzäunen zu lassen und verlangte zu diesem Zweck die Entfernung des Strassenbelags durch die Stadt.

Damit wäre die einzige Zufahrt zu den Stadtwerken und zu einem öffentlichen Parkplatz nicht mehr möglich. Die Stadt habe dann, so berichtete die Abendzeitung, sogar das Fünffache des ortsüblichen Verkehrsflächenpreises für den Flecken geboten. Die Egloffsteins hätten stattdessen ein nicht annehmbares Tauschgeschäft gewünscht: die besagten vier Quadratmeter gegen etwa 450 Quadratmeter öffentlicher Marktplatzfläche.

Nun steht Enteignung im Raum. Der vernetzte Graf stellt sich stur, blockiert städtische Projekte, der Stadtrat ist heillos zerstritten. Auch weil, so kolportierten es Pappenheimer der SZ «manche mit einer Meinung ins Schloss hinein gehen und mit der des Grafen wieder heraus.»

Unzureichende Kontrolle?

Derweil brodelt der Streit um die Fördergelder für die Fassadenrenovierung weiter. Ein erstinstanzliches Gericht befand Ende Januar, die Egloffsteins hätten sich tatsächlich nicht an die Vereinbarung gehalten. Allerdings habe die Stadt auch nicht ausreichend nachdrücklich kontrolliert. Sie hätte das Geld halt nicht auszahlen sollen, wenn sie berechtigte Zweifel gehegt habe. Genaueres wird man der schriftlichen Urteilsbegründung entnehmen, die noch nicht vorliegt.

Bürgermeister Uwe Sinn hatte vor Gericht sogar einen Vergleich angeboten, demzufolge die Stadt auf sämtliche Rückzahlungsforderungen verzichte, wenn die gräfliche Familie sich bereit erkläre, auch die Südfassade zu sanieren. Diese lehnte ab.

Man wird sich, auch wenn die Stadt das Urteil nicht weiterziehen sollte, auf jeden Fall bald wieder treffen. Der Streit um die vier Quadratmeter Strasse wird bald vor Gericht verhandelt werden. Die gräfliche Familie hat Klage gegen die mögliche Enteignung eingereicht.

Autoren

Freie Mitarbeiterin für das Baublatt.