Kreislaufwirtschaft: Paradigmenwechsel in der öffentlichen Beschaffung?

Teaserbild-Quelle: StockSnap, Pixabay-Lizenz

Die Europäische Union fördert gezielt die ressourcensparende Kreislaufwirtschaft.Ihre neuen Richtlinien und Anreizsysteme werden sich früher oder später auch auf das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz auswirken. 

Von Mirella Wepf*

Es wäre auch möglich, Teppiche für ein neues Verwaltungsgebäude in der Gemeinde zu mieten statt zu kaufen. Solche Konzepte sind in der Schweiz noch kaum ein Thema, in den Niederlanden und in Grossbritannien dagegen schon. Ob mieten oder kaufen, die Niederländer beispielsweise setzen bei der Beschaffung von Möbeln auf Rücknahmeverpflichtungen der Hersteller und zwar inklusive Verwertungsplan.

Das Input-Referat von Raphael Fasko am zweiten Erfa-Treffen der Interessengemeinschaft Nachhaltige öffentliche Beschaffung (IGÖB) brachte für die Teilnehmer einige spannende neue Inputs. Fasko ist Spezialist für Kreislaufwirtschaft und als Bereichsleiter für die Rytec AG in Münsingen BE tätig. Seine Hypothese: «Beschaffung nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft reduziert die Kosten und fördert die Nachhaltigkeit. Der Schlüssel dazu sind neue Geschäftsmodelle.»

Kreislaufwirtschaft und Beschaffungswesen

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft wurde 1990 vom britischen Wirtschaftswissenschafter David W.Pearce begründet. Die Idee ist der Natur entlehnt. Nichts geht verloren, nichts wird zu giftigem Abfall. Raphael Fasko betont: «Kreislaufwirtschaft ist viel mehr als Recycling.» Um dieses Konzept zu realisieren, brauche es Produkte, die von Anfang an gut und ökologisch designt wurden. Sie sollten zerlegbar und modular aufgebaut sein, zudem giftfrei und reparierbar.

Das Problem: Obwohl das Prinzip der Kreislaufwirtschaft in Politik und Wirtschaft seit Jahrzehnten breit diskutiert wird, zeigt es in der Praxis eine nach wie vor sehr schwache Umsetzung. Thomas Wüest, Projektleiter «Ausstattung /Bau» der Dienststelle Immobilien des Kantons Luzern brachte die Problematik, mit der sich auch Beschaffungsverantwortliche konfrontiert sehen, anhand eines Beispiels auf den Punkt. «Ein Stuhl ist heute derart günstig, dass es sich nicht mehr lohnt, ein kaputtes Polster zu ersetzen.» Heute gingen zudem ausgediente Möbel oft in die Osthilfe. Maurice Gionchetta, Leiter der Dienststelle Logistik der Stadt Biel setzt auf dauerhafte Möbel: «Halten die Möbel länger als zwanzig Jahre, dürfte ein Mietmodell kaum rentieren.»

EU als Vorreiterin

Doch nun könnte Bewegung in die Sache kommen: Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, den Ansatz der Kreislaufwirtschaft über ganze Wertschöpfungsketten hinweg zu fördern. Ende 2015 nahm sie den ambitionierten «Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft» an. Mittlerweile sind 54 Massnahmen bereits umgesetzt oder in der Einführungsphase. Weitere sollen folgen. Die NZZ am Sonntag formulierte es so: «Mit einer Flut von neuen Auflagen, Normen und Anreizen baut die EU die Wirtschaft um.» Raphael Fasko zeigte in seinem Referat auf, wie neue Geschäftsmodelle der Kreislaufwirtschaft zum Durchbruch verhelfen könnten.

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