Gesundheitsförderung: Öffentliche Räume für mehr soziale Interaktion

Teaserbild-Quelle: Stadt Bern

Städte und Gemeinden sind mitverantwortlich für die Gesundheit ihrer Einwohner. Auf unterschiedliche Art und Weise können sie für ein Umfeld sorgen, das einen gesunden Lebensstil fördert. Dabei kommt den öffentlichen Räumen in der Stadtentwicklung eine wichtige Rolle zu, wie sich an der Gesundheitsförderungs-Konferenz in Bern zeigte.

Pop-up Bern am Graffenriedweg im Weissenbühlquartier
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Stadt Bern

Temporärer Quartiertreffpunkt auf umgenutzten blauen Parkplätzen: Das Projekt Pop-up Bern machte es möglich.

An der 20. Gesundheitsförderungs-Konferenz in Bern drehte sich alles um die Frage, wie Gemeinden und Städte zur Lebensqualität und Gesundheit ihrer Bevölkerung beitragen können. Dabei zeigte sich, wie entscheidend gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen sind, die zum Beispiel zu Bewegung und gesunder Ernährung einladen oder die soziale Interaktion fördern.

Zentrale Funktion der öffentlichen Räume

Handlungsspielraum haben Gemeinden und Städte insbesondere bei der Gestaltung öffentlicher Räume. Und deren Einfluss auf die Gesundheit ist nicht zu unterschätzen, wie Tom Steiner, Geschäftsführer des Zentrums Öffentlicher Raum (Zora), an der Konferenz betonte.

"Beim Thema Gesundheitsförderung im öffentlichen Raum denkt man vor allem an bauliche Rahmenbedingungen." Diese seien wichtig und der öffentliche Raum natürlich auch prädestiniert dafür, doch für Steiner geht es um mehr: "Die öffentlichen Räume ermöglichen Begegnungen." Und soziale Integration hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Einwohner. Steiner spricht in diesem Zusammenhang vom "sozialen Immunsystem".

Ein positives Beispiel für Massnahmen im öffentlichen Raum ist für Steiner das Projekt "Pop-up Bern". Dabei will die Stadt Bern ihre Bewohner dazu anregen, sich den öffentlichen Raum in ihrem Wohnquartier anzueignen. Das Ziel: mehr Begegnungsräume für die Bevölkerung.

Seit Mai 2018 können Quartierbewohner unbenutzte Flächen, etwa Grünflächen oder kleine Plätze, nach ihrem Gusto vorübergehend umgestalten – ohne Baubewilligung. Eine Beratungsstelle der Stadt hilft den Interessierten dabei und stellt sicher, dass gewisse Mindestanforderungen eingehalten werden.

Temporärer Quartiertreff statt Parkplätze

Ein Beispiel für eine solche Aneignung fand man letzten Sommer im Weissenbühlquartier. Dort wurden zwei Parkplätze in der blauen Zone temporär zu einem "Parklet" umfunktioniert, wie die Stadt Bern den neuen Treffpunkt für die Anwohner mit Stühlen und Tischen nannte. Wie eine kleine Terrasse eines Cafés kam das "Parklet" daher, bloss ohne dazugehöriges Café-Lokal.

Städtische Massnahmen allein genügen jedoch nicht: "Um den positiven Nutzen der öffentlichen Räume zu aktivieren, muss die Bevölkerung diese natürlich auch nutzen", betont Steiner. Das bedingt, dass die Angebote den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen oder – wie bei Pop-up Bern – sogar aus einem solchen Bedürfnis heraus eigenständig gestaltet wurden.

Mehr zur Gesundheitsförderungs-Konferenz lesen Sie in der Baublatt-Ausgabe Nr. 9 vom 1. März.

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