08:02 KOMMUNAL

Ein Stadtbaum wird gefällt: Himmelfahrt einer Zeder

Autoren: Robert Mehl (rm)
Teaserbild-Quelle: Robert Mehl

Das gute Umweltgewissen endet oft dort, wo eigene Interessen berührt werden. Stadtbäume – ob auf öffentlichem oder privatem Grund – sind nicht selten Anlass zum Streit. Manche Städte haben Baumschutzverordnungen aufgestellt. Darüber hinaus setzen die Behörden jedoch weiterhin auf Überzeugungsarbeit in alle Richtungen.

Die Fällung einer Zeder in Aachen im Zeitraffer. 

Was dem einen lieb ist, empfindet so mancher andere als lästigen Fluch. Ein leichtes Blätterrauschen, das im Sommer mit einem kühlenden Luftzug einhergeht, wird in der Regel positiv assoziiert, wie auch ein Baum als Heimat für zahllose Vögel inmitten einer urbanen Betonwüste betrachtet werden kann. Der «Spass» hört allerdings schnell auf, wenn der Baum den Lichteinfall in die eigene Wohnung stark einschränkt, wenn das Kehren von Blüten- und Laubabwurf zunehmend zur Last wird oder wenn die eigene Regenrinne alljährlich von einem Dienstleister gesäubert werden muss. Dies sind jedoch alles Lasten, die Anwohner hinzunehmen haben, sofern der Baum schon beim Einzug existierte – das gilt auch für alle Nachbarn. Schliesslich – so urteilt der Gesetzgeber – hätte man durchaus vorher beurteilen können, auf was man sich da einlässt.

Zuungunsten des Baums schlägt hingegen das Pendel aus, wenn Sachwerte – sowohl des Eigentümers als auch der Nachbarn – bedroht werden. Das kann sowohl durch das Wurzelwachstum verursacht sein, das zu einer Rissbildung an Gebäuden führt. Es kann aber auch nur die Sorge sein, dass der Baum beziehungsweise Äste etwa bedingt durch Krankheit wie Fäulnis von innen heraus oder bei einem Sturm herabstürzen und Schaden verursachen. Diese Bedenken sind durch die zuständigen Ämter zu prüfen und enden nicht selten vor Gericht.

Weitgehend wirkungslos

Der Schutz von Bäumen ist eine kommunale Angelegenheit und nicht einheitlich auf Bundesebene geregelt. Aktuell gibt es in Basel Stadt, in St. Gallen und in der Stadt Zürich eine gültige Baumverordnung. In letzterer wurde dieselbe per Bürgerentscheid bereits in den 1990er-Jahren beschlossen. Sie blieb jedoch weitgehend wirkungslos, da zeitgleich mit ihr das kommunale Bau- und Planungsgesetz novelliert wurde. Hier heisst es nunmehr: «§ 76.55 Die Bau- und Zonenordnung kann die Erhaltung von näher bezeichneten Baumbeständen und deren Ersatz sowie zonen- oder gebietsweise angemessene Neupflanzungen und die Begrünung von Flachdächern vorschreiben; diese dürfen jedoch die ordentliche Grundstücknutzung nicht übermässig erschweren.»

Entsprechend wurde die Zürcher Bau und Zonenordnung um eine Kartierung von Baumschutzzonen ergänzt. Sie weist das jeweilige Mikro-Stadtbild prägende Grünflächen aus, vornehmlich Parkanlagen oder Alleen, jedoch keine Privatgrundstücke.

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