Kolumne zum Donnerstag: Wer stoppt die Hunterstrategie?

Kolumne zum Donnerstag: Wer stoppt die Hunterstrategie?

Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag schreiben Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute ist es Dominik Schenk, dipl. Bauingenieur ETH / SIA, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich und Mitglied der Geschäftsleitung von Basler & Hofmann.

Stellen wir uns Folgendes vor: Die Post sucht wegen der schrumpfenden Margen in ihrem Kerngeschäft ein neues Geschäftsfeld, kauft deshalb eine Bäckerei nach der anderen und setzt sich ganz offiziell zum Ziel, eine der grössten Bäckereien Europas zu werden. Fiktion? Ja natürlich, aber andernorts Realität.

Ein grosser staatlicher Monopolbetrieb aus der Energiewirtschaft hat Mühe mit den sinkenden Margen im Stromgeschäft und sucht neue Herausforderungen. Er kauft zu diesem Zweck zwar keine Bäckereien, aber im grossen Stil bisher unabhängige Planungsbüros – erst in der branchennahen Gebäudetechnik im Inland, inzwischen aber auch Planungsbüros ohne Bezug zur Energiebranche im Ausland. Dank der grosszügig getätigten Zukäufe ist der Personalbestand in zwei Jahren um rund 1000 Mitarbeitende gestiegen. Ziel dieser «Hunterstrategie» ist inzwischen ganz offiziell, «ein starkes, europäisches Ingenieurunternehmen» zu werden und einen namhaften Teil des wegfallenden Gewinns aus dem Stromgeschäft mit Gewinnen aus den Planungsbüros wettzumachen.

Dieses Vorgehen ist aus mehreren Gründen stossend: Erstens besteht die Gefahr eines verzerrten Wettbewerbs. Ein Monopolbetrieb, der selber auf sprudelnde Einnahmen aus dem Stromgeschäft – auch wenn es derzeit etwas weniger sprudelt – zählen kann, ist in der Lage, anders zu kalkulieren. Zudem ist zumindest nicht auszuschliessen, dass die Kundendaten aus öffentlichen Aufgaben als Vorteil genutzt werden, auch wenn dies gesetzlich verboten ist. Hier ist die Wettbewerbskommission (Weko) gefordert, ein Auge auf die weitere Entwicklung zu werfen und einen fairen Wettbewerb sicherzustellen.

Zweitens wird der rasante Zukauf von bisher über 40 Dienstleistungsfirmen mit den Reserven des Energieunternehmens getätigt. Dieses Finanzpolster aus den guten Zeiten könnte auch andernorts verwendet werden, zum Beispiel als Sicherheit für den noch zu tätigenden Rückbau des eigenen Atomkraftwerks. Hier ist die Finanzkontrolle gefragt, die auch sonst – zu Recht – die Ausgaben des Staats auf ihre Wirksamkeit und ihre Risiken hin gründlich prüft. Aber auch die Politik, die derzeit noch etwas gar geblendet wirkt, ist gefordert, genau hinzuschauen. Denn das Risiko der «Hunterstrategie» trägt letztlich der Steuerzahler. Drittens ist die Unabhängigkeit der einverleibten Planungsbüros infrage gestellt. Die Unabhängigkeit von Unternehmern und Lieferanten ist für eine treuhänderische Tätigkeit zentral und deshalb auch in den SIA-Normen festgeschrieben.

Die Usic als Verband der beratenden Ingenieurunternehmen prüft deshalb den Ausschluss einzelner Firmen, die neu dem Energieunternehmen gehören und zwar nicht aus «Angst vor Konkurrenz» (all diese Firmen gab es ja schon vorher), sondern aufgrund der Statuten, welche die Unabhängigkeit sicherstellen.

Auf erste vorsichtig kritische Hinweise reagiert das Energieunternehmen erstaunlich gereizt. Allen Beteiligten – Weko, Finanzkontrolle, Politik und Verbänden – ist umso mehr zu wünschen, dass sie den Mut haben, genau hinzusehen und die nötigen Schlüsse zu ziehen.

Autoren

Dominik Schenk, dipl. Bauingenieur ETH / SIA, ist Vizepräsident der Usic-Regionalgruppe Zürich und Mitglied der Geschäftsleitung bei Basler & Hofmann.

Dipl. Bauingenieur ETH / SIA, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich und Mitglied der Geschäftsleitung von Basler & Hofmann.