Kolumne zum Donnerstag: Pneuwechsel im Schnee

Kolumne zum Donnerstag: Pneuwechsel im Schnee

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In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Matthias Forster, Geschäftsführer von Infra Suisse, mit der Digitalisierung der Bauwirtschaft.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Etwas sonderbar mutete es an, als ich Mitte September – der Sommer hatte sich gerade noch einmal mit 30 Grad zurückgemeldet – ein E-Mail von meinem Garagisten erhielt. Darin machte er mich auf seine Frühbucheraktion aufmerksam: Wenn ich bis Mitte Oktober meine Sommerreifen wechsle, erhalte ich einen kostenlosen Wintercheck. Winter? Schnee?! Aber bitte nicht schon im September, dachte ich mir. Und ich war drauf und dran, das Ganze wie immer bis zum ersten Schneegestöber hinauszuschieben. Bis der Winter kommt, dauert es noch ewig, denke ich mir immer und bin dann jedes Jahr überrascht, wenn er doch plötzlich da ist.

Ebenfalls in weiter Ferne ist die Digitalisierung der Bauwirtschaft. Das glauben zumindest viele in unserer Branche. Diskussionen über Building Information Modeling (BIM) sind im besten Fall spannend, häufig aber mehr Zukunftsphantasien als konkrete Entwicklungsschritte. Die Digitalisierung auf dem Bau, sie kommt, so die verbreitete Meinung. Aber bestimmt nicht so bald. Vielleicht übermorgen.

Anfang September – nur kurz bevor mein Garagist seine Pneuwechsel-Aktion startete – publizierte der Bundesrat seine «Strategie Digitale Schweiz». Darin zeigt er auf, welche Aktivitäten er in den nächsten Jahren plant, damit die Schweiz die Chance der Digitalisierung optimal nutzen kann. Wie die Bundesverwaltung die Strategie konkret umsetzen will, ist in einem Aktionsplan festgehalten. Konkret wollen Bund und alle bundesnahen Betriebe die BIM-Methode ab 2021 für Immobilien und ab 2025 für Infrastrukturbauten zur Pflicht erklären.

Nur noch dreimal Wintereinbruch und BIM gehört für den Bund, den grössten Auftraggeber der Schweizer Infrastrukturbauer, zum Standard. Das dürfte für viele in unserer Branche wie ein Schneefall im Juli anmuten. Zusammen mit den Mitgliedsfirmen gestaltet Infra Suisse hingegen im Rahmen von «Bauen Digital Schweiz» die digitale Zukunft mit. Denn abwarten, bis eine Behörde oder ein Bauherr vorgibt, was gelten soll, ist falsch. Beim digitalen Bauen müssen die Interessen und Bedürfnisse der Infrastrukturbauer berücksichtigt werden. Infra Suisse hat das früh erkannt.

Mein Auto wird dieses Jahr übrigens rechtzeitig wintertauglich gemacht: Ich habe tatsächlich bereits einen Termin mit der Garage vereinbart – auch wenn es draussen gerade noch gar nicht nach Winter aussieht.

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Geschäftsführer von Infra suisse

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