Kolumne zum Donnerstag: Ein Neudenken unserer Bauweise

Kolumne zum Donnerstag: Ein Neudenken unserer Bauweise

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Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Andreas Steffes, Geschäftsführer des SSHV, mit den Stärken des Materials Stahl in Kombination mit anderen Baumaterialien.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Für die Bauwirtschaft ist die Energiestrategie 2050 von grosser Bedeutung. Sie setzt verlässliche politische Rahmenbedingungen, hält aber auch grosse Herausforderungen bereit. Bauwerke enthalten sehr viel graue Energie und Ressourcen. Über 40 Prozent des Energieverbrauchs und rund ein Drittel der klimaschädlichen CO2-Emissionen fallen in der Schweiz im Gebäudebereich an. Wollen wir die graue Energie in unserem Gebäudepark deutlich reduzieren, müssen wir unsere Bauweise überdenken. Holz, Baustahl und Stahlbeton haben grundverschiedene Eigenschaften. Es gilt, das Material mit seinen Eigenschaften und hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit zu beherrschen.

Noch heute werden die einzelnen Baumaterialien gegeneinander ausgespielt. So kennt die Schweiz eine gesetzliche Förderung der Holzbauweise, was jeweils zulasten der anderen Bauweisen geschieht. Die Gründe liegen wohl auch in einer stark fragmentierten und segmentierten Ausbildung, einem fehlenden Willen zur Zusammenarbeit über Verbands- und Materialgrenzen hinweg und dem Fehlen eines ganzheitlichen Denkens bei Architekten und Bau­ingenieuren.

Unsere lineare Denkweise wird durch ein Kreislaufdenken abgelöst. Die Zukunft des Baus fokussiert neben der Digitalisierung auch auf die Wiederverwertung und Rezyklierbarkeit von Gebäudestrukturen. Industrielle Vorfabrikation gewinnt an Bedeutung. Sogenannte «intelligent kombinierte Hybride» vereinen die Anforderungen einer an die Kreislaufwirtschaft 
angepassten Bauweise am besten. Seine wahren Stärken entfaltet das Material Stahl in Kombination mit anderen Baumaterialien. Stahlbau benötigt zwar viel Energie pro Kilogramm, jedoch nur sehr wenig Energie bezogen auf die Tragfähigkeit. Aber auch die weiteren Materialien können ihre Stärken am besten in der Hybridbauweise ausspielen.

Für eine zukunftsorientierte Bauwirtschaft braucht es ein Umdenken in der Ausbildung. Diese muss interdisziplinär und materialoffen erfolgen. Es stehen wichtige Fragen an, die nur gemeinsam bearbeitet werden können, so vor allem bauphysikalische und konzeptionelle Fragen der hybriden Leichtbauweise. Es gilt aber auch, die technischen und rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit Bauwerke schnell, wirtschaftlich und ökologisch erstellt und ebenso schnell, wirtschaftlich und ökologisch wieder um- oder rückgebaut und wiederverwertet werden können. Die verbauten Materialien müssen beständig sein und so verbaut werden, dass sie ohne grosse Zerstörung wieder auseinandergebaut werden können.

Stahl ist nahezu verlustfrei beliebig oft rezyklierbar. Verschraubte Stahlverbindungen bringen die Stahlbauweise zudem in eine Poleposition hinsichtlich Wiederverwendbarkeit. In Kombination mit den anderen Materialien in einer intelligenten Hybridbauweise wird die Bauwirtschaft den Material- wie auch den Energieverbrauch im Gebäudebereich deutlich senken können.

Autoren

Geschäftsführer des Schweizerischen Stahl- und Haustechnikhandelsverbands (SSHV).

Geschäftsführer des Schweizerischen Stahl- und Haustechnikhandelsverbands (SSHV).