Kolumne zum Donnerstag: Die unternehmerische Triebfeder

Kolumne zum Donnerstag: Die unternehmerische Triebfeder

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In der Kolumne zum Donnerstag schreiben Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute ist es Martin Weder, Direktor des Fachverbands der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie (FSKB).

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Als Ökonomiestudent lernt man, dass die Unternehmer Boden, Arbeit und Kapital so kombinieren, dass effizient Produkte entstehen. Dazu benötigen sie Selbständigkeit, Weisungsbefugnis, Wagnis, Organisations-, Leitungs- und Planungsfähigkeiten. Der Ökonomie-Professor Joseph Schumpeter zeigte zudem auf, dass die unternehmerische Freude am Gestalten der Schlüssel zur Innovation und damit die Triebfeder des Wettbewerbs und unseres Wohlstandes ist.

Dennoch beginnen neue Vorschriften immer stärker den unternehmerischen Handlungsspielraum einzuengen. Verschiedene Behörden erwägen beispielsweise ohne Gesetzesauftrag, den Unternehmern neu je einen umweltkundlichen und bodenkundlichen Baubegleiter zur Seite zu stellen. Die «Bodenbegleiter» sollen Mitglieder der Bodenkundlichen Gesellschaft der Schweiz (BGS) sein und gegenüber der Bauleitung und in einem Einzelfall sogar gegenüber dem Bauherrn Weisungsbefugnis erhalten. Einzig das finanzielle Risiko und die Gesamtverantwortung verbleiben vollständig beim Unternehmer.

Diese Absicht, dem Unternehmer behördlich «Begleiter» zur Seite zu stellen, steht im Widerspruch zu unserer sozialen Marktwirtschaft und führt dazu, dass der Unternehmer noch stärker zum Bürokraten verkommt. Obwohl die Unternehmen in der Regel die Anliegen der Umwelt und des Bodens angemessen in ihre Organisationsstrukturen einbauen, dürften sie bereits in Kürze durch Bewilligungsbehörden gezwungen werden, als verlängerten Arm der behördlichen Fachstellen akademisch geschulte Umwelt- und Bodenbegleiter zum Akademikerlohn einzustellen und ihnen die behördlich verfügten Weisungsbefugnisse zuzuweisen.

Die unternehmerische Tätigkeit beginnt, tendenziell sich darauf zu beschränken, den Behörden rechtzeitig den vollständigen Nachweis zu erbringen, dass im Unternehmen die Anforderungsprofile und Weisungsbefugnisse vorschriftskonform festgelegt sind. Formalismus beginnt, die von Professor Schumpeter postulierte unternehmerische Freude am Gestalten abzulösen. Die Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital werden auf Kosten des Unternehmers zu willkürlichen Kombinationen zusammengefügt, die an den Erfordernissen des nachhaltigen Wirtschaftens vorbeischiessen.

Für das Erreichen der Immissionsziele sind aber Rahmenbedingungen gefragt, die in der Lage sind, den unternehmerischen Gestaltungswillen zusätzlich zu fördern, und die bewirken, dass der Unternehmer von sich aus motiviert ist, noch stärker zur Natur und zur Ökologie langfristig Sorge zu tragen.

Wettbewerbsfördernde Instrumente wie akkreditierte Inspektorate oder Weiterbildungssysteme sowie Emissionshandel liegen vor, und das Bundesamt für Umwelt (Bafu) sowie einzelne Kantone verfügen bereits über diesbezügliche Anwendungserfahrungen. Es ist deswegen wichtig, dass diese Instrumente in unsere Umweltpolitik noch stärker Eingang finden und dass wir uns von den die unternehmerische Triebfeder blockierenden Instrumenten für immer verabschieden.

Autoren

Direktor des Fachverbands der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie (FSKB).

Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie (FSKB).