Kolumne zum Donnerstag: Die Ronaldos der Bauwirtschaft

Kolumne zum Donnerstag: Die Ronaldos der Bauwirtschaft

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In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Benedikt Koch, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands, mit den Parallelen zwischen Bau- und Fussballprofis. 

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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Schreibmaschine, Schmuckbild.

Noch ein paar Tage, dann herrscht Ausnahmezustand. Nein, ich meine nicht die angekündigte Bau-Demo der Gewerkschaften. Auch nicht die Stellenmeldepflicht zur Umsetzung des Inländervorrangs, die ab 1. Juli 2018 gilt und den Bauunternehmern Kopfzerbrechen bereiten wird. Sondern die Fussball-Weltmeisterschaft, die am 14. Juni beginnt.

Warum erzähle ich Ihnen in einer Baufachzeitschrift von Fussball? Weil unsere Bauprofis mit Fussballprofis wie Christiano Ronaldo sehr viel gemeinsam haben! Die meiste Zeit arbeiten sie im Freien. Erfolgreich sind sie nur, wenn sie als Team zusammenspielen. Sie müssen flexibel sein und sich blitzschnell auf neue Situationen einstellen können. Die Saläre sind gut – unter den Handwerksberufen spielt der Bau lohnmässig in der Champions League. Und mit rund zwei Dritteln ist der Ausländeranteil im Bauhauptgewerbe genau gleich gross wie im Kader des FC Basel.

Jeder dritte Bauarbeiter in der Schweiz teilt gar mit Cristiano Ronaldo die Muttersprache. Die ab Juli 2018 geltende Stellenmeldepflicht wird nicht grundsätzlich etwas daran ändern, dass die Baufirmen Personal auch auf dem internationalen Transferparkett rekrutieren müssen. Zumal wenn es gilt, bestimmte Schlüsselspieler zu finden, die der hiesige Arbeitsmarkt nicht in ausreichender Zahl hervorbringt.

Im Fussball gibt es Helden. Stars wie Cristiano Ronaldo stehen im Rampenlicht. Kein Wunder, dass viele Jungs – und immer mehr Mädels – Fussballprofis werden wollen. Die Nachwuchsabteilungen der Klubs stossen an ihre Kapazitätsgrenzen. Maurer, Strassen- oder Grundbauer hingegen haben nicht das Image von Traumberufen. Trotz der vielen Parallelen. Und obwohl mir viele Bauleute erzählen, dass sie in unserer Branche ihren Traumberuf gefunden haben. Sie ahnen es, worauf ich hinauswill: Wenn wir mehr inländische Talente für den Bau rekrutieren wollen, brauchen wir ebenfalls Vorbilder, mit denen die Jungen sich identifizieren können. Wir brauchen nicht nur Fussball-, sondern auch Bauhelden.

Es stimmt, dass ein gelernter Maurer in der Schweiz etwa 25 Jahre lang arbeiten müsste, um gleich viel zu verdienen wie Cristiano Ronaldo in einem Monat. Jedoch verdienen drei Viertel der Profifussballer weltweit weniger als viertausend Franken im Monat. Ich bin überzeugt, dass viele von ihnen besser Maurer, Strassen- oder Grundbauer geworden wären.

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Benedikt Koch ist Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.
Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.

Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.