Kolumne zum Donnerstag: Der Preis ist heiss

Kolumne zum Donnerstag: Der Preis ist heiss

Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Timur Rönnert, Mitglied des Lenkungsausschusses von Betonsuisse, mit der aktuellen Preissituation.

Schreibmaschine, Schmuckbild.
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libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Es gibt verschiedene Gründe, wieso ich eine Preiserhöhung, eine Erhöhung der Kosten, annehmen sollte. Es gibt auch verschiedene Gründe, weshalb ich eine Preiserhöhung ankündigen und einfordern sollte. Preiserhöhungen ergeben sich vor allem aufgrund von Entwicklungen, die wir in keiner Weise beeinflussen können und die alle Marktteilnehmer gleichzeitig betreffen. Die aktuelle Preissituation wird durch die zentralen Bereiche Logistik, Energie und Rohstoffe beeinflusst.

Die Infrastruktur wird immer stärker belastet, was zu höheren Logistikkosten führt. Des Weiteren beeinflussen vor allem die steigenden Energiekosten das Preisniveau. Die Kosten für Rohöl pro Barrel der Sorte Brent sind binnen eines Jahres um fast 30 Prozent gestiegen. Deutliche Preissteigerungen bei Rohstoffen, Material und Dienstleistungen gibt es auf breiter Front über alle Beschaffungsfelder hinweg, unter anderem bei Stahl, Karton, Kraftsackpapier, Füllstoffen, Additiven und Zuschlagstoffen. Bei den natürlichen Rohstoffen wie Sand, Kies und Kalkstein zeichnen sich mittel- und langfristig Versorgungsengpässe ab. Die Genehmigung der Erschliessung neuer, aber auch die Erweiterung bestehender Gruben wird immer schwieriger und durch Umwelt- und Rekultivierungsauflagen deutlich teurer.

Speziell in unserer Branche verkaufen wir aber nicht Produkte, die fixfertig vom Endkunden so eingesetzt werden. Wir fertigen Produkte und unterstützen unsere Kunden mit unseren Dienstleistungen, damit diese selber eigene Serviceangebote und Zwischenprodukte erstellen können. Die Produkte und Servicedienstleistungen in der Baubranche sind daher oft schwer zu vergleichen. Ich bekomme für mehr Geld nicht einfach mehr Menge oder bessere Qualität. Manchmal erhalte ich auch weniger Ausschuss, mehr Sicherheit oder mehr Geschwindigkeit. 

Wie kann ich hier überhaupt vergleichen? Dazu braucht es Erfahrung. Ich benötige gut ausgebildete Mitarbeitende, die ihre unternehmerische Verantwortung wahrnehmen, das Beste für mein Unternehmen herauszuholen. Wie erreiche ich das? Indem ich Berufsstolz fördere. Indem ich meinen Mitarbeitenden zeige, dass sie wertvoll und selbstständig sind. Indem ich sie wertschätze. Dazu muss ich diese Werte vorleben und meine Mitarbeitenden «empowern». Eine solide Ausbildung, eine Berufslehre, gute Werkzeuge und gute Produkte kosten viel Geld. Aber nur mündige und professionelle Mitarbeitende können einschätzen, wo die vorhandenen Mittel voll zum Einsatz kommen. Auch bei meinen Lieferanten und Partnern brauche ich solche Mitarbeitenden, die mich in meiner Wertschöpfung nachhaltig unterstützen können.

Wenn Sie sich in diesen Tagen, anfangs 2019, an den Verhandlungstisch setzen werden, egal auf welcher Seite: Überlegen Sie sich, welche Wertschätzung Ihnen wichtig ist. Kämpfen Sie dafür, dass Sie und der Geschäftspartner auf der anderen Seite sich den nötigen Berufsstolz aus gutem Grund auch in Zukunft noch leisten können. 

Autoren

Delegierter der Stammgruppe Produktion und Handel bei Bauenschweiz und Geschäftsführer der PCI Bauprodukte AG.

Delegierter der Stammgruppe Produktion und Handel bei Bauenschweiz und Geschäftsführer der PCI Bauprodukte AG.