Kolumne zum Donnerstag: Berufslehren auf dem Bau werden abgeschafft

Kolumne zum Donnerstag: Berufslehren auf dem Bau werden abgeschafft

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Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag schreiben Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute ist es Matthias Forster ist Geschäftsführer von Infra Suisse.

Das ist natürlich völliger Blödsinn. Alles erstunken und erlogen. Die Lehren im Baugewerbe werden nicht abgeschafft. Erfundene Meldungen haben seit dem US-amerikanischen Wahlkampf einen Namen: Fake News. Solche gefälschten Neuigkeiten haben ihren Reiz. Sie tönen unglaublich reisserisch, verleiten zum Weiterlesen und wollen empören.

Im Gegensatz zu den Fake News, die komplett aus der Luft gegriffen sind und beispielsweise einen Präsidentschaftskandidaten zur Strecke bringen wollen, steckt jedoch in der Headline dieser Kolumne ein wahrer Kern. Es geht um die Verordnung über gefährliche Arbeiten für Jugendliche, welche das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) momentan ohne grosses Aufheben komplett revidieren will.

Der Vorschlag des Seco: Arbeiten ausserhalb eines fest eingerichteten Arbeitsplatzes sind für Jugendliche verboten. Genauso untersagt sind Arbeiten mit Baumaschinen und mit heissen Materialien (wie zum Beispiel bituminösem Asphalt) oder Tätigkeiten, die kniend oder hockend ausgeführt werden. Die Verordnung wird sogar noch deutlicher und nennt explizit die Arbeiten auf Baustellen oder im Gleisbau. Faktisch wäre damit die viel gelobte duale berufliche Grundbildung in der Bauwirtschaft per Bundesverordnung abgeschafft. Ob sich das Seco dessen bewusst ist, wage ich zu bezweifeln.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft verkennt, dass in der Bauwirtschaft die Sicherheit der Mitarbeitenden höchste Priorität hat. Das gilt besonders in der Berufsbildung. Dabei hat Infra Suisse vor Kurzem die Bildungspläne angepasst und detailliert aufgelistet, wie die Lernenden an der Berufsfachschule und im Lehrbetrieb in Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz geschult und angeleitet werden. In der Folge hatten die Lehrbetriebe ihre Ausbildungsbewilligungen zu erneuern. Erhöht wurde die Sicherheit damit kein bisschen. Sicherheit ist für das Seco ein administrativer Akt, für die Lehrbetriebe, ihre Lernenden und die Ausbildungsstätten aber eine wichtige Aufgabe im Alltag.

Wer nur den Titel dieser Kolumne gelesen hat, wurde Opfer einer Fake News und hat – je nach Temperament – den Kopf geschüttelt oder sich masslos aufgeregt. Natürlich wird es auch weiterhin sichere Lehrstellen für Strassenbauer, Maurer, Gleisbauer und alle anderen Berufe auf dem Bau geben. Es muss sie weiterhin geben. Dafür setzen sich Infra Suisse und ihre Partnerverbände ein. No Fake!

Autoren

Geschäftsführer von Infra suisse

Geschäftsführer von Infra Suisse