Grundbauer Oliver Zehnder: LAP mit Sechser-Schnitt abgeschlossen

Grundbauer Oliver Zehnder: LAP mit Sechser-Schnitt abgeschlossen

Teaserbild-Quelle: Ulrike Nitzschke
LAP mit Sechser-Schnitt

Wo andere in die Luft gehen, sorgt Oliver Zehnder für ein tragfähiges Fundament. Der frischgebackene Grundbauer hat seine zweite Ausbildung mit einer glatten Sechs abgeschlossen. Seine nächste Etappe ist die Bauführer-Schule.

Wissensdurst: Nach zwei erfolgreichen Lehrabschlüssen drückt Oliver Zehnder bald die nächste Schulbank. 
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Ulrike Nitzschke

Wissensdurst: Nach zwei erfolgreichen Lehrabschlüssen drückt Oliver Zehnder bald die nächste Schulbank. 

Nach zwei Wochen Militär hätte er eigentlich noch ein paar Tage ausspannen können. Aber zwei Wochen ohne Baustellenluft sind für Oliver Zehnder eine sehr lange Zeit. Also ist er schon heute wieder zurück bei seinen Kollegen am Flughafen Zürich. Am Parkhaus 6 entsteht eine neue Gepäcksortieranlage. «Wir sorgen für den Grundstock», erklärt der 25-Jährige. Wir – das sind der Polier Dominique Fuchs, der Maschinist Alessandro Galati, der Bohrarbeiter Francesco Fati und der frischgebackene Grundbauer Oliver Zehnder. Kaum einer kenne diese Berufsbezeichnung. «Was wir machen, ist beim fertigen Gebäude ja auch nicht mehr zu sehen.» Für den neuen Bau in Kloten müssen an die 200 Bohrpfähle mit Durchmessern bis zu anderthalb Metern in 24 Metern Tiefe gegründet werden. Sie sollen die Gebäudelast in tiefere, tragfähige Bauschichten abtragen. In sumpfigen Böden wie rund um Zürich geht also nichts ohne Grundbauer. 

Von Kindesbeinen an auf dem Bau

Seine Lehrabschlussprüfung hat Oliver Zehnder mit einer glatten 6 bestanden. Nach dem Grund gefragt, fällt die Antwort bescheiden aus: «Es war meine zweite Lehre.» Bei der ersten, da sei man grad aus der Schule raus, die Motivation ein paar Jahre später eindeutig grösser. 

Zehnder ist in der Baubranche aufgewachsen. «Meine beiden Brüder und ich sind schon als Buben mit auf Baustellen rumgestiefelt.» Der Vater führt eine Hochbau-Firma in Birmensdorf. Die Brüder absolvierten ihre Lehre im Familienbetrieb. Zehnder wollte sich andernorts seine ersten Sporen verdienen, entschied sich mit 15 für die Ausbildung zum Baumaschinenmechaniker bei der Richi AG in Weiningen und schloss diese Lehre mit einer (wohl ebenfalls nicht unmotivierten) 4,9 ab. «Sprachlich bin ich nicht der Hirsch. Aber Mathe und Geometrie, was man auf dem Bau braucht, das interessiert mich.» 

Erfahrung und Vertrauen im Team

Nach der Lehre sammelte er vier Jahre Berufserfahrungen im Ausbildungsbetrieb. Dann zog es ihn weiter. «Ich wollte in den Spezialtiefbau.» Vor allem die Tiefbaumaschinen hatten es ihm angetan. Also entschloss er sich zu einem Firmenwechsel. Bei der Marti AG begann er zunächst als Handlanger, bis zum Start der zweijährigen Anschlusslehre zum Grundbauer. Über seinen Lehrlingslohn sei nicht lange verhandelt worden, man habe sich finanziell «zwischendrin» gefunden. 

Der Betonfahrmischer ist angekommen. Oliver Zehnder weist ihn ein. Weitere Kommunikation braucht es nicht. Jeder weiss, was zu tun ist. Ein eingespieltes Vierer-Team – beim Absenken des Flüssigbetons in den armierten Bereich, beim Ausmessen, bevor ein Rohrstück herausgezogen werden kann, das abgeschraubt, angehoben und weggefahren wird und der nächste Beton hineinfliesst. Alles geht Hand in Hand. Das braucht Erfahrung. Und Vertrauen. Auf den Kollegen hinter dem Steuer, auf dem Bohrgerät und dem Podest. 

Auf Baustellen statt im Ferienflieger

«Wir sind in der ganzen Deutschschweiz unterwegs, meistens genau in diesem Vierer-Team.» Mal fährt Zehnder mit dem Zug zur aktuellen Baustelle, mal mit dem Mountainbike. Zum Flughafen kommt er mit der S-Bahn. Um 6.45 Uhr geht es hier los. Auf dem Weg vom unterirdischen Bahnhof zum Baucontainer läuft er vorbei an Ticketschaltern und Terminals, Flugpersonal und vorfreudigen Passagieren. Fernweh stellt sich trotzdem nicht ein. «Ich bin nicht der Ferientyp. Das liegt wohl in der Familie.» In seinem Beruf sei er ständig an neuen Orten: «Man kommt raus und sieht was von der Schweiz.» Die Arbeit unter freiem Himmel gefällt ihm, auch wenn es 
bei Kälte und Schnee im Winter schon mal Überwindung koste. «Und dass man recht früh Verantwortung übernehmen kann.» 

Darin übt er sich bereits seit jungen Jahren als Trainingsleiter im Turnverein. «Mit 15 habe ich die Jugi-Leiter-Position übernommen, mit 17 wurde ich in den Vorstand gewählt. Jetzt bin ich stellvertretender Leiter, im nächsten Jahr werde ich dann der technische Leiter unseres Turnvereins.»

Nächste Etappe: Bauführer-Schule

Auch auf dem Bau will er dranbleiben. Zehnders nächste Etappe heisst Bauführer-Schule am IBZ Altstetten. «Pro ein Zehntel über der Note 5 habe ich eine Arbeitswoche geschenkt bekommen. Beginnend mit dem 5er also ganze elf Wochen.» Diese könnten Ansporn sein, mal so richtig lange Ferien zu machen. Aber er wird die finanzierte Freizeit für seine nächste Ausbildung nutzen. Die muss er selbst bezahlen, unterstützt mit einem Förderbeitrag vom Kanton Zürich. Los geht’s im Oktober. Dreieinhalb Jahre lang, berufsbegleitend jeweils freitagabends und samstags den ganzen Tag. Da gehen Gleichaltrige in den Ausgang. «Meine Kollegen haben absolut Verständnis. Sie arbeiten alle im Baugewerbe – als Hochbauzeichner, Bauingenieur und so weiter.» Praktisch sei auch, dass seine Freundin, gelernte Multimedia-Elektronikerin, zu gleicher Zeit ein dreieinhalbjähriges Studium beginne. Sie freue sich zudem, dass Zehnder vom Baumeisterverband und dem Kurszentrum Effretikon für seinen 6er-Lehrabschluss einen Reisegutschein in Höhe von 1000 Franken bekommen hat. «Dann werden wir wohl mal über Neujahr verreisen. Eine Grossstadt anschauen. Vielleicht New York. Das würde mich interessieren.» 

Sein bislang spannendstes Projekt waren die Tiefbauarbeiten für die Villa Rosa am Zürcher Bürkliplatz im vergangenen Winter. «Da hatten wir alles: Schlitzwände, Bohrpfähle, Anker, Mikropfähle, Spundwände und Grundwasserabsenkung.»

Aber: keine Zeit zum Schwärmen, Oliver Zehnder zieht sich wieder die wattierten Handschuhe an. Er wird gebraucht und sagt zum Abschied nur noch rasch: «Meisterprüfung – das wäre auch noch was.»

Der Grundbauer

Oliver Zehnder (links) hat die Lehre zum Grundbauer mit der Note 6 abgeschlossen.

Grundbauer sind im Spezialtiefbau tätig. Sie führen anspruchsvolle Tiefbauarbeiten mit grossen Maschinen aus, zum Beispiel: Tiefbohrungen zur Berechnung der Tragfähigkeit eines Fundaments, Sichern von Bau-gruben, Pfählgründungen zur Übertragung der Gebäudelast auf tiefliegenden Baugrund, Bau von Grundwasseranlagen. Voraussetzungen sind ein Volksschulabschluss, Freude am Arbeiten im Freien und am Umgang mit Geräten und Maschinen, handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, gute Konstitution, Sicherheitsbewusstsein, Teamfähigkeit und Selbständigkeit.

Die dreijährige schulische Bildung findet in Blockkursen an der «Berufsfachschule Verkehrswegbauer» in Sursee statt. Die Schwerpunktausbildung beginnt im dritten Jahr der Grundbildung. Überbetriebliche Kurse runden die praktische und schulische Bildung ab.

Autoren

Freie Mitarbeiterin für das Baublatt.