Unterwegs: Unter Tage im Bergwerk Gonzen

Fahrt in die Unterwelt: Magische Stollen im Bergwerk Gonzen

Teaserbild-Quelle: Pascale Boschung
Fahrt in den Untergrund

Das Gonzen-Bergwerk in Sargans feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Spezialführungen laden Besucher noch bis zum 20. Juli dazu ein, im grössten Schaubergwerk der Schweiz mit dem Bähnli ins Berginnere zu fahren und die Stollen mit Lichtspektakel zu besichtigen.

Grubenfahrt zum Herzen des Bergs

Wegen sinkender Weltmarktpreise und erhöhten Förderkosten musste der Betrieb des Bergwerks Gonzen am 2. Mai 1966 eingestellt werden. Mit dem Abgang der letzten Mineure und Knappen verstummten das Dröhnen der Kompressoren und Rattern der Bohrhämmer in Vild bei Sargans im Kanton St. Gallen. Das riesige Stollenlabyrinth, zahlreiche Werkzeuge und Maschinen blieben im Berg Gonzen zurück.

Für lange Zeit lag das Eisenbergwerk daraufhin still. Bis 1983 der Verein «Pro Gonzenbergwerk» gegründet wurde und damit Führungen in die stillgelegte Welt im Untergrund angeboten wurden. Bereits im ersten Halbjahr führte der Verein 3500 Interessierte zu den verlassenen Stollen und Abbaufeldern des Werks unter Tage.

2005 wurden im Eingangsbereich des Bergwerks unterirdische Hohlräume mittels Sprengungen geschaffen. In den Kavernen sollten später das heutige Restaurant Bergwerk, das Bergwerksmuseum sowie der Besucher-Bahnhof Platz finden. Rund 9200 Kubikmeter Fels wurden dabei ausgebrochen. Die Kosten beliefen sich auf 4,5 Millionen Franken.

Auch heute noch bietet der Verein vielseitige Rundgänge in die spannende Welt «Untertag». Eine Normalführung dauert etwa 2.5 Stunden. Zum Angebot gehören auch ganztägige und sogar zweitägige Führungen. Bei letzterer übernachten die Teilnehmer in einer Bunkeranlage der Schweizer Armee in der Nähe der ehemaligen Bergstation der Luftseilbahn in Naus auf 1000 Meter über Meer.

Infrastruktur zum Teil unter Wasser

Noch bis am 20. Juli gibt es im Rahmen des Jubiläums an festgelegten Tagen einmalige Spezialführungen unter dem Thema «BergLICHTwerk». Dabei wird die Infrastruktur rund um den ehemaligen Basisbahnhof im Berginneren mit Lichtinstallationen, historischen Tonaufnahmen oder Nebel in Szene gesetzt. Der Rundgang beginnt beim Stollen-Bahnhof im Eingangsbereich. Von dort aus geht es mit dem kleinen «Gonzen-Express» rund zwei Kilometer in den Berg hinein zum früheren «Hauptbahnhof» der Arbeiter.

Dort erwarten die Besucher erfahrene Stollenführer, die während rund zwei Stunden über die Arbeit der einstigen Bergwerker, deren Maschinen und Werkzeuge sowie über die Geschichte des Eisenbergwerks berichten. Lichtquellen hat es im unterirdischen Gebilde zwar genug, zur Atmosphäre tragen aber auch dunkle Stollen bei, aus denen lediglich leises Wasserplätschern zu hören ist.

Der Rundgang führt dabei durch das Stollengeflecht zu Galerien, Fahrungen, Bremsbergen, Silos und Gesenken. Besonders speziell: Unter dem Gebiet des Basisbahnhofs befinden sich eigentlich noch weitere Stollen, die jedoch unter Wasser stehen. Davon zeugt zum Beispiel eine Fahrung, deren Gleise ins kühle Nass führen und im Nichts zu verschwinden scheinen (Impressionen zur Führung im Video).

Impressionen der Grubenfahrt zum Thema «BergLICHTwerk». (Video: Pascale Boschung)

116‘000 Tonnen Eisenerz gefördert

Rund 90 Kilometer umfasst das riesige Stollengeflecht heute im Eisenbergwerk Gonzen in Sargans SG. Die Geschichte des Werks reicht weit zurück: Der Erzabbau wurde bereits ab 200 v. Chr. nachgewiesen. Das Bergwerk selbst fand erstmals im Jahr 1396 urkundlich Erwähnung. 

Nach mehreren Besitzerwechseln in der Geschichte des Werks wurde schliesslich 1919 die Eisenbergwerk Gonzen AG gegründet. 150 bis 180 Personen arbeiteten um 1920 im Werk. 22 Jahre später waren es doppelt so viele: 380 Bergarbeiter förderten damals bis zu 116‘000 Tonnen Eisenerz aus dem Gonzen. Gefördert wurden dabei Erze wie Hämatit, Magnetit und Hausmannit.

Zwischen 1919 und 1951 wurden die Erze noch mit einer Luftseilbahn zur Aufbereitungsanlage im Tal transportiert. Mit der Errichtung des Grundstollens wurde diese allerdings wieder rückgebaut. Bevor es letzteren und die Seilbahn gab, beförderten die Arbeiter das Erz noch unter Schwerstarbeit mittels Schlitten ins Tal. Davon und von weiteren spannenden Details erzählen die Stollenführer live vor Ort. Ein Ausflug zum Herzen des Gonzen lohnt sich.

Allgemeine Informationen

Quelle: 
Screenshot / bergwerk-gonzen.ch

Seit 1983 organisiert der Verein «Pro Gonzenbergwerk» geführte Stollenbesichtigungen im zugänglichen Teil des stillgelegten Eisenbergwerks. 

Auf Voranmeldung bieten sich für grössere Gruppen verschiedene Führungsmöglichkeiten: 

  • Grosse Führung (Dauer: 3.5 Std.)
  • Normalführung (Dauer: 2.5 Std.)
  • Bahnhofsfahrt (Dauer: 2.5 Std.)
  • Schulführung (Dauer: 2.5 Std.)

Für Einzelpersonen und kleinere Gruppen sind Führungen monatlich festgelegt. Eine Liste der Führungstermine für 2019 finden Sie hier: bergwerk-gonzen.ch.

Neben den Führungen gibt es im hinteren Teil des Restaurants Bergwerk ein kleines Bergbaumuseum, das einen Einblick in die Arbeit der Bergwerker sowie in die Geschichte und Geologie des Gonzens bietet. 

Weitere Infos: bergwerk-gonzen.ch

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