Froschmuseum: Ausgestopfte Frösche als Gesellschaftskritik

Froschmuseum: Ausgestopfte Frösche als Gesellschaftskritik

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Teaserbild-Quelle: Pascale Boschung
Ein Museum für Frösche

Die mittelalterliche Kleinstadt Estavayer-le-lac am Südostufer des Neuenburgersees zeugt nicht nur von vielen historischen Ereignissen. Sie ist auch die Heimat einer aussergewöhnlichen Sammlung, die aus ausgestopften und präparierten Fröschen besteht.

Die ausgestopften Frösche des Museums sind zu verschiedenen Alltagsszenen der Biedermeierzeit arrangiert: Darunter befinden sich unter anderem Episoden einer Schulklasse, eines Barbier-Besuchs, eines Pokerspiels oder auch eine ganze Tafel mit Szenen der grünen Figuren. Erstellt wurden sie zwischen 1848 und 1860 von François Perrier, der damit satirische Szenen darstellen und die damalige Gesellschaft kritisieren wollte. Die Sammlung war in jener Epoche jedoch keine Besonderheit: die Karikatur und die vermenschlichte Darstellung in der Tierwelt war damals weit verbreitet. Zudem galt das 19. Jahrhundert in Europa als das Goldene Zeitalter der Miniatur- und Taxidermiekunst.

Die Froschsammlung der Kleinstadt ist aussergewöhnlich durch die Anzahl Exemplare – es sind insgesamt 108 Frösche –, die spezielle Herstellung und den ausgezeichneten Zustand. Der Erschaffer der skurrilen Kunst erzählt mit den obskuren Szenen von einer neuen sozialen Klasse: Dem Kleinbürgertum. Kleinbürger wurden jene Angehörige des Bürgertums genannt, die dessen unterster Schicht angehörten. Dazu zählten unter anderem Handwerker, kleine Kaufleute und Volksschullehrer. Mit Humor reduzierte er den Menschen bei der Darstellung auf einen Frosch – das damalige westliche Symbol für Faulheit, Gier und Völlerei.

François Perrier wurde 1813 geboren und entstammt einer illustren Familie savoyischen Ursprungs, die seit dem 17. Jahrhundert in Estavayer ansässig war. Die Arbeit mit den Fröschen hätte er in seiner Heimatstadt nach einer Karriere als Unteroffizier im Vatikan begonnen. Die Herstellung der Frösche war etwas abstossend: Es wird vermutet, dass Perrier die Amphibien mit dem Mund ausweidete. Auf ihre Haut reduziert, behandelte er sie und füllte sie mit Sand, um sie schlussendlich in die heutige Position der satirischen Alltagsszenen zu bringen.

Informationen zum Froschmuseum

Der Eingang zum Froschmuseum. (Quelle: Pascale Boschung)

Das Museum ist in einem ehemaligen herrschaftlichen Haus aus dem 15. Jahrhundert eingebettet und kombiniert Wunderkammer-Atmosphäre mit moderner Ausstellungsweise. Der Grossteil der Sammlung besteht aus Schenkungen von Familien aus Estavayer und Freiburg. Neben der namensgebenden Ausstellung der Frösche zeigt das kleine Museum auch Facetten des Lebens, der Arbeit, der Mode und der Kriege vergangener Epochen.

Öffnungszeiten

März bis Dezember
Dienstag – Sonntag, 13 – 18 Uhr

46.8494745, 6.8485669

Autoren

Redaktorin Baublatt

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