Unia-Chefin Vania Alleva: «Wir müssen jetzt herunterfahren»

Unia-Chefin Vania Alleva: «Wir müssen jetzt herunterfahren»

Teaserbild-Quelle: Manu Friederich
Uni-Chefin fordert Wirtschaftsstillstand

Die Chefin der Gewerkschaft Unia fordert, die Wirtschaft in der Schweiz während der Coronakrise komplett stillzulegen. «Wir müssen jetzt herunterfahren», sagte Vania Alleva in einem Interview mit dem «Blick».

Unia-Chefin Vania Alleva
Quelle: 
Manu Friederich

Die Unia-Chefin Vania Alleva fordert den kompletten Stillstand der Wirtschaft.

«Wir haben einen Vollzugsnotstand bei den Coronamassnahmen», sagt sie. Das Notstandsregime werde nicht umgesetzt, die Kontrollen der Kantone seien mangelhaft. Das Tessin habe deshalb mit dem verhängten Wirtschafts-Shutdown alles richtig gemacht.

«Der Schritt ist konsequent», sagt Alleva. Jeder Tag, an dem zugewartet werde, mache die Situation nur schlimmer. Die Beispiele Italien und New York zeigten, dass ein schnelles Handeln breit akzeptiert sei.

«Arbeitnehmer haben Angst»

Auch bei den Tätigkeiten, die für die Gesellschaft unverzichtbar sind – Gesundheitswesen, Versorgung, Infrastruktur - müssten die Arbeitnehmenden besser geschützt werden, fordert Alleva. «Wir dürfen nicht riskieren, dass das Pflegepersonal oder die Menschen, die uns mit Lebensmitteln versorgen, ausfallen.» Viele Gewerkschaftsmitglieder haben sich laut Alleva in den vergangenen Tagen gemeldet. «Weil sie Angst haben. Angst um ihre Existenz und Angst um ihre Gesundheit.»

Weitere Milliarden gefordert

Die vom Bundesrat versprochenen zig Milliarden würden nicht reichen, sagte Alleva. Es werde mehr Geld brauchen, «um Lohneinbussen zu kompensieren, und nach der Krise ein grosses Konjunkturprogramm, damit die Wirtschaft wieder durchstarten kann». Die Schweiz könne das bezahlen. Für die Unia sei klar: «Der Schutz der Bevölkerung hat oberste Priorität. Und ja, das wird Geld kosten.»

Arbeitgeberverband warnt vor Folgen

Laut Alleva stehen die Arbeitgeber im Tessin, aber auch in den Kantonen Waadt und Genf hinter den Forderungen der Gewerkschaften. Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, warnt dagegen vor den drastischen Folgen eines kompletten Stillstands. «Wir müssen funktionierende Wertschöpfungsketten erhalten», sagt er im «Blick».

Ein Shutdown hätte aus seiner Sicht «unabsehbare Folgen für die Versorgung des Landes». «Das wäre ein gefährliches Experiment für die Schweiz», sagt der oberste Arbeitgeber. «Der Schaden wäre riesig und würde die Ansteckungsgefahr kaum weiter reduzieren.»

Appell zur Disziplin

Swissmechanic, der Arbeitgeberverband der KMU, fordert die Produktionsbetriebe stattdessen auf, die vom Bund verordneten Schutzmassnahmen des Bundes einzuhalten. «Die Gesundheits-, Hygiene- und Abstandsvorschriften müssten in den Betrieben strikt umgesetzt werden», heisst es in einer Mitteilung. Jeder Arbeitgeber sei aufgerufen, individuelle Prüfungen vorzunehmen.

Nur so könne verhindert werden, dass der Bundesrat die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung verstärke und weitere einschneidende Einschränkungen beschliessen werde. «Müsste die Grosszahl der Produktionsbetriebe geschlossen werden, würde dies für unser Land und unsere Bevölkerung zusätzliche massive wirtschaftliche Probleme bringen.»

Baustellen grundsätzlich offen

Nicht betroffen von den bundesrätlichen Verboten sind bisher Baustellen. Die an den Projekten beteiligten Arbeitgeber sind aber verpflichtet, die Empfehlungen des Bundes zur Hygiene und zur Einhaltung der Abstände einzuhalten. 

Bauenschweiz ruft die Verantwortlichen für die Baustellen, die Bauherren und Bauherrenvertreter, aber auch alle Unternehmer und Subunternehmer eindringlich auf, ihre Mitarbeitenden zu instruieren, wie der Verband in einer Mitteilung schreibt. Dort, wo die Massnahmen nicht eingehalten werden könnten, sei eine Baustellenschliessung unumgänglich. (sda/pb)