„Zweites St. Moritz“ nicht erwünscht

„Zweites St. Moritz“ nicht erwünscht

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: zvg
Zwar steht die Andermatter Bevölkerung Samih Sawiris’ Tourismusresort positiv gegenüber, sie befürchtet aber, dass die Lebenshaltungskosten steigen. Man will nicht, dass sich Andermatt zu einem „zweiten St. Moritz“ entwickelt. Dies ergaben die ersten Resultate der Langzeitstudie der Hochschule Luzern zu den Auswirkungen des Resorts.
 
 
Der Bau des Tourismusresorts bedeutet für Andermatt und das ganze Urserental nicht nur eine grosse Gäste- und Bevölkerungszunahme, sondern auch massive räumliche Veränderungen. Eine Langzeitstudie der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit soll bis 2020 die sozialen und kulturellen Auswirkungen des Tourismusresorts erforschen. Die Studie sei ein „Frühwarnsystem“, mit dem sich negative Auswirkungen auf die Bevölkerung frühzeitig erkennen und abwenden liessen, heisst es dazu in der Medienmitteilung der Hochschule. Die Studie gliedert sich in vier Teile.
 
Dieser Tage wurden den erste Ergebnisse der ersten Teilstudie zu den soziokulturellen Auswirkungen vorgestellt. Mit einem Zufallsverfahren waren insgesamt 25 Personen unterschiedlicher Altersgruppen für Einzelinterviews ausgewählt worden. Zusätzlich wurden mit Vertretern des Gewerbes sowie mit Jugendlichen aus der dritten Oberstufe Gruppengespräche geführt. Ziel war, herauszufinden, wie die Bevölkerung die Situation in Andermatt seit der Planung des Resorts erlebt und zu erfahren, welche Themen die Andermatter im Hinblick auf die Zukunft besonders beschäftigen. - Die Gespräche wurden im Zeitraum Dezember 2009 bis März 2010 durchgeführt.

Grundsätzlich positiv …

Grundsätzlich steht die Mehrheit der Befragten dem Bau des Resorts und Samih Sawiris positiv gegenüber. Ausschlag dafür mag laut Studie der erwartete wirtschaftliche Aufschwung gegeben haben. Doch die Stimmung scheint sich zu wandeln: Während vor allem in der Planungsphase noch Euphorie vorgeherrscht habe, würden heute vermehrt konkrete Erwartungen und Befürchtungen geäussert, heisst es. Die Befragten hofften, dass die Dorfgemeinschaft so bleiben könne, wie sie sei und nicht zu einem zweiten St. Moritz werde. Viele der Befragten befürchten in diesem Zusammenhang besonders mögliche, unerschwingliche Lebenshaltungskosten.
 
Ein Teil der Befragten mache sich über den Wandel keine Gedanken, schreibt die Hochschule Luzern in ihrer Pressemitteilung. Sie warteten ab, was die Zukunft bringe. Nur einige wenige erwägen den Wegzug aus Andermatt, sollten sie mit der veränderten Situation nicht zurechtkommen. Derweil rechnen etwa die Vertreter des ansässigen Gewerbes damit, dass der Bau des Resorts neue Firmen nach Andermatt locken wird. Mehr Perspektiven erwarten die befragten Jugendlichen, etwa qualifizierte Arbeitsplätze und ein grösseres Freizeitangebot während des Sommers. Allerdings steht die Jugend dem Resort am kritischsten gegenüber, wie Colette Peter, Leiterin des Instituts für Soziokulturelle Entwicklung der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit weiss. Die Jugend sorge sich um die Auswirkungen auf die Natur und möchte bei der weiteren Entwicklung mitreden können. Deshalb ziehen die Behörden nun eine besondere Gesprächsplattform für Jugendliche in Betracht.
 
Die Langzeitstudie wird finanziert durch den Kanton Uri, die Gemeinde Andermatt sowie durch Mittel der neuen Regionalentwicklung des Bundes sowie der Forschungsförderung der Hochschule Luzern. Die detaillierten Ergebnisse der ersten Teilstudie werden anfangs September publiziert. Im Herbst 2011 ist der Start der zweiten Teilstudie geplant. (mai/mgt)
 
Website zur Studie: www.best-andermatt.ch
 

46.636841, 8.593508