Zweigeteiltes Roveredo wird vereint

Zweigeteiltes Roveredo wird vereint

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Fast ein halbes Jahrhundert lang war das Bündner Dorf Roveredo durch die A13 zweigeteilt. Mit der Eröffnung einer Umfahrung am letzten Wochenende kann die Autobahn nun bald wieder rückgebaut und die Gemeinde damit wieder ein Ganzes werden.

Der Bau des Schweizer Autobahnnetzes war für einige Dörfer mehr Fluch als Segen. Eins davon ist Roveredo im Kanton Graubünden. Dort wurde 1969 der Abschnitt der A13 durch das Misox eröffnet – und zerschnitt das Dorf praktisch in zwei Teile. Heute, fast 50 Jahre danach, kann es wieder zu einem Ganzen werden, denn am Wochenende wurde die neue Umfahrung Roveredo von Bundesrätin Doris Leuthard eröffnet. „Ein historisches Ereignis und ein Freudentag“, konstatierte sie in ihrer Ansprache.

Das 440-Millionen-Projekt – vollumfänglich vom Bund finanziert – geht auf das Jahr 1992 zurück. Damals arbeitete das Bündner Tiefbauamt ein generelles Projekt aus mit dem Ziel, das getrennte Dorf wieder zu vereinen und dadurch die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern. Es sah den Bau des 2,381 Kilometer langen Tunnels San Fedele vor sowie die Realisierung neuer, oberirdischer Trassees zwischen San Vittore und Grono auf einer Strecke von 5,7 Kilometern, einen Halbanschluss in San Vittore und schliesslich den Rückbau des alten Trassees sowie dessen Umnutzung. Der Bundesrat genehmigte das Projekt 1998.

Bis die Bauarbeiten begannen, vergingen aber noch einmal Jahre. Startpunkt war der Ausbruch eines Sicherheitsstollens, gefolgt von der Hauptröhre des Tunnels, dessen letzter Durchstich erst 2012 stattfand. Während dieser Zeit erstellte das Bundesamt für Strassen (Astra) auch zahlreiche Kunstbauten auf den oberirdischen Trasseeabschnitten: So die Brücken Campagnola, Prové, Calancasca und Traversagna, die Unterführung Vera sowie die Überführungen La Guerscia und Ai Mondan. Ausserdem realisierte es den Halbanschluss in San Vittore, einen neuen Anschluss in Roveredo selbst sowie eine Wasserzufuhr für die A14 und die Region, um die Wasserversorgung des Tunnels und der umliegenden Gemeinden sicherzustellen.

Bei der Ausführung des Megaprojekts legte man besonderen Wert auf den Umweltschutz. So verlegte man etwa die Hochspannungsleitung unter die Erde und forstete rund 60‘000 Quadratmeter Kastanienwald wieder auf. Was noch folgen wird, ist die Revitalisierung des Auengebiets Pascol Grand.

Es wird noch bis Ende 2019 dauern, bis das Trassee der ehemaligen A13 zurückgebaut, die neue Strada italiana samt ihren Anschlüssen ans lokale Strassennetz errichtet und der Autobahnanschluss Roveredo est realisiert sind.

Die Fläche, die die Gemeinden San Vittore, Roveredo und Grono dank des Rückbaus zurückgewinnen, beläuft sich auf etwa 80‘000 Quadratmeter. Dieses Gelände soll überwiegend der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden. (pd/mt)