Zweifelhaftes Zückerchen für Hausbesitzer?

Zweifelhaftes Zückerchen für Hausbesitzer?

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Wer sein Haus in Köniz besser dämmt, soll einen Bonus erhalten. Diese Idee der bürgerlichen Parteien sorgt in der Berner Vorortsgemeinde für heftige Diskussionen. Sie sind ein Beispiel dafür, wie schwierig das Thema „Minergie“ in der Praxis sein kann und werfen Fragen nach dem Sinn solcher Fördermassnahmen auf.
 
Seit letztem Jahr führt Köniz das Label Energiestadt. Insgesamt stehen in der Berner Vorortsgemeinde 20'000 private Immobilien, davon sind 70 mit einer Minergieplakette ausgezeichnet. Solche Gebäude soll es in Zukunft noch mehr geben. Denn wie die Zeitung „Der Bund“ in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, will die Könizer FDP zusammen mit BDP,CVP, Grünen, Grünliberalen und der SVP einen so genannten Nutzungsbonus für Energiebauten einführen. Dieser soll diejenigen Hausbesitzer belohnen, die ihre Liegenschaften besser dämmen: Weil beim Dämmen Wohnraum der dicken Islolationsschicht zum Opfer fällt, sollen Sanierungswillige einen Bonus in Form einer zehn Prozent erhöhten Ausnützung ihrer Bauparzelle erhalten.
 
Allerdings sorgt die gutgemeinte Idee für Kritik. Laut der Könizer Planungsvorsteherin und Gemeinderätin Katrin Sedlmayer zielt der Bonus an den sich stellenden Herausforderungen vorbei. Man bediene eine kleine Nische, privilegiere einige wenige Baugesuche, trage damit aber praktisch nichts zur Lösung der aktuellen Hauptaufgaben bei, wird sie im „Bund“ zitiert. Sage man Ja zu einem Nutzungsbonus, gerate man in Konflikt mit neuen und viel weiter reichenderen, umfassenderen Ansätzen. Als Beispiel führt sie die geplante Siedlung Ried an, wo bei den Häusern nicht übermässig gedämmt aber dafür aber kompromisslos auf erneuerbare Energien gesetzt wird.
 
Der Vorstoss der bürgerlichen Parteien zeigt, wie schwierig das Thema Minergie in der Praxis sein kann. In Köniz muss die Diskussion zu Ende geführt oder vielmehr eine entsprechende Lösung gefunden werden. Wie Sedlmayer im Artikel erklärt, sei es vielleicht denkbar, sämtliche energetischen Regeln aus der Ortsplanungsrevision herauszulösen. (mai)
 
Den Artikel aus dem „Bund“ finden Sie hier: www.derbund.ch