Zug tritt bei der Geothermie auf die Bremse

Zug tritt bei der Geothermie auf die Bremse

Gefäss: 

Im Nordwesten des Kantons Zug, in der Region von Cham und Hünenberg, könnte möglicherweise Geothermie genutzt werden. Dies hat eine Abklärung ergeben. Allerdings tritt der Kanton auf die Bremse: Er will kein Vorreiter für unausgereifte Technologien sein.

Möglich wären gemäss Kanton allenfalls sogenannte petrothermale Anlagen: Sie schaffen mit hohem Wasserdruck künstliche Risse und Fliesswege in den tiefen, undurchlässigen Gesteinsschichten. Wasser, das danach durch dieses künstliche System gepumpt wird, nimmt Wärme vom Gestein auf und bringt sie an die Oberfläche. Die Abklärung, die in Zusammenarbeit mit dem Verein geothermischer Kraftwerke Schweiz (VGKS) vorgenommen wurde, beurteilt den Nordwesten des Kantons Zug für diese Technologie als "günstig". Bohren will der Kanton Zug jedoch nicht. Man wolle keine Vorreiterrolle übernehmen, teilte die Baudirektion heute mittwoch mit. Dazu sei die Technik zu wenig ausgereift und die Eignung des Kantons Zug auch zu wenig ausgeprägt, wird Baudirektor Heinz Tännler (SVP) in der Mitteilung zitiert.
 
Komplett abwinken will Zug aber nicht: "Tiefengeothermie bleibt eine Option für die Zukunft", so Tännler weiter. Man werde die Entwicklung der Projekte im In- und Ausland intensiv verfolgen. Auch für eine Zusammenarbeit mit Investoren sei man offen. Bis auf Weiteres will sich Zug aber auf die bereits ausgereiften neuen Energiequellen wie Solarenergie und Umweltwärme konzentrieren.
 
Die Technologie, für die der Nordwesten des Kantons Zug als "günstig" beurteilt wird, ist nicht identisch mit jener, die in St. Gallen für Schlagzeilen sorgte.  Dort liess eine sogenannte hydrothermale Anlage die Erde beben. Bei hydrothermalen Anlagen werden Hohlräume genutzt, die bereits von Natur aus bestehen - dies im Gegensatz zu den künstlich geschaffenen Rissen und Fliesswegen bei der petrothermalen Anlage. Allerdings besteht auch in Zug für eine Anlage wie in St. Gallen besteht in Zug ein gewisses Potenzial. So entdeckte man im Südosten des Kantons Hinweise auf Hohlräume in rund 4000 Metern Tiefe. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie genügend heisses Wasser führen, ist laut der Baudirektion aber sehr gering. Die tiefe Heisswasser-Menge war in St. Gallen denn auch einer der Gründe, weshalb das Geothermie-Projekt vergangenen Mai  begraben wurde. Weitere Gründe waren das finanzielle Risiko für die Stadt St. Gallen und die Angst vor weiteren Erdbeben. (mai/sda)