Zürichs neues Hochschulquartier

Zürichs neues Hochschulquartier

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Das Zürcher Universitätsspital, die Universität und die ETH brauchen mehr Platz. Die von ihnen genutzten  Flächen liessen sich um 40 Prozent erweitern. Dies zeigen ein Masterplan sowie zwei Vertiefungsstudien, die  Regierungs- und Stadtrat sowie Universität, Universitätsspital und ETH genehmigt haben.  –  Allerdings sind manche Anwohner wegen des neuen Plans besorgt.

Der Bedarf an Fläche bei Universität, Universitätsspital und ETH ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv angestiegen: „Seit der letzten Erweiterung der Universität Zürich ist die Anzahl der Studierenden um über 60 Prozent gewachsen“, sagt Michael Hengartner Rektor der Universität Zürich. „Und wir erwarten ein weiteres Wachstum.“  Der Forschungs- und Lehrbetrieb verteilt sich heute längst über die ganze Stadt. Derweil hat die Infrastruktur der beiden Bildungsinstitutionen und des Spitals  nicht nur die Kapazitätsgrenzen erreicht, sondern ist teils auch veraltet und genügt heutigen Anforderungen nicht mehr. Das soll der Masterplan ändern.   

Der grosse Erweiterungs- und Erneuerungsbedarf erfordere eine sorgfältige Gebietsplanung, teilen dazu Regierungsrat, Stadt, Universität, Universitätsspital und ETH mit. Der Masterplan zeigt 2014-09-08nicht nur auf, wie sich die drei Institutionen bis 2030 entwickeln sollen, sondern auch wie das gesamte  Hochschulgebiet dereinst aussehen soll. Deshalb wurde der Plan laut Pressecommuniqué seit 2012 in „enger Zusammenarbeit“ zwischen den Institutionen, dem Quartier, Ämtern und Fachstellen erarbeitet. – Es wird mit Kosten von rund drei Milliarden Franken für den Bau der neuen Gebäude und den Unterhalt der bestehenden gerechnet. Das heisst, die Gesamtkosten werden einiges mehr sein.

Sorgen und Befürchtungen

Dass dieser Masterplan die Basis für die Revision des Richplans zum Hochschulquartier liefert, besorgt manche Anwohner. Zumal sich mit der Umsetzung des Plans das Gesicht des  Stadtteils während der kommenden Jahren stark wandeln dürfte. Der Plan sieht vor, dass intensiv verdichtet wird und gleichzeitig Grünflächen aufgewertet werden. Dies ist nur möglich, wenn bestehende Bauten abgerissen und neu errichtet werden. Vor allem der südliche  Teil des Oberstrass-Quartiers ist davon betroffen.

In diesem Zusammenhang haben die Anwohner die IG Obertrass Süd gegründet. „Oberstrass Süd bleibt Wohnquartier – Quartierflair statt Büroriegel“ heisst es auf der Website der IG. Wie dort berichtet wird, sollen den Hochschulen rund 26‘000 Quadratmeter Wohnraum geopfert werden. Zwar wurde 1977 ein sogenannter Wohnschutzgürtel um das Uni- bzw. ETH-Quartier festgelegt, in dem die Hochschulen zweckentfremdeten Wohnraum  –  laut IG rund 11‘500 Quadratmeter – zurückgeben sollen und im Gegenzug im Nordwesten des Quartiers ihr Gebiet erweitern können.

„Gut funktionierendes Quartier“

Doch die Umsetzung scheint nicht ganz einfach zu sein: „Für 100 zurück gegebene Wohnungen werden in Oberstrass Süd 200 zerstört", schreibt die IG.  Das heisst, an der Sonneggstrasse und der Leonhardstrasse  werden  Häuser abgerissen und mit Bürobauten ersetzt. Die Häuser zwischen den beiden Strassen will die ETH als Wohnungen für Studenten und Dozenten nutzen. Gemäss ETH sei es nur so möglich, die rund 100 Wohnungen im Wohnschutzgürtel ausserhalb des Hochschulperimeters zurückzugeben, schreibt die IG. Sie wirft der ETH vor, dass sie so ein „gut funktionierendes Quartier mit vielen Wohnungen“ zerstöre.

Ab 12. September startet die öffentliche Auflage und Anhörung für die Teilrevision des kantonalen Richtplans „Gebietsplanung Hochschulgebiet Zürich Zentrum“. Dass es Einsprachen geben wird dürfte absehbar sein. (mai)