Zürichs DML: "Genial, historisch, einfach schön!"

Zürichs DML: "Genial, historisch, einfach schön!"

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Die Durchmesserlinie (DML) war eine "geniale Idee", der Moment der Eröffnung ein "historischer Moment" und der neue Bahnhof Löwenstrasse "einfach schön": Die rund 250 geladenen Gäste, die am Donnerstag die Jungfernfahrt durch den neuen Tunnel in den neuen Bahnhof mitmachten, waren begeistert.

Schon eine halbe Stunde vor Abfahrt des Extrazugs drängeln sich Gäste und Medienleute auf dem Perron. Frisch gewaschen glänzt die blumengeschmückte Komposition. Für die alt Bundesräte Adolf Ogi und Moritz Leuenberger ist kein Durchkommen: Kameras und Mikrofone werden ihnen entgegengestreckt, wohin sie sich auch wenden.  Ehemalige und aktuelle Magistraten und Parlamentarier aus Stadt und Kanton Zürich, Vertreter von National- und Ständerat sowie Exponenten von SBB, Zürcher Verkehrsverbundes ZVV und Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich VBZ strahlen um die Wette. "So eine schöne Sache", hört man immer wieder. Walter Finkbohner, der 1990 als SBB-Pressesprecher die Eröffnung der S-Bahn begleitet hatte, ist auch dabei. Er räumt ein, man habe zwar damals schon gewusst, dass man mit der S-Bahn etwas Gutes eröffne. Aber "diesen Riesenerfolg" habe man nicht vorausgesehen.
 
Entscheidende Impulse und Beiträge für die DML waren von der Zürcher Sektion des Verkehrsclub der Schweiz (VCS) gekommen. Laut dessen Geschäftsführerin, der grünen Kantonsrätin Gabi Petri, war ganz wichtig, dass auf allen Ebenen Leute bereit gewesen seien, aktiv etwas Neues aufzugleisen und sich nicht hinter schon getätigten Leistungen für ein untaugliches Projekt verschanzten.
 
Interviews im Führerstand
 
Punkt 10.16 verlässt der Extrazug den Hauptbahnhof in Richtung Wallisellen, von wo es dann zurück geht durch den neuen DML-Tunnel in den neuen Bahnhof Löwenstrasse. Interviews im Führestand scheppern durch die Lautsprecher.  "Zürich ist und bleibt ein Beispiel", sagt alt Bundesrat Ogi. Die DML-Eröffnung sei ein weiterer wichtiger Schritt für den öffentlichen Verkehr. Alt Bundesrat Leuenberger mäkelt, "Durchmesserlinie" sei nun "nicht gerade der schönste Name"  - ansonsten ist auch er voll des Lobes. Gipfeli, Wasserfläschlein und frische Früchte werden angeboten. Die Passagiere plaudern und lachen oder konsultieren ihre Smartphones. Einer der offenbar weniger beeindruckten Gäste studiert das Programm. "Warum bin ich eigentlich hier?", fragt er leise sein Gegenüber. Das sei ein historischer Moment, wird er belehrt, worauf er murmelt "historisch - hm".
 
Goldene Decke, rotes Band
 
10.55 Uhr: Einfahrt in den Bahnhof Löwenstrasse. Die Decke schimmert goldfarben, der helle Boden strahlt in einmaliger Sauberkeit und Frische - so wird er nie mehr sein, konstatiert Bundesrätin Doris Leuthard. Sie findet, "die goldene Decke passt irgendwie zu Zürich". Die Verkehrsministerin erhält eine grosse goldene Schere in die Hand gedrückt, mit der sie um 11 Uhr das breite rote Band zur Eröffnung des Jahrhundertbauwerks zerschneidet: "Drei - zwei - eins - es ist eröffnet".
 
ZVV-Direktor Franz Kagerbauer bezeichnet den Bahnhof als "attraktives Tor zu Zürich", der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker ist überzeugt, dass er eine Ausstrahlung in die ganze Schweiz habe. SBB-Chef Andreas Meyer erklärt, er habe "mitgefiebert mit Gesamtprojektleiter Roland Kobel und seiner "Orange Army" - den Arbeitern mit ihren orangen Sicherheitswesten.
 
Damit gibt er der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch das Stichwort. Mauch trägt ein oranges Kleid. Nicht absichtlich eigentlich, sagt sie - aber nun nehme es "Bezug auf all die vielen Arbeiter", welche das Bauwerk realisiert hätten, und denen sie ihren herzlichen Dank ausspreche. (Elisabeth Hausmann, sda)