Zürich träumte vom Untergrund 

Zürich träumte vom Untergrund 

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Tram-Museum
Ein unterirdisches Stück Verkehrsgeschichte zeigt die Ausstellung "U-Bahn in Zürich - Träume, Projekte, Abstimmungskampf" im Zürcher Tram-Museum: Schon im vorletzten Jahrhundert träumte die Limmatstadt von einer Metro. Sie kam bis heute nicht zustande. Doch die Pläne und Modelle sind geblieben und können noch heute bewundert werden.
 
 
Kaum war 1863 in London die erste U-Bahn der Welt eröffnet worden, wollte man in Zürich nicht zurück stehen: 1864 berichteten die Zeitungen über U-Bahn-Visionen, erste Pläne für eine "Tube" der Limmatstadt wurden geschmiedet.
 
Doch erst in den 60er und 70er Jahren entstanden konkrete U-Bahn-Projekte. Zwei Mal kamen entsprechende Vorlagen auch vors Volk. Dennoch, eine U-Bahn wurde zwar nie gebaut, aber es gibt trotzdem einiges, was davon übrig geblieben ist. Die Sonderausstellung im Zürcher Tram-Museum dokumentiert an Hand von Illustrationen, Plänen, Skizzen und Modellen dieses in Vergessenheit geratene Kapitel der Zürcher Verkehrsgeschichte.
 
Bereits den 50er Jahren arbeiteten Verkehrsplaner und Ingenieure an Plänen und an einem Gutachten für eine Zürcher U-Bahn. Zwei grundsätzliche Haltungen standen sich damals gegenüber: Soll das bestehende Tramnetz einfach als "Unter-Pflaster-Bahn" oder Tiefbahn unter die Erde gelegt werden, oder braucht Zürich eine richtige Untergrundbahn? Diese Frage stellte sich zumindest die Mehrheit der Stadtzürcher nicht, als sie 1962 eine Vorlage für ein Tiefbahn-Projekt mit einem klaren Mehr bachab schickten: Man wollte kein „Kellertram“, wie die Gegner das Projekt bezeichneten. Auch 1973 wollten wollten die Stimmbürgern kein grünes Licht für eine eine kombinierte U- und S-Bahn geben. Das Thema Untergrundbahn ist damit bis heute vom Tisch.

Uneingeschränkter Zukunftsglauben 

Mit welchem Zukunfts- und Technikglauben die Planer den Verkehr der Zukunft gestalten wollten, zeigen Strecken- und Situationspläne, Skizzen und Illustrationen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren: Ganz dem damaligen Zeitgeist entsprechend, erkannten die Planer im unterirdischen ÖV für die Automobilisten viele Vorteile. Der Verkehr hätte mit einer Zürcher Metro – unbehindert von Tramschienen – durch die Stadt fliessen können. Parkplätze wären durch die frei gewordenen Verkehrsflächen überall zu finden gewesen.
 
An den Verkehrsknotenpunkten hätten die U-Bahn-Fahrgäste weitverzweigte unterirdische Haltestellen angetroffen. Treppen und Rolltreppen hätten die Passagiere zu der auf verschiedenen Ebenen verkehrenden Untergrundbahn geführt. So wäre etwa unter dem Hauptbahnhof die U-Bahn-Station mit dem sich im Bau befindlichen Shopville verknüpft worden. Doch schon beim zuvor abgelehnten Tiefbahnprojekt von 1962 wollte man den Passagieren an den grossen Haltestellen, wie zum Beispiel der Sihlporte, mehr bieten: Zwischen zwie U-Bahnen einkaufen oder einen Kaffee trinken. WIe sich dies hätte gestalten können, zeigt in der Ausstellung unter anderem ein grosses Originalmodell von 1973.

S- statt U-Bahn

In der Zwischenzeit hat sich das S-Bahnnetz längst etabliert, es wurde ausgebaut. Und die Tram- und Buslinien werden in der Stadt und in der Agglomeration stetig erweitert. Spuren hinterlassen hat die U-Bahn-Debatte aber trotzdem: Etwa im Tramtunnel vom Irchel nach Schwamendingen oder in der Verlängerung der Üetliberg- und Sihltalbahn unter der Sihl hindurch bis zum Shopville unter dem Bahnhofsplatz. Ausserdem ist viel Sehenswertes in Form von Akten, Skizzen, Plänen und Modellen aus der U-Bahn-Planungszeit erhalten geblieben. Sie können in der Austellung im Tram-Museum bewundert werden. (mai/pd)
 
"U-Bahn in Zürich - Träume, Projekte, Abstimmungskampf" 30. April bis 31. Oktober Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 bis 17 Uhr,  Samstag und Sonntag 13 bis 17 Uhr Weitere Informationen: www.tram-museum.ch