Zürich stellt Kompass für künftige Raumentwicklung

Zürich stellt Kompass für künftige Raumentwicklung

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Der Zürcher Regierungsrat hat eine langfristige Raumentwicklungsstrategie (LaRES) mit einem Zeithorizont bis 2050 erarbeitet. Sie zeigt auf, wie die raumplanerischen Herausforderungen der Zukunft gemeistert, die Standortqualitäten verbessert und die Lebensqualität sichergestellt werden sollen.

Im Raumkonzept Schweiz haben sich Bund, Kantone und Gemeinden zu einer nachhaltigen Raumentwicklung verpflichtet. Mit der LaRES lege der Regierungsrat nun dar, welche Stossrichtungen der Kanton Zürich verfolge, sagte Baudirektor Markus Kägi am Dienstag vor den Medien.

Erarbeitet hat der Regierungsrat Strategien zu den räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Wirtschaftsstandortes, zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, zur Siedlungsentwicklung, zur Mobilität sowie zu Freiräumen für die Erholung. Die LaRES sei ein Kompass für die Verwaltung, aber auch eine Grundlage für den Dialog mit den Gemeinden, erklärte Kägi.

Starkes Bevölkerungswachstum

Als eine zentrale Herausforderung der nächsten Jahre bezeichnete er das Bevölkerungswachstum. Die Prognosen des Statistischen Amts gehen davon aus, dass die Bevölkerungszahl bis 2040 um 278'000 auf 1,7 Millionen anwachsen wird. 80 Prozent dieses Bevölkerungszuwachses sollen in den urbanen Gebieten konzentriert werden. Um die Zersiedlung zu bremsen sowie das Kulturland und die Landschaft zu schonen, setzt der Kanton auf die Karte "Verdichtung nach innen". Dichte angestrebt werden soll vor allem an Orten mit geeigneter Siedlungsstruktur, guter Erreichbarkeit und genügender Freiraumversorgung.

Politisch ist diese Zielsetzung unbestritten. Bei konkreten Projekten seien aber nach wie vor Ängste und Vorbehalte gegenüber verdichtetem Bauen feststellbar, sagte Regierungsrat Martin Graf. Bestätigt hat sich dies laut dem Vorsteher der Direktion der Justiz und des Innern auch in einer repräsentativen Befragung der Zürcher Bevölkerung. Rund 78 Prozent der Befragten seien zwar der Meinung, dass das Bevölkerungswachstum im Siedlungsgebiet stattfinden soll. Aber nur etwa ein Fünftel toleriere Verdichtung im eigenen Umfeld ohne weitere Massnahmen.

Falsche Vorstellung von Verdichtung

Verdichtung sei eine schwierige Aufgabe und müsse gut kommuniziert werden, betonte Graf. Den Betroffenen müsse aufgezeigt werden, welchen Mehrwert eine Verdichtung für sie habe. Die Akzeptanz des verdichteten Bauens sei dann am grössten, wenn Qualitäten bewahrt, Defizite behoben und Mehrwerte geschaffen würden.

Gemäss Wilhelm Natrup, Chef der Abteilung für Raumplanung, bestehen oft auch falsche Vorstellungen darüber, was verdichtetes Bauen bedeutet. Der Kanton Zürich könne "ohne grosse Bremsspur" 280'000 zusätzliche Bewohner aufnehmen. "Dimensionen wie in Hongkong oder Frankfurt werden wir nie erreichen".

Um die künftigen raumplanerischen Herausforderungen zu meistern, müssten die Gemeinden vermehrt grenzüberschreitend zusammenarbeiten, ist Graf überzeugt. Fallstudien im Furttal und in der Region Bülach hätten ergeben, dass Fusionen oder interkommunale Zusammenarbeit zu "besser abgestimmten Siedlungsentwicklungen" führten.

Gewerbe wird verdrängt

Bisher unterschätzt wurde laut Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker die Situation der Logistikbranche. Diese habe es zunehmend schwerer, im Kanton Zürich neue Grundstücke zu erwerben. Die hohe Nachfrage und die Öffnung von Gewerbe- und Industriearealen für Wohnen und Dienstleistungen hätten zu stark steigenden Boden- und Mietpreisen geführt, die vom Gewerbe nicht mehr bezahlt werden könnten. Diesem Trend gelte es in den regionalen Richtplänen entgegenzuwirken.

Umgesetzt werden soll die langfristige Raumentwicklungsstrategie über Aufgaben und Projekte, die von der Verwaltung kurz-, mittel- sowie langfristig angegangen werden sollen, wie Regierungsrat Kägi erklärte. Das Amt für Raumentwicklung koordiniere die Umsetzung und stelle den Dialog mit den Planungsregionen und Gemeinden sowie dem Bund und den Nachbarkantonen sicher.

Alle vier Jahre will der Regierungsrat im Raumplanungsbericht über den Stand der Umsetzung berichten. Falls notwendig werden die Strategien den aktuellen Entwicklungen entsprechend angepasst. (sda)