Zürich: 400 Meter Betonschlangenleder

Zürich: 400 Meter Betonschlangenleder

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Teaserbild-Quelle: Bild: zvg
Erst im Früjahr 2013 hatten EM2N ein Wohnhaus mit Blick auf die Bahngleise fertig gestellt, unweit des Quartiers Europaallee. Nun legten sie in Zürich-Hard mit einer Betonhandtasche für den selben Auftrageber nach.

Die bombastische Faserzement-Fassade, die ein wenig an Schlangenleder erinnert, gibt der neuen, megalangen Serviceanlage in Zürich-Hard, etwas mehr Profil. In Zukunft werden in der 70 Millionen Franken teuren Anlage der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) bis zu 400 Meter lange Züge gewartet. Bereits bei der Kommissionierung im Jahr 2009 kannten die Planer viele Parameter wie Größe und Positionierung innerhalb des Grundstückes.

Ob dabei eine schwangere Gucci-Handtasche oder eine Luftmatratze Modell gestanden haben, ist schwer zu sagen. Fest steht jedoch, dass zumindest die Südfassade mehr sein sollte als eine funktionierende Wetterhülle. O-Ton der Architekten: „Die Rundungen der Faserzement-Elemente befreien die endlose Fassade von flacher Monotonie und schaffen ein Spiel von Licht und Schatten.“ Was nach dieser Beschreibung und vom ersten äusseren Eindruck her hohe Erwartungen weckt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als teure Fassadenkosmetik. Bei der Nordfassade setzte angeblich das Budget dem Gestaltungswillen gegen Monotonie ein Ende. Es gab nur Graubrot, nämlich reguläre Faserzementplatten, wie man sie von Geräteschuppen kennt. Auch die Stirnseiten der monolateral geschuppten Serviceanlage, in dessen Bauch die SBB-Metallmonster zur Pediküre einfahren, sind nur als glatte vertikale Schnitte ausgebildet getreu dem Motto: "Alles hat ein Ende."

Und innen? Auch nur Dauerwurst, nämlich eine 400 Meter lange Industriehalle in der üblichen Stahlkonstruktion mit Sheddächern, die immerhin mit Photovoltaik bestückt sind, über Lochbandträgern. "Allein durch seine Größe ist das Gebäude von städtebaulicher Bedeutung", sagen die Architekten. Dem ist nichts hinzuzufügen.(tw)