Zürcher und Aargauer prüfen gemeinsame Kehrichtverbrennungsanlage

Zürcher und Aargauer prüfen gemeinsame Kehrichtverbrennungsanlage

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Der Kanton Zürich und der Kanton Aargau wollen bei der Kehrichtverbrennung zusammenspannen: Weil die Anlagen in Dietikon ZH und Turgi AG in die Jahre kommen, prüfen sie einen neuen, gemeinsamen Standort. Kantonsgrenzen sollen dabei keine Rolle spielen.

Die Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) in Dietikon ZH und Turgi AG haben das gleiche Problem: Beide erreichen im Jahr 2030 das Ende ihrer Lebensdauer, können aber wegen Umweltschutzauflagen nicht durch einen Neubau ersetzt werden. Die KVA Limeco in Dietikon liegt genau in der Pufferzone eines Flachmoors. Die Auflagen des Moorschutzes, im Jahr 1987 durch die Rothenthurm-Initiative beschlossen, würden eine neue KVA auf diesem Areal kaum zulassen. Die KVA in Turgi wiederum steht unmittelbar an der Limmat. Ein grosser Neubau hätte wohl auch hier wenig Chancen, da der Bund über das Gewässerschutzgesetz unbebaute Uferstreifen vorschreibt. Weiter weg vom Ufer zu bauen, ist aber ebenfalls nicht möglich, da das Bahngleis und eine Strasse die Parzelle abschliessen.

Dietikon soll stillgelegt werden

Die Aargauer und Zürcher Betreiber der in die Jahre gekommenen KVA haben sich deshalb zusammengetan und suchen nun gemeinsam eine Lösung für die Zeit nach 2030. Wie sie am Mittwoch in Spreitenbach AG vor den Medien erklärten, heisst ihr Kooperationsprojekt "EVA", was für "Effiziente Verwertung von Abfall" steht.

Neben den KVA-Betreibern aus Dietikon und Turgi machen auch die Verantwortlichen der KVA Buchs im Aargau mit. Diese Anlage ist zwar nicht erneuerungsbedürftig, hat aber eine wirtschaftlich kritische Grösse. Um langfristig zu rentieren, ist sie etwas zu klein. "Wir wollen die Verwertung von Abfall deshalb künftig gemeinsam meistern", sagte Roger Huber, Präsident des Gemeindeverbandes Kehrichtverwertung Region Baden-Brugg.

Gemeinsam wollen die KVA-Verantwortlichen zwei Szenarien genauer prüfen: Die erste Möglichkeit wäre, dass die KVA Buchs ihre Kapazität verdoppelt und die KVA Turgi saniert wird und gleichzeitig ihre Verbrennungsmenge reduziert. Die KVA in Dietikon wiederum würde stillgelegt, der Limmattaler Abfall also in den Aargau gefahren.

Neuer, gemeinsamer Standort

Die zweite Möglichkeit wäre, dass die KVA Buchs ihre Kapazität erhöht und die beiden alten KVA in Dietikon und Turgi stillgelegt werden. Als Ersatz für Dietikon und Turgi würde an einem neuen Standort eine neue Anlage gebaut. "Die Standortsuche dürfte wohl nicht ganz einfach werden", sagte Huber weiter. Schliesslich sei eine KVA ein 24-Stunden-Betrieb. "Wir wollen Kantone, Gemeinden und Verbände deshalb von Anfang an in die Standortsuche einbeziehen, um eine möglichst hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und der Politik zu erreichen." Für eine neue Anlage wäre eine Fläche von mindestens 40'000 Quadratmetern nötig.

Ob dieser Standort im Kanton Zürich oder im Kanton Aargau liegt, ist den Verantwortlichen unwichtig. Bereits eingeweiht sind auch die zuständigen Regierungsräte der beiden Kantone, der Zürcher Baudirektor Markus Kägi (SVP) und sein Aargauer Amtskollege Stephan Attiger (FDP). Beide schätzen die kantonsübergreifende Zusammenarbeit. Die Abfallströme würden nicht an der Kantonsgrenze Halt machen, zitierten die KVA-Verantwortlichen den Zürcher Baudirektor. Der kantonsübergreifende Ansatz sei wichtig, um die beste Lösung zu erarbeiten, wurde wiederum Attiger zitiert.

Alle sollen profitieren

Ob das erste Szenario mit einer verdoppelten Kapazität in Buchs oder der neue, gemeinsame Standort realisiert wird, ist gemäss den Verantwortlichen noch völlig offen. Bis Ende 2017 sollen die beiden Möglichkeiten vertieft geprüft werden. Die Kooperation komme nur zustande, wenn alle drei Partner davon profitierten, betonte Huber.

Eine Lösung müsste bei beiden Szenarien allerdings für das Fernwärmenetz gefunden werden. Werden die Limeco in Dietikon und die KVA Turgi stillgelegt, braucht es an beiden Orten eine alternative Wärmequelle für das Fernwärmenetz, etwa Holz oder Geothermie. (sda)