Zürcher Kasernenareal: Bildung statt Polizei

Zürcher Kasernenareal: Bildung statt Polizei

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Ideen gab es viele, was mit dem Zürcher Kasernenareal in der Nähe des Hauptbahnhofs geschehen soll, wenn die Kantonspolizei das Areal verlässt und ins neue Polizei- und Justizzentrum (PJZ) zügelt. Nun steht es fest: Das Bildungszentrum für Erwachsene soll hier Platz finden. Doch weil das geplante PJZ nicht gross genug sein wird, nutzt die Kantonspolizei die Polizeikaserne weiterhin.    

Voraussichtlich 2020 ist es so weit: Dann zügelt die Zürcher Kantonspolizei vom Kasernenareal in das neue Polizei- und Justizzentrum, das auf dem Gelände des Güterbahnhofs vorgesehen ist. Damit wird ein Grossteil der denkmalgeschützten Anlage aus dem 19. Jahrhundert frei. Aufgrund seiner zentralen Lage – nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt – und seiner Grösse gehört sie  zu den wohl den bedeutendsten Arealen der Stadt. Ursprünglich war die Anlage mit ihren Stallungen, Zeughäusern und einer grosszügigen von Kastanien gesäumten Exerzierwiese vom Militär genutzt worden. Die Wiese diente nebenbei regelmässig als Sport- und Festplatz. Doch damit war ab dem Ersten Weltkrieg Schluss. Bis 1987 war die Anlage nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Als sich das Militär ins Reppischtal umzog, gab es immer wieder Ideen für eine neue Nutzung, zu welchen verschiedene Studien und Planungen verfasst worden sind.

Polizeikaserne bleibt Kantonspolizei vorbehalten

Nun steht fest, was mit Gebäuden und Grünflächen geschieht. Gestern stellten Stadt und Kanton den Masterplan für das Kasernenareal vor: Der Plan unterteilt das Areal in drei Bereich mit unterschiedlicher Ausrichtung.  Das heisst: In der Militärkaserne wird das Bildungszentrum für Erwachsene mit der Kantonalen Maturitätsschule und der EB Zürich untergebracht, im Parterre sind sogenannte publikumsorientierte Nutzungen vorgesehen, etwa ein Restaurants.  In den Zeughäusern sind kulturelle oder soziale Einrichtungen oder auch Gewerbeflächen möglich. Das provisorische Polizeigefängnis wird aufgehoben, damit die Kasernenwiese laut Stadt wieder zu einem „zentralen Freiraum“ werden kann. - Zudem wollen Stadt und Kanton das Areal nicht gewinnorientiert sondern kostendeckend führen.

 Derweil bleibt die Polizeikaserne weiterhin der Kantonspolizei vorbehalten. Grund dafür ist der Umstand, dass der bewilligte Kredit für das neue PJZ nicht ausreicht, um es so gross zu bauen, dass dort auch wirklich alle Abteilungen Platz finden können.

Ärger und Frust?

Die Pläne von Stadt und Kanton sorgen für wenig Begeisterung: „Entäuschend und mutlos. Um nicht zu sagen: schwach“ kommentierte die CVP den Masterplan. Der „Grosse Wurf“ fehlt laut der Partei. Derweil sorgt die Tatsache, dass die Kantonspolizei auch weiterhin die Polizeikaserne beanspruchen soll, bei der SP für Unmut. Sie verlangt, dass das ganze Areal von der polizeilichen Nutzung „befreit“ wird. Der Juso, der dies ebenfalls nicht passt, verlangt gar, dass nun dass das PJZ-Projekt gestoppt wird und vom Güterbahnhof in Flughafennähe verlegt wird. Die Grünen sind ebenfalls der Ansicht, dass die Polizei nichts mehr auf dem Gelände verloren hat. Die Abstimmung zum PJZ habe nur  mit dem Versprechen gewonnen werden können, dass die Kaserne vollständig freigegeben werde. „Dieses Versprechen müssen Stadt und Kanton nun einlösen.“

Sanierungsarbeiten ab 2015

Bis Ende Jahr soll der vollständige Entwurf des Masterplans stehen. Danach muss er von Stadt- und Regierungsrat als gemeinsames Handlungsprogramm genehmigt werden.  Anschliessend wollen sie sich weiterhin gemeinsam für die Entwicklung und den Betrieb des Areals einsetzen. Dazu gehört auh, dass Kanton und Stadt über eine Abgabe im Baurecht verhandeln. Die Zeughäuser werden etappenweise zwischen 2015 und 2018 saniert, die Kasernenwiese voraussichtlich in den Jahren 2020 und 2021. Die Instandsetzung der Kaserne kommt als gebundene Ausgabe nicht vors Stimmvolk. – Wie viel das ambitionierte Bauvorhaben kosten wird, muss erst noch geklärt werden. (mai)