Zürcher Hochbauamt um 1,2 Millionen Franken betrogen

Zürcher Hochbauamt um 1,2 Millionen Franken betrogen

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Das Zürcher Hochbauamt hat fiktive Rechnungen im Umfang von 1,2 Millionen Franken beglichen. Ein externer Beauftragter fälschte Rechnungen und Unterschriften. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft deckten „zahlreiche weitere Vermögensdelikte“ des Mannes auf. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Die Zürcher Baudirektion wurde im vergangenen Jahr stutzig: Bei der internen Kontrolle von Rechnungen für ein Bauprojekt am Universitätsspital fielen ihr "Unregelmässigkeiten im Rechnungslauf" auf. Sie reichte am 26. August 2015 eine Strafanzeige ein, kündigte das Mandat mit dem externen Beauftragten und erliess unverzüglich einen Zahlungs- und Auftragsstopp. Gemäss bisherigen Erkenntnissen dürfte der Kanton bis dahin fiktive Rechnungen im Umfang von rund 1,2 Millionen Franken beglichen haben.

"Die Kontrollmechanismen funktionieren"

Der Fall zeige, dass die Kontrollmechanismen im Hochbauamt funktionieren, sagte Baudirektor Markus Kägi (SVP) gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Dies habe auch die unabhängige Finanzkontrolle des Kantons bestätigt, die unverzüglich informiert worden sei.

Laut Kägi werden im Hochbauamt laufend 900 Bauprojekte verfolgt. Pro Jahr gehen rund 18'000 Rechnungen ein, die zu kontrollieren sind. Dass bei dieser Menge einem Mitarbeiter die falschen Rechnungen auffielen, zeuge von einem wirkungsvollen Bauprojektcontrolling, sagte Kägi.

Kanton nicht das einzige Opfer

Gemäss den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft stellte der externe Beauftragte in Zusammenarbeit mit mehreren Unternehmen fiktive Rechnungen für nicht geleistete Arbeiten oder Dienstleistungen her. Zudem fälschte er, um beim Kanton die Freigabe der Zahlungen zu erwirken, mehrfach Dokumente und Unterschriften.

Der Kanton war dabei nicht das einzige Opfer: Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, stellte sie bei ihren Ermittlungen, die unter anderem 15 Hausdurchsuchungen in fünf Kantonen beinhalteten, "zahlreiche weitere Vermögensdelikte zum Nachteil anderer Geschädigter ausserhalb der kantonalen Verwaltung" fest.

Derzeit geht die Staatsanwaltschaft von einer Deliktsumme von insgesamt über zwei Millionen Franken aus. Sie hat ein Verfahren wegen Betrugs, ungetreuer Amtsführung und Urkundendelikten eröffnet.

Haupttäter ist in Untersuchungshaft

Der mutmassliche Haupttäter wurde verhaftet und sitzt seit September 2015 in Untersuchungshaft. Sieben weitere "nicht beim Kanton tätige Beschuldigte", die in die Machenschaften involviert gewesen sein sollen, wurden gemäss Staatsanwaltschaft ebenfalls verhaftet. Diese befinden sich inzwischen aber wieder auf freiem Fuss.

Das kantonale Hochbauamt greift selten auf externe Beauftragte im Mandatsverhältnis zurück. Derzeit sind es gemäss Baudirektor Kägi zwei. Zeitweise, als im Hochbauamt besonderes viele Projekte gleichzeitig liefen, waren es bis zu fünf Externe, die beispielsweise als Projektleiter agierten.

Wie die Baudirektion weiter mitteilte, hat sie alle notwendigen Massnahmen in die Wege geleitet, um den Vorfall lückenlos aufzuklären. Sie hofft auch, den Deliktbetrag wieder zurückzuerhalten. (sda)