Zu viel Sonne, zu wenig Pause?

Zu viel Sonne, zu wenig Pause?

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Teaserbild-Quelle: Florencia Figueroa
Die Gewerkschaft Unia hat wegen der Arbeitsbedingungen auf der Hardbrücke in Zürich massive Vorwürfe gegen die Arge Hardbrücke erhoben. Die Bauarbeiter würden unter den heissen Temperaturen leiden. Ausserdem sei ihnen die 9-Uhr-Pause gestrichen worden und sie müssten zu viele Stunden in der Woche arbeiten. Die Arge Hardbrücke und die Stadt Zürich weisen die Vorwürfe zurück.
Florencia Figueroa
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Florencia Figueroa
Unzumutbare Bedingungen: Auf der Hardbrücke arbeiten laut Unia die Bauarbeiter zu viel und leiden zudem unter der heissen Sonne.
 
Zu lange Arbeitszeiten, keine Pausen und das alles unter glühender Sonne: Die Gewerkschaft Unia übt massive Kritik an die die Arbeitsbedingungen der Bauarbeiter, die zurzeit die Zürcher Hardbrücke sanieren (siehe dazu «baublatt» 33/2010). Um den engen Zeitplan einzuhalten, müssten sie mehr als 52 Stunden pro Woche Einsatz leisten und zudem an Wochenenden arbeiten. Der Landesmantelvertrag (LMV) erlaube jedoch maximal 45 Stunden und Wochenendeinsätze seien nur erlaubt, wenn sie gemeldet werden. Gestrichen worden sei ausserdem die 9-Uhr-Pause. Und weil es auf der Baustelle keine Sonnenschutzvorrichtungen wie Überdachungen gebe, müssten die Bauarbeiter bei Temperaturen von bis zu 49 Grad arbeiten. Vor rund einem Monat forderte die Unia von der Stadt Zürich den «sofortigen Stopp dieses Wahnsinns».
 
Für Martin Pola, Vorsitzender des Lenkungsausschusses des Tiefbauamts Stadt Zürich, kam die Forderung überraschend: «Ich weiss nicht, woher die Unia diese Informationen hat. Aber als ich davon hörte, hab ich es sehr ernst genommen.» Als Bauherr sei die Stadt Zürich jedoch nicht verantwortlich für die Bauausführung und deshalb auch nicht für die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer. Auskunft über die Umstände konnte nur die Arge Hardbrücke geben, die für die Ausführung verantwortlich ist und sich aus den Firmen Locher, Implenia, und Walo zusammensetzt. Fredi Jäggi, technischer Leiter der Arge, bezeichnet die Kritik als haltlos: «Wir können es uns nicht leisten, unsere Arbeitnehmer schlecht zu behandeln. Bauarbeiter gibt es viele. Gute so gut wie keine.» Schlechte Arbeitsbedingungen würden die kompetenten Bauarbeiter nur vergraulen und das sei nicht im Interesse der Firma. Er räumt jedoch ein, dass einige von ihnen tatsächlich mehr als 45 Stunden gearbeitet hätten, aber immer im Rahmen des LMV. Eine Überschreitung der Bestimmungen liege von daher keine vor.
 
Wie Pola erklärt, ist die Auslegung des LMV je nach Partei sehr unterschiedlich. Wer nun betreffend die Arbeitszeiten im Recht sei, müsse die lokale paritätische Berufskommission entscheiden. Die Verhandlungen zu den offenen Fragen sind noch im Gange. Der Schweizerische Baumeisterverband Region Zürich-Schaffhausen möchte aus diesem Grund keine Auskunft über den Fall geben.
 

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Von den misslichen Umständen sind laut Unia 50 Bauarbeiter betroffen. Um zu erfahren, was sie zu den Vorwürfen meinen, ist Martin Pola zusammen mit Fredi Jäggi und dem Co-Leiter der Unia Sektion Zürich, Roman Burger, auf die Baustelle gegangen. «Viele der von uns befragten Arbeitnehmer waren sehr überrascht über unsere Erkundigungen. Für sie war es selbstverständlich, dass trotz der heissen Temperaturen gearbeitet wird», sagt Pola. Um die Arbeitnehmer nicht zu überlasten, so Jäggi, habe die Arge Hardbrücke zudem zusätzliche Arbeitskräfte engagiert: «Auf diese Weise konnten sie sich mehr abwechseln, sodass niemand unter der heissen Sonne zu viel arbeiten musste.» Auf der Baustellenbesichtigung habe sich zudem herausgestellt, dass es sich bei der Streichung der 9-Uhr-Pause nur um ein Missverständnis gehandelt habe. Man habe sie nicht aufgehoben, sondern nur verschoben. «Strassenbelagsarbeiten können nicht mittendrin gestoppt werden, nur weil gerade Pause ist. Das heisst aber nicht, dass man keine Pause macht. Sie wird nach den Arbeiten einfach nachgeholt», sagt Jäggi.
 
Vonseiten der Stadt und der Arge haben sich nach der Baustellenbegehung die Vorwürfe, abgesehen von den Arbeitszeiten, die nun vor der paritätischen Berufskommission beurteilt werden müssen, geklärt. Nicht so für die Unia. Wie Burger erklärt, wartet die Gewerkschaft nach wie vor auf Antworten: «Die Hitzewelle ist nun zwar abgeklungen. Da die Bauarbeiten aber bis Ende 2011 dauern werden, möchten wir von der Stadt Zürich wissen, ob sie für den nächsten Sommer und auch für den kommenden Winter Suva-konforme Massnahmen für die Arbeiter treffen wird», sagt er. «Ausserdem soll uns die Stadt erklären, wie sie die künftigen Wochenendeinsätze zu regeln gedenkt. Und was die 9-Uhr-Pause anbelangt: Uns haben die Bauarbeiter erzählt, sie hätten keine.» Für die Unia sei aus all diesen Gründen die Angelegenheit noch lange nicht abgeschlossen. Wegen der Sommerferien sei sie lediglich zurückgestellt worden. Burger: «Nun, da die Ferien vorbei sind, werden wir weiter insistieren.» Florencia Figueroa