Zu schön für Solarzellen?

Zu schön für Solarzellen?

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Teaserbild-Quelle: Marcel Müller
Ein Nein der Stadtbildkommission hat in Basel für Aufregung gesorgt: Das Gremium sprach sich gegen den Bau einer Photovoltaikanlage am markanten Lonza-Hochhaus aus. Nach heftiger Kritik hat das Baudepartements den Kommissionsentscheid nun wieder aufgehoben.
 

Die Stadt Basel hat sich Ökologie und Klimaschutz auf die Fahne geschrieben. Umso mehr überraschte ein Entscheid der Stadtbildkommission im April: Sie lehnte eine Photovoltaikanlage am Lonza-Gebäude rundweg ab, das im Inventar der schützenswerten Bauten figuriert. Durch Solarpanels würde das «Gesamtkonzept der Gebäudegestaltung erheblich verunklärt», heisst es im Entscheid des Fachgremiums. Seine Aufgabe ist es, Baubegehren auf die Verträglichkeit mit dem Stadtbild hin zu überprüfen.

Mit seinen 68 Metern ist der Lonza-Turm nicht zu übersehen. Der 1962 fertiggestellte, 19-geschossige Bürobau hat das berühmte Pirelli-Haus in Mailand zum Vorbild und gilt als wichtiger Repräsentant der zeittypischen rationalen Bauweise.

«Politisch unsensibel»

Die ablehnende Haltung der Kommission führt zur grundsätzlichen Frage, inwieweit sich Anliegen des Denkmalschutzes mit der Gewinnung erneuerbarer Energie vereinen lassen. Deshalb hat der Entscheid hohe Wellen geworfen. «Solarpanels müssen die Zukunft unseres Stadtbildes bestimmen», sagte Regierungspräsident Guy Morin (GP). Die CVP hielt in einer Mitteilung fest, sie verstehe die Ablehnung des Gesuchs nicht. Anders als die Experten der Stadtbildkommission glauben die Christdemokraten, dass sich beim Lonza-Gebäude «hohe ästhetische Ansprüche» und die Gewinnung von Sonnenenergie gut verbinden liessen.

Zunächst räumte das kantonale Bau- und Verkehrsdepartement ein, das Urteil der Kommission sei «politisch unsensibel» gewesen. Mittlerweile hat Departementsvorsteher Hans-Peter Wessels den negativen Vorentscheid aufgehoben: Bei guter Gestaltung sei der Bau einer Anlage am Lonza-Hochhaus durchaus möglich. Wessels hat das Geschäft der Denkmalpflege zur weiteren Bearbeitung übertragen.

Anlage mit Symbolcharakter

Angesichts der exponierten Lage des Hochhauses käme einer Fotovoltaikanlage am Lonza-Gebäude ein weithin sichtbarer Symbolcharakter zu, hält das Baudepartement in seiner Mitteilung fest. Deshalb stellt die Denkmalpflege auch gewisse Anforderungen an eine allfällige Photovoltaikanlage: «Die Verkleidung mit Solarpanels müsste eine Neuinterpretation der bestehenden Situation sein. Gestalterisch ist das eine grosse Herausforderung », sagt Daniel Schneller, Leiter der Denkmalpflege des Kantons Basel Stadt.  «Wichtig ist aus denkmalpflegerischer Sicht, dass keine originale Substanz verloren geht; dass also die Panels in 30 Jahren wieder entfernt werden können und die ursprüngliche Fassade immer noch intakt ist.»

Noch ist allerdings unklar, ob Lonza das Projekt überhaupt weiterverfolgt. Man habe mit der Vorabklärung bei der Städtebaukommission lediglich ausloten wollen, ob sich «eine kostenintensive detaillierte Projektausarbeitung, inklusive Machbarkeitsstudie und Wirtschaftlichkeitsrechnung» überhaupt lohne. Ob und wie es mit dem Vorhaben weitergeht, lässt Lonza offen: Man werde «gegebenenfalls mit den zuständigen Behörden das Gespräch suchen». (mrm)
 
Lesen Sie dazu auch das Interview mit Daniel Schneller, dem Denkmalpfleger des Kantons Basel-Stadt.