Zeugen florierender Uhrenindustrie

Zeugen florierender Uhrenindustrie

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Trotz rauem Klima und schwierigen Verkehrsverhältnissen konnten sich La Chaux-de-Fonds und Le Locle als internationale Zentren der Uhrmacherkunst etablieren. Ihre Architektur und ihren Grundriss verdanken sie dieser Blütezeit.
 
Zu übersehen die neue Strassenverkehr-Halle nicht: Die ausgefallene Fassade besteht aus insgesamt 344 Verkehrstafeln. Konzipiert wurde die extravagante Aussenfläche von den Zürcher Architekten Gigon/Guyer. Auf dem Platz davor dürfen sich die kleinsten Museumsbesucher als Strassenbauer versuchen. Mit Baggern und Schaufeln lassen sich Baumaterialien transportieren, Strassen können repariert oder Wege angelegt werden. Für Erwachsene lohnt sich ein Gang über den Platz ebenso, denn die Arena gewährt auch einen Blick unter die Oberfläche der Strassen und stellt die verschiedenen Strassentypen in Originalgrösse und im Querschnitt vor. Ausstellungspartner der StrassenbauArena ist übrigens Infra (Fachverband Schweizer Infrastrukturbauer). Gebaut wurde der Spielplatz für angehende Strassenbauer von Schülern der Berufsfachschule für Verkehrswegbauer. La Chaux-de-Fonds und Le Locle sind einzigartige, aussergewöhnliche Zeugen der Städtebauentwicklung während der gesamten Zeit der Industrialisierung. Hier entstand eine Stadtlandschaft, die Uhrenfirmen und Wohngebiete bewusst und eng miteinander verband», schreibt das Bundesamt für Kultur in einer Medienmitteilung zur Aufnahme ins Unesco-Weltkulturerbe von La Chaux-de-Fonds und Le Locle.
 
Der Stromkonzern Alpiq, die SBB und die Walliser Elektrizitätsgesellschaft FMV haben den Grundstein für das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance gelegt. Ab 2015 sollen dort jährlich 1500 Gigawattstunden Strom produziert werden. Bei Nant de Drance handelt es sich um ein 990 Millionen Franken teures Ausbauprojekt bestehender Kraftwerkanlagen auf dem Gebiet der Grenzgemeinde Finhaut zwischen Martigny und Chamonix. Die Investoren wollen die Stauseen Emosson und Vieux Emosson mit unterirdischen Stollen verbinden und das Gefälle zur Produktion von Spitzenenergie nutzen, wie sie mitteilten. Über die FMV beteiligte sich der Kanton mit zehn Prozent. Die Alpiq hält 54 und die SBB 36 Prozent an der Nant de Drance SA. Seit März können Unternehmen die Ausschreibungen der öffentlichen Hand zentral aus dem Internet abrufen. Bundesrätin Doris Leuthard hat eine Internetplattform vorgestellt, die mehr Transparenz, Rechtssicherheit und Kosteneinsparungen bringt. Bund, Kantone und Gemeinden vergeben jedes Jahr Aufträge von 40 Milliarden Franken. Wer sich bewerben wollte, musste bisher neben dem Schweizerischen Handelsamtsblatt zahllose kantonale und kommunale Publikationen konsultieren. Seit drei Monaten finden sich auf www.simap.ch alle Informationen. (sda)Wer den Platz verlässt und die zweigeschossige Strassenverkehrshalle betritt, dem zeigt sich ein ungewohntes Bild: Die Fahrzeuge, die einst auf dem Boden standen, wurden in ein riesiges Regal gehievt. Obwohl die Distanz zu den Karosserien grösser geworden sei, könne dem Besucher mehr geboten werden als bisher, glaubt Konservator This Oberhänsli. Tatsächlich wurde die Zahl der Ausstellungsstücke verdoppelt. In der neuen Halle lassen sich rund 80 Gefährte bestaunen. Möchte man eines genauer ansehen, kann man sich per Computer in seine Details vertiefen, daneben lassen sich zusätzliche Detailinformationen abrufen. Genügt dies nicht, setzt man sich ins Autotheater und lässt per Knopfdruck das gewünschte Fahrzeug aus dem Regal holen.«Museum on Demand», bezeichnet Konservator This Oberhänsli dieses Konzept. Der Rest der zweigeschossigen Ausstellung widmet sich Themen wie «Verkehrssicherheit», «Nutzverkehr» sowie neuen Technologien und Erfindungen. Und an einem «Aggressometer» können die Besucher ihr Fahrtemperament testen. Ohne Sponsoren wäre die neue, zurzeit auf fünf Jahre angelegte Ausstellung nicht möglich gewesen. Dies wirkte sich auch auf die Themenauswahl aus. Keiner der Sponsoren habe aber Anrecht auf Exklusivität, erklärt dazu Oberhänsli. n (mai/sda) Die beiden Dörfer auf rund 1000 Metern über Meer avancierten innerhalb weniger Jahrzehnte zu Uhrmacherzentren von Weltrang. Es begann im 18. Jahrhundert, als La Chaux-de-Fonds berühmt für seine Pendulen war. Die kleinen Kunstwerke fanden damals reissenden Absatz. Die Industrie florierte. So zählte die Stadt im Jahr 1750 knapp 70 Penduliers. Einige machten gar internationale Karrieren; zum Beispiel Josué Robert, der Uhrmacher des Königs von Preussen war. Mit freizügigen Bestimmungen förderte man die Einwanderung nicht nur von Arbeitern aus der Schweiz sondern auch aus dem benachbarten Burgund. Damit sollte das einheimische Handwerk gestärkt werden. Im Laufe der Zeit entwickelten die Uhrmacher schliesslich eine eigene Kultur, die die Ortschaften stark prägte: Die in einer Compagnie du Village zusammengeschlossenen Unternehmer kümmerten sich auch um die städtische Infrastruktur und Entwicklung.
 
Zwei verheerende Brände gaben La Chaux-de-Fonds und Le Locle schliesslich ihr heutiges Gesicht; La Chaux-de-Fonds war 1794 einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen und Le Locle 1833 und 1844. In der Folge plante man die Städte jeweils völlig neu, indem man für die Uhrenindustrie ideale Bedingungen schuf: kurze Wege zwischen den Produktionsstätten, natürliches Tageslicht in den Fabriken und eine gute Luftzirkulation. Daneben legte man auch auf den Komfort der Arbeiter grossen Wert. Diesen Anforderungen versuchte man nicht nur in architektonischer sondern auch in städteplanerischer Hinsicht Rechnung zu tragen; die Städte verfügen über einen klaren rechtwinkligen Strassenraster. Ein Grossteil Wohnhäuser ist gegen Süden ausgerichtet, von denen wiederum viele über einen kleinen Privatgarten verfügen.

Jugendstil und LeCorbusier

Die zum Teil weit gereisten Uhrmacher sorgten auch sonst für neue Einflüsse, sie finden sich etwa in den zahlreichen Jugendstilbauten wieder. Oder in der eleganten Avenue Léopold Robert, die mit ihrer Grosszügigkeit an Paris erinnert. Aber auch das einheimische Architekturschaffen zeugt von der Weltoffenheit der Stadt: LeCorbusier baute dort unter anderem die Villa Turque und das Maison Blanche.
 
Mit der Aufnahme von La Chaux-de-Fonds ins Unesco-Weltkulturerbe haben nun zumindest diese Bauten von LeCorbusier – wenn auch nur indirekt – schon jetzt einen Platz auf sicher auf der Liste gefunden. Denn insgesamt 21 seiner Bauten – darunter das Maison Blanche – waren als Gesamtwerk für einen Platz auf der Liste des Unesco-Welterbes vorgeschlagen worden. Über diesen Antrag wird allerdings erst 2010 entschieden.