Zeigen, was die Baubranche kann

Zeigen, was die Baubranche kann

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An der Swissbau werden neue und bewährte Lösungen im Bau präsentiert. Immer stärker entwickelt sich die Leitmesse des Baus aber auch zur Ideenbörse in energietechnischer Hinsicht, betonten Referenten an der Eröffnungsfeier. Baufirmen, die auf dem Baumarkt die Nase vorne haben wollten, würden sich über die neuste Bautechnik genau informieren.

«Wir wollen die Swissbau nutzen, um die hervorragenden Ingenieurleistungen der Schweiz zu würdigen», sagt Hans Killer, der Präsident von Bauenschweiz, dem Dachverband der Baubranche. Die alle zwei Jahre stattfindende Leitmesse der Baus sei eine willkommene Gelegenheit, das Bauwerk prominent ins Licht zu rücken. Exzellentes Beispiel dafür ist für ihn der Gotthard-Basistunnel der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat).

Die Bauwirtschaft beschäftigt in der Schweiz 500000 Arbeiter und erzielt einen jährlichen Umsatz von über 60 Milliarden Franken. «Der Bau ist ein wichtiges Standbein der Schweizer Volkswirtschaft», führt Killer weiter aus. Allerdings sei die Branche nach langer Hochkonjunktur mit einem leichten Rückgang der Aufträge konfrontiert. Möglicherweise sei die Delle 2017 aber bereits wieder ausgestanden.

Megatrend Energieeffizienz

Auch wenn die Situation der Bauwirtschaft passabel bleibt, müssen die Firmen des Bauhauptgewerbes und des Baunebengewerbes mit der neusten Technik Schritt halten. Vor allem in energietechnischer Hinsicht sind die Firmen gefordert, fit beziehungsweise konkurrenzfähig zu bleiben. «Die Energiewelt befindet sich in einem radikalen Wandel», weiss Walter Steinmann, der Direktor des Bundesamts für Energie (BFE). «Unsere Energiewelt wird dezentraler, vernetzter und intelligenter. Kurz: Sie wird smart», spricht er auf die rasante Entwicklung in der Haus- und Energietechnik an.

Das Gebäude ist in der Schweiz für über 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs verantwortlich. Zusammen mit den Kantonen will das BFE den Gebäudepark energetisch modernisieren. Dazu sind auch regulatorische Vorgaben aufgestellt worden. Bei Neubauten ist mehr Energieeffizienz einfacher zu erreichen. Bereits liegen unter anderem Lösungen für Nullenergie- und sogar Plusenergie-Häuser vor. Aber auch die Energiebilanz des alten Bestands kann mit einer ganzheitlichen Sanierung ganz wesentlich verbessert werden.

Marktplatz der zugkräftigen Ideen

«Darüber hinaus müssen wir», so Steinmann, «die privaten Bauherren und die Investoren, vor allem aber die Planungs- und Baubranche, für dieses Thema sensibilisieren.» Die Swissbau ist für ihn dafür besonders geeignet: «Messen sind Marktplätze, an denen Produkte, Themen und Ideen gehandelt werden.» So habe er im Vorfeld der Swissbau von Leuten der Branche erfahren, dass sie die Messe nicht primär wegen den Ausstellern, sondern vielmehr wegen der Diskussion neuer bautechnischer Lösungen besuchten.

Besser verankert werden muss die Energietechnik auch in der Ausbildung. Der Swissbau-Focus gibt gemäss dem BFE-Direktor eine Vorstellungen davon, in welche Richtungen die Fachspezialisten forschen und entwickeln. «Rettung durch Technik?» lautet in diesem Sinn auch der Slogan der diesjährigen Swissbau. «Weder staatliche noch private Rettungsaktionen sind notwendig», meint dazu Steinmann. In drei Punkten müsse die Branche indessen besser werden, wie er an Beispielen aus seinem Bekanntenkreis dokumentiert:

- Professionalität und Schnittstellenfunktionen: Wenn ein Gas- durch ein Elektroherd ersetzt wird, sollten nicht drei Handwerker Hand anlegen, die sich zuvor in keiner Weise koordinierten haben und sich selbst noch darüber streiten, wer die Entsorgungsgebühr für den alten Herd frakturieren darf.

- Kundenorientierung: Die Anfrage, wie viel der Einbau einer neuen Wärmepumpe kostet, soll nicht erst nach zwei Monaten mit einer Offerte beantwortet werden.

- Mitarbeiterorientierung: Junge Bauingenieure sollen nicht immer wieder Überstunden bolzen müssen, weil deren Vorgänger mit einem Burnout ausgefallen sind.

Um diese Punkte umzusetzen, braucht es gemäss Steinmann mehr als nur Berufsstolz. Vielmehr ist dafür ein breites Verständnis des Baufachs und der neuen Technologien erforderlich. Zusätzlich spielt er auf eine weitere Realität des Baumarkts an: «Man soll sich das Leben nicht mit Dumping-Offerten und anderen Tricks unnötig schwer machen.»

Nachhaltig planen und entschieden umsetzen

Stefan Cadosch, der Präsident des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA), begrüsst es, dass der Gotthard-Basistunnel das Motto der diesjährigen Swissbau ist. Für ihn ist dieser Tunnel «ein wahres Jahrhundertbauwerk, ein technisches Husarenstück und eine planerische Meisterleistung». Entsprechend schlägt er vor, das Jahr 2016 zum Jahr des Gotthards zu küren.

Die Schweiz sieht Cadosch zukünftig stark gefordert, wenn sie ihre gute Lebensqualität halten wolle. Das Wachstum der Bevölkerung verlange nach einer klugen Planung, wie das Land genutzt werde. Denn parallel zur wachsenden Bevölkerung brauche es unter anderem mehr Wohn- und Arbeitsräume sowie neue Verkehrsinfrastruktur. Die Planungs-, Bau- und Immobilienbranche seien gefordert, nach verträglichen Lösungen zu suchen, insbesondere wenn gleichzeitig der Energieverbrauch gedrosselt werden soll. Dazu zitiert er Jeffrey Sachs, Ökonom und Direktor des Netzwerks für Nachhaltige Entwicklung der Uno: «Wir verfügen über alle Mittel, das Problem zu lösen. Wir haben nur noch nicht entschieden, es anzugehen.»

Für Cadosch ist die nachhaltige Gestaltung unseres Lebensraums nicht nur eine technische, sondern vor allem auch ein soziale und kulturelle Frage: «Die Menschen müssen ermutigt werden, sich an der Umgestaltung unseres Lebensraums zu beteiligen. Sie müssen davon überzeugt werden, dass sich dieser Effort lohnt.» Gemäss dem Slogan «Rettung durch Technik» werden laut dem SIA-Präsidenten am Swissbau-Focus viele technische Lösungen ausgelotet. Das Fragezeichen impliziere aber auch, dass es neben den technischen Ansätzen eben auch Motivationsarbeit in der Gesellschaft brauche. (Urs Rüttimann)