Zarte Blätterranken statt schwerer Findlinge

Zarte Blätterranken statt schwerer Findlinge

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Teaserbild-Quelle: zvg
Der Altarraum der Kathedrale von St. Gallen erhält ein neues Gesicht. Vergangenes Frühjahr schrieb das Bistum und der Katholische Konfessionsteil des Kantons St. Gallen dazu ein Wettbewerb aus. Sieger wurden die Londoner Caruso St. John Architects. Das Büro hatte schon für das vieldiskutierte Nagelhaus am Zürcher Escher-Wyss-Platz verantwortlich gezeichnet, das vor dem Stimmvolk aber keine Gnade gefunden hatte.
 
 
Die Kathedrale als Bistumskirche und als Bestandteil des Unesco-Weltkulturerbes stelle hohe Anforderungen an die Planung, heisst es in der Medienmmitteilung des Katholischen Konfessionsteils. Zur Teilnahme am Wettbewerb wurden sieben Architekten und Künstler - darunter auch Ostschweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist - eingeladen. Das Katholische Kollegium sprach dafür einen Projektierungskredit von 200'000 Franken. Der Wettbewerbsperimeter umfasste den Bereich zwischen Chorgitter und Bänken. Dabei soll das Chorgitter erhalten bleiben und Altar, Ambo, Osterkerze, Taufort, Bischofssitz und Priestersitze neu gestaltet werden.
 
Frühere Versuche einer Neugestaltung des Altarraums seien versandet, sagt Administrationspräsident Hans Wüst. Es habe die Gefahr bestanden, dass keiner der Vorschläge den hohen Anforderungen genüge. Doch der Mut habe sich gelohnt. Der Entwurf der Caruso St. John Architects suche weder den Kontrast zum barocken Innenraum noch biedere er sich billig an, sondern er versuche sich darauf einzulassen, heisst es in der Medienmitteilung des Katholischen Kirchenteils. Für den Sockel des Altars schlagen die Caruso Architects drei konzentrische, oval ausgeformte Stufen vor. Sie werden von zarten Blätterranken geschmückt und stellen damit einen Bezug zum Flechtwerk des Chorgitters her. Der Taufort wird vom Kirchenschiff aus gesehen rechts neben der Altarplattform platziert. In den Altar wird ein Stück Carrara Marmor eingelassen, ein Block aus Eibe schliesst den Ambo ab und das Taufbecken ist mit einem Silberblatt ausgelegt. Der Bischofssitz aus Eiche wird auf die gemauerte Bank aufgesetzt, auf der die übrigen Sitze mit Lederkissen markiert werden. Über dem Altar schwebt ein goldener Ring, der an feinen Drähten aufgehängt ist. Er verweise auf die Geometrie der Kuppel und beziehe so die umgebende Architektur ein, heisst es dazu in der Medienmitteilung.

Gräser umkränzter Himmel

In die engere Wahl schaffte es auch der Entwurf von Pipilotti Rist. Ihr Projekt „Alpsteinkloster“ und setzt einen imaginären Raum in Szene. Der Altarraum wird zu einem Blumen- und Gräser umkränzten Himmel. Zwei Findlinge übernehmen die Aufgabe von Altar, Taufbecken und als Ambo. „Ein überraschender und wirkungsvoller Vorschlag“, sagte Jurymitglied Marcel Ferrier. Allerdings scheiterte der Vorschlag an den architektonischen Anforderungen, denenn er nicht gerecht wurde. Zudem befürchtete man, dass die Findlinge, um den liturigischen Anforderungen zu genügen, zu stark hätten bearbeitet werden müssen.
 
Bevor der Entwurf der Caruso St. John Architects umgesetzt  werden kann, müssen Bischof, Ordinariatsrat und Administrationsrat zum Entwurf Stellung nehmen. Läuft alles rund, wird dem Katholischen Kollegium wird in der Junisession 2011 ein Baukredit von rund 1,5 Millionen Franken unterbreitet. Ziel ist es, dass der neue Dom-Altar bis zum Gallus-Jubiläum 2012 fertig gestellt ist.Weil das Projekt liturgischen und denkmalpflegerischen Ansprüchen gerecht werden muss, wurde zudem der Schweizerische St. Lukasgesellschaft für Kunst und Kirche (SSL) ein Beratungsmandat übertragen. (mai/mgt)