Wolken am heiteren Bauhimmel?

Wolken am heiteren Bauhimmel?

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Teaserbild-Quelle: Thomas Staenz
Die Baubranche hat ein solides Jahr hinter sich und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Doch Euphorie wäre fehl am Platz, denn der starke Schweizer Franken und der harte Preiskampf trüben die rosigen Aussichten. Folgt schon bald die nächste Krise? Und wie wappnet man sich am besten dagegen? Das „baublatt“ hat der Bauwirtschaft den Puls gefühlt.

 

Thomas Staenz
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Thomas Staenz
Braut sich eine Krise zusammen?

«Für 2011 erwarten wir keine wesentlichen Änderungen, wobei unser Auftragsbuch unser wichtigster Indikator ist. Und dieses ist bis weit ins Jahr gefüllt.» Diese beruhigende Einschätzung von Anton Affentranger, Verwaltungsratspräsident der Implenia AG, teilen viele Unternehmen. Zumal auch Prognosen von Konjunkturforschungsstellen wie etwa jene der ETH Zürich (KOF) Positives verheissen. Sie sieht für die nächsten Monate weiterhin ein Wachstum der Schweizer Volkswirtschaft voraus. Mit leicht niedrigeren Wachstumsraten zwar, aber das Barometer steht nach wie vor auf hohem Niveau. Trotzdem blickt niemand aus der Branche blauäugig in die Zukunft. Das Umfeld hat sich verändert, die Preise schrumpfen und alle sind sich einig, dass langfristig nur Firmen überleben, die auf Qualität und Innovation setzen und die ein klares Leitbild haben. Das «baublatt» hat unterschiedliche Akteure nach ihrer Situation, ihrer Prognose und Strategie für die Zukunft befragt.

Franz Kainz, Verkaufsleiter und stellvertretender Geschäftsleiter Flumroc, Flums:
«Flumroc investiert einen grossen Teil des Gewinns in Erneuerungen und Innovationen für die Produktion  von Steinwolle. Flumroc funktioniert nach dieser Strategie, unabhängig von der Wirtschaftslage. Diese Konstanz ist wichtig, ohne immer wieder von der Krise zu sprechen. Wir sind überzeugt, dass es für die Baubranche gut kommt, wenn sie sich so weiterentwickelt wie bisher. Um wirtschaftlich bestehen zu können, braucht ein Unternehmer einerseits motivierte Mitarbeiter und andererseits einen intakten Markt. Der Schuh drückt heute vor allem bei den Währungen. Wir sind zu 20 Prozent im Export tätig, da macht uns der starke Franken ein wenig zu schaffen. Deshalb setzen wir auf Kompetenz, die aus einem Mix von Dienstleistung, Service und Seriosität besteht.»

Martin Kull, CEO und Mitinhaber von HRS Real Estate, Frauenfeld:
«HRS Real Estate hat die letzte Krise gut überstanden. Dabei hilft uns einerseits die Tatsache, dass wir bei der Auftragsakquisition besondere Vorsicht walten lassen, um nicht unverhältnismässig hohe Risiken bezüglich der erwartenden Marge einzugehen. Andererseits setzen wir auf eine vorsichtige Budgetierung. Bei Generalunternehmer-Aufträgen sind die Margen tatsächlich stark unter Druck. Problematisch kann es dort werden, wo auf Kosten der Marge Aufträge akquiriert respektive Umsatz generiert werden soll. Längerfristig sehen wir in der Erhöhung beziehungsweise Stabilisierung der Marge eine Notwendigkeit.»

Jürg Kübler, Geschäftsführer Kübler Holzbau Männedorf und Oetwil:
«Die Umsätze sind gut, aber der aktuelle Preisdruck ist bitter: Bei den heutigen Preisen ist es unmöglich, noch für schlechtere Zeiten die Kriegskasse zu füllen. Wir haben schon immer sehr viel in moderne Maschinen investiert. Das funktioniert aber nur, wenn wir zu 100 Prozent ausgelastet sind. Auch der tiefe Euro macht uns zu schaffen. Mit den Konkurrenzprodukten aus dem Ausland können wir preislich nicht mithalten. Unsere einzige Chance ist es, schneller und besser zu arbeiten und Nischenprodukte anzubieten. Wir machen sozusagen viereckige Eier, Sonderaufträge in kleinen Stückzahlen, die kein internationaler Grossbetrieb anbieten kann.»

Peter C. Jakob, Architekt und Partner von Bauart Architekten und Planer AG Bern, Neuenburg und Zürich:
«Während der Krise waren wir in der glücklichen Lage, einige grosse Projekte in der ersten Projektierungsphase zu haben. Dadurch haben wir unseren Personalbestand sogar leicht erhöht. Trotzdem haben wir aus der unsicheren Lage Schlüsse gezogen. Wir haben uns intensiv mit unserem eigenen Leitbild beschäftigt und haben daraus eine Strategie für uns festgelegt. So gesehen hat uns die Krise zu einem gestärkten Profil geführt. Ein Büro mit 70 Mitarbeitern zu führen, ohne leicht gepolstert zu sein, wäre unverantwortlich und nicht nachhaltig. Zuviel Polster wiederum würde die Flexibilität beeinträchtigen. So suchen wir gezielt den Mittelweg. Zudem bin ich überzeugt, dass innovatives Denken ein guter Krisenmanager ist. Zum Thema Umsatz kann ich nur für die Planenden sprechen. Diese Branche bekundet tatsächlich Mühe, ihre Margen und die Löhne zu verbessern. Vielleicht liegt es daran, dass besonders wir Architekten uns eher als Künstler denn als Unternehmer verstehen. Da wären wir eventuell besser beraten, uns bei den Vertragsverhandlungen von Managern vertreten zu lassen. Wenn es uns aber nicht gelingt, die Margen und in der Folge die Löhne zu erhöhen, könnte dies dazu führen, dass die guten Berufsleute in andere Bereiche wechseln. Dies wäre für unseren Berufsstand und letztlich für die Qualität unserer gebauten Umwelt von Nachteil.» (ka)