Wohnungsbauboom und 50-Rappen-Stundenlohn

Wohnungsbauboom und 50-Rappen-Stundenlohn

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Seit Kurzem sind sämtliche Statistischen Jahrbücher der Stadt Zürich der letzten 108 Jahre im Internet zugänglich. Für historisch Interessierte finden sich in der riesigen Dokumentation verblüffende Zahlen längst vergangener Zeiten, unter anderem auch aus der Bau- und Immobilienwirtschaft.

Teuerung der Mieten um 100 Prozent: Die Entwicklung der Wohnungsmieten ist und war wohl schon immer ein Dauerbrenner. Das Statistische Jahrbuch von 1944 zeigt hier Erstaunliches. In den sehr schwierigen 30 Jahren zwischen 1914 und 1944, das heisst in der Zeit des 1. Weltkrieges, der darauf folgenden Wirtschaftskrise und des zweiten Weltkrieges stiegen die Mieten um 100 Prozent. Die Teuerung im gleichen Zeitraum lag etwas darüber. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich der Stundenlohn eines Gipsers von 94 Rappen auf 2.71 Franken, eines Bauhandlangers von 50 Rappen auf 1.89 Franken, eines Maurers von 67 Rappen auf 2.23 Franken. Das heisst, sogar in sehr schwierigen Zeiten vermochten die Lohnsteigerungen mit der Teuerung Schritt zu halten, ja sie sogar noch etwas zu übertreffen.
 
Doppelt so viele Wohnungen gebaut: 2001 wurden in der Stadt Zürich 1140 Wohnungen gebaut. Zehn Jahre später, 2011, waren es 2307 Wohnungen - davon 46 1-Zimmer-, 466 2-Zimmer-, 842 3-Zimmer, 734 4-Zimmer- und 219 5 und mehr Zimmer-Wohungen.
 
Millionen von Tramfahrern: Bereits im 1924 beförderten die Städtischen Strassenbahnen 52,2 Millionen Personen, 2012 zählten die Verkehrsbetriebe rund 323,3 Millionen Fahrgäste. Der Motorfahrzeug-Bestand scheint seinen Zenit erreicht zu haben. Trotz Bevölkerungszunahme schwankt er über die letzten drei statistischen Jahre um 168'000Motorfahrzeuge. Das sind 398 Motorfahrzeuge auf 1000 Einwohner und damit weniger als der schweizerische Durchschnitt.
 
Mehr Ehefrauen, weniger Kinder: Das Jahrbuch von 1910/11 beschäftigt sich intensiv mit dem Geburtenrückgang: Obwohl die Anzahl verheirateter Ehefrauen im gebärfähigen Alter seit 1900 deutlich, um 24 Prozent zugenommen hatte, sank die Anzahl geborener Kinder auf 1000 verheiratete Frauen im selben Zeitraum um über 35 Prozent.
 
Die nun im Internet vollständig einsehbaren Jahrbücher sind eine Fundgrube über die Situation und Entwicklung der Lebensumstände und der Wirtschaft der Schweiz damals und heute. Sie sind voller spannender Zahlen und Grafiken und geben auch einen guten Einblick in die damalige und heutige Typographie und Bildsprache der Statistik. In den PDF-Dateien erschliessen sich somit ungeahnte Recherche-Möglichkeiten. (mai)