Wohnungsbau rückläufig auf hohem Niveau

Wohnungsbau rückläufig auf hohem Niveau

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Vermehrt macht sich in der Bauwirtschaft eine Abkühlung bemerkbar, wenn auch immer noch auf einem hohen Niveau. Dies zeigt der soeben veröffentlichte Bauindex von Credit Suisse und Schweizerischem Baumeisterverband.

Die überdurchschnittlich dynamische Baukonjunktur der letzten Jahre schwächt sich weiter ab. Für das 1. Quartal 2015 wird ein Rückgang im Bauhauptgewerbe von –3,1% zum Vorquartal und von –5,8% zum Vorjahresquartal erwartet. Haupttreiber der Abschwächung ist der Tiefbau mit einer Reduktion um –3,8% gegenüber dem Vorquartal. Beim Hochbau ist es der Wohnungsbau, der um –4% nachgibt, wogegen der öffentliche Hochbau um +5,6%  und das Ausbaugewerbe um +0,8% zulegen können. Trotz der Binnenorientierung der Bauwirtschaft dürfte auch hier der Frankenschock seine Auswirkungen zeitigen. Vor allem die Nachfrage bei kommerziellen Flächen dürfte zurückgehen. Positive Einflüsse sind jedoch von der erneuten Senkung der Leitzinsen zu erwarten. Investitionen in risikoarmen Anlagen bringen kaum mehr Renditen und das Halten flüssiger Mittel wird mit Negativzinsen „bestraft“. Bei solchen Entwicklungen können Immobilien als Anlagen noch an Attraktivität gewinnen, was 2015 trotzdem für ein erfolgreiches Baujahr sorgen könnte, allerdings unter dem Niveau der rekordhohen Vorjahres-Umsätze.

Höhepunkt beim Hochbau überschritten: Der Rückgang im gesamten Hochbau um -2,4% leidet vor allem unter der Index-Komponente Wohnungsbau, die für sich alleine im 4. Quartal 2014 um –4,0% nachgegeben hart. Verhältnismässig kleiner ist der Rückgang beim Wirtschaftsbau um –1,3%, der sich allerdings bereis auf tieferem Niveau bewegt. Im Vorjahresvergleich drifteten der Wirtschaftsbau mit +8,8% und der Wohnungsbau mit –9,4% auseinander. Der öffentliche Hochbau verzeichnet sogar ein Plus von +11,7%. Die meisten Immobilienexperten sehen diese Entwicklungen als Normalisierung und noch nicht als Beginn eines anhaltenden Abschwunges. Ausserhalb des Zweitwohnungsbaus war die Planung von 47’000 baubewilligten Wohneinheiten im 2014 fast ebenso hoch wie im 2013. So werden sich die Umsätze im 2015 eher stabilisieren.
Der Frankenschock dürfte sich mittelfristig vor allem beim Wirtschaftsbau, der durch die erwartete Eintrübung der Konjunktur zu mehr Zurückhaltung bei Neu- und Ausbauprojekten finden könnte.

Tiefbau bleibt rückläufig: Die Korrektur eines starken ersten Halbjahres 2014 zeigte sich im Tiefbau im 4. Quartal durch einen Rückgang um –3,9% im Vergleich zum Vorquartal. Zwar wird auch im Tiefbau mit einer 
Stabilisierung/Konsolidierung gerechnet. Auslaufende Grossprojekte und sparsamere Verwaltungen lassen eine verhaltene Entwicklung erwarten. Der Auftragsbestand ist aber nach wie vor solide. Durch den Beschäftigungsaufbau in den letzten Jahren dürfe er aber schneller abgebaut werden. Die Auftragsbestände der Baufirmen sind insbesondere im Wohnungsbau rückläufig. Das Niveau ist aber immer noch recht hoch. Für 2015 erwartet der Schweizerische Baumeisterverband einen leichten Rückgang der Bautätigkeit in der Schweiz. Ein eigentlicher Einbruch ist aber nicht zu befürchten. Anders präsentiert sich die Lage in den Tourismusgebieten: Hier werden die Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative massiv zu spüren sein. Die Wohnbautätigkeit wird empfindlich zurückgehen.

Bauteuerung bleibt tief: Der Einfluss einer Bauteuerung auf den Bauindex, bzw. auf die Gesamtumsätze ist marginal. Die Bauteuerung von –0,3% im Vorjahresvergleich legt Zeugnis ab von einem scharfen Wettbewerb – in Kombination mit strukturellen Problemen in der Branche und tieferen Importpreisen. Seit 2009 beträgt die Bauteuerung +3,7% bis heute.

Ausbaugewerbe reagiert verzögert: Der Ausbauindex folgt dem Hochbauindex mit einer Verzögerung von zwei bis vier Quartalen. Mit einer Steigerung um +0,8% im Vorquartalsvergleich dürfte ein neuer Höchststand erreicht werden. Dazu tragen solide Auftragsbestände auch im Bereich Umbauten und Ausbauten bei. Das  Niveau des Umbauvolumens von CHF 10,2 Milliarden im Jahr 2014 lag nur –1,4% unter dem Vorjahr (2013).
Gemäss dem Bauindex von Credit Suisse und Schweizerischem Baumeisterverband steht also ein überwiegend positives 2015 bevor, wenn auch die rekordhohen Vorjahresumsätze nicht mehr erreicht werden dürften. Das schliesst aber nicht aus, dass zahlreiche direkte und indirekte, wirtschaftliche und politische Einflüsse den insgesamt erträglichen Ausblick ins 2015 noch mehr oder weniger stark beeinträchtigen können. (mai/Material SBV und CS)