Wohneigentum: Neue Bewertung spült Millionen in Basels Kasse

Wohneigentum: Neue Bewertung spült Millionen in Basels Kasse

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Rund 22 Millionen Franken mehr Steuereinnahmen dürfte eine Neubewertung der selbstgenutzten Liegenschaften in Basel-Stadt per 2017 bringen. Unter dem Strich soll der Eigenmietwert im Schnitt um einen Drittel steigen. Hintergrund ist die Wertsteigerung seit der letzten Bewertung 2001.

Die baselstädtische Steuerverordnung sieht für selbstgenutztes Wohneigentum eine Neubewertung vor, wenn "die Vermögenssteuerwerte in einer erheblichen Zahl von Fällen im Durchschnitt in wesentlichem Ausmass von den tatsächlich erzielbaren Verkehrswerten abweichen". Dies sei nun der Fall, sagte der stellvertretende Steuerverwalter Christian Mathez nach einem Bericht der "bz Basel".

Die Marktpreise für Häuser und Wohnungen sind seit 2001 markant gestiegen. Das bundesrechtlich verankerte Konzept der Eigenmietwertbesteuerung als Ausgleich zu Hypothekarschuldabzügen soll verhindern, dass Mietende benachteiligt werden. Die Details sind kantonal geregelt; einbezogen werden Steuer- und Marktwert.

Eigentümer fordern Fairness

Mathez verweist auf das bundesgerichtliche Richtmass für Eigenmietwerte von durchschnittlich 70 Prozent der Vergleichsmieten – die Mieten seien in den letzten 15 Jahren ebenfalls gestiegen. Anhand von Vergleichsobjekten werde dies kontrolliert und mit der anstehenden Neubewertung auch eingehalten.

Der Hauseigentümerverband (HEV) Basel-Stadt kritisiert die systematische Neubewertung: Die Mieten seien insbesondere bei langjährigen Mietverhältnissen nicht gestiegen, und von gestiegenen Liegenschaftswerten hätten Eigentümer nur etwas beim Verkauf, aber nicht, wenn sie weiter im Objekt wohnen.

Neu eingeschätzt wird nur der Wert der Liegenschaften, während der Steuersatz für den Eigenmietwert unverändert bei vier Prozent bleibt. Dieser langjährige Erfahrungswert, der auf mehreren Faktoren samt Hypozinsen basiere, ist laut Mathez weiterhin angemessen. 22 Millionen Steuermehreinnahmen netto seien erst eine Schätzung.

20'000 Liegenschaften neu zu bewerten

Der HEV fordert indes eine Satz-Senkung als Ausgleich zu den erhöhten Bewertungen. Bei der letzten Neubewertung 2001 sei der Satz reduziert worden, und jetzt sei der massgebende Referenzzinssatz "massiv gesunken". Der HEV wolle Mitglieder unterstützen, die sich wehren, und überlege sich politische Schritte, hiess es auf Anfrage.

Eingeschätzt werden bis Ende Jahr alle rund 20'000 selbstgenutzten Liegenschaften, darunter rund 11'300 Stockwerkeigentumswohnungen und 7000 Einfamilienhäuser. Ab April erhalten die Eigentümer laut Steuerverwaltung entsprechende anfechtbare Verfügungen. Vermietete Liegenschaften sind nicht betroffen; sie werden anders besteuert.

Nicht greifbar sind im Übrigen bei der Steuerverwaltung Daten, um wie viel die Steuerabzüge für Hypothekarschulden wegen der Tiefzinssituation gesunken sind – Hyposchulden werden zusammen mit anderen Schulden in der Steuererklärung gemischt erfasst. (sda)