Wo es heute dröhnt, soll es morgen zwitschern

Wo es heute dröhnt, soll es morgen zwitschern

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Teaserbild-Quelle: Marek Szczepanek, Wikpedia
Das 105 Hektaren grosse Neeracherried ist eines der letzten grossen Schweizer Flachmoore und bietet vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Die Hauptstrasse von Dielsdorf nach Bülach führt zwischen den Gemeinden Neerach mit dem Ortsteil Riedt und Höri mitten durch dieses Naturschutzgebiet. Eine Lösung für eine Umfahrung dieses wertvollen Gebietes ist gefragt.
 
Marek Szczepanek, Wikpedia
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Marek Szczepanek, Wikpedia
Das Tüpfelsumpfhuhn ist nur einer der vielen Bewohner der Rieds.
 
Anfang 2010 landeten die Planungsvarianten für eine Umfahrung des Rieds wegen zu hoher Kosten und anderer Widerstände in der Schublade. Doch nun sollen sie von der Zürcher Regierung und den betroffenen Gemeinden nochmals diskutiert werden. Und zwar mit dem Ziel, bis Ende Jahr eine Lösung zu finden, die allenfalls noch in den laufenden Revisionen des kantonalen und des regionalen Richtplans berücksichtigt werden kann. Anfang Monat fand im Naturschutzzentrum Neeracherried eine Aussprache zwischen den Gemeinden Höri, Neerach sowie Niederglatt mit der Volkswirtschaftsdirektion unter Leitung von Regierungsrat Ernst Stocker statt. Dabei wurde festgelegt, dass unter Federführung der Volkswirtschaftsdirektion und unter Einbezug der betroffenen Gemeinden die bereits im Rahmen einer umfassenden Zweckmässigkeitsbeurteilung (ZMB) geprüften Verlegungen der Strassen aus dem Neeracherried noch einmal evaluiert werden.

Auf und Ab in der Vorgeschichte

Das Amt für Verkehr hatte in den Jahren 2007 bis 2009 die Varianten zur Verlegung der Strasse aus dem Neeracherried untersucht. Die vorgeschlagene Bestvariante wurde von den umliegenden Gemeinden wegen ungenügender Siedlungsverträglichkeit und einer ungenügenden regionalen Betrachtung der Verkehrssituation abgelehnt. Andere umweltverträgliche Varianten beurteilt der Kanton als unverhältnismässig teuer. So hätte eine in diesem Zusammenhang geprüfte Tunnelvariante bis zu 200 Millionen Franken Kosten verursacht. Die Volkswirtschaftsdirektion hatte deshalb anfangs 2010 beschlossen, auf die Strassenverlegung zu verzichten und stattdessen die bestehende Strasse in der heutigen Lage zu sanieren.
 
Vergangenen Oktober gab es wieder Bewegung in dieser Angelegenheit. Die Kommission für Planung und Bau des Kantonsrates verlangte mit einer Motion, dass der Regierungsrat einen Kredit für die Verlegung die Strassen im Neeracherried entsprechend dem kantonalen Richtplan vorzulegen habe.
 
Mit Beschluss vom 19. Januar 2011 hatte sich der Regierungsrat bereit erklärt, das Anliegen in Form eines Postulates entgegen zu nehmen. Gleichzeitig hatten sich die drei am meisten betroffenen Gemeinden Höri, Neerach und Niederglatt mit einem Schreiben an Regierungsrat Stocker gewandt und darin ihr Interesse und ihre Bereitschaft bekundet, eine Lösung zu suchen. Diese soll sowohl den Interessen des Umweltschutzes als auch der Bevölkerung Rechnung tragen und finanzierbar sein. (mai)
 

Tier- und Pflanzenwelt im Neeracherried

Im Neeracherried sind viele typische Riedbewohner zu Hause, wie der Rohrammer, die Lachmöwe oder das selten gewordene Tüpfelsumpfhuhn. Seit wenigen Jahren brüten hier auch Eisvögel. Daneben fühlen sich dort auch der Teichmolch und der Grünfrosch wohl, dessen Verwandte – die Erdkröte und der Grasfrosch – wegen des Verkehrs aus vielen Teilen des Rieds ausgezogen sind. Aber auch besondere Insekten wie der Plattbauch und die Binsenjungfer kommen im Ried vor. Bei den Pflanzen sind es vor allem die gelbe und die sibirische Schwertlilie aber auch verschiedene Orchideen, die sich hier angesiedelt haben. (Quelle: birdlife.ch)
 
Mehr über die vielfältige Flora und Fauna gibt es auf birdlife.ch zu lesen.