Wird die Erdbebenversicherung obligatorisch?

Wird die Erdbebenversicherung obligatorisch?

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Für Erdbebenschäden gibt es in der Schweiz keinen umfassenden Versicherungsschutz. Dies soll sich ändern: Das Finanzdepartement (EFD) hat am Donnerstag Vorschläge für eine obligatorische Erdbebenversicherung veröffentlicht. Zur Diskussion stehen Lösungen auf Bundes- und Kantonsebene.

In der Schweiz bestehe ein überdurchschnittliches Erdbebenrisiko, schreibt das EFD. Trotzdem gebe es derzeit keinen umfassenden Versicherungsschutz. Die Bevölkerung gehe fälschlicherweise davon aus, dass sie im Rahmen der Elementarschadenversicherung auch gegen Erdbeben versichert sei oder dass der Bund einspringen würde. Für eine Bundeslösung bräuchte es laut dem Bericht des EFD eine Verfassungsänderung. Damit würde der Bund die Kompetenz erhalten, eine landesweite obligatorische Erdbebenversicherung einzuführen.

Für die Umsetzung wären die kantonalen Gebäude- und den Privatversicherer zuständig. Die föderale Lösung setzt das Einverständnis sämtlicher Kantone voraus. Deshalb wäre primär ein interkantonales Konkordat ins Auge zu fassen, heisst es im Bericht. Die föderale Lösung sei zwar rechtlich möglich, doch wäre die Realisierung aufwendig und zeitintensiv. Bei der Bundeslösung sei der Gesetzgebungs- und Koordinationsaufwand geringer, doch müsste die Verfassung geändert werden.

Insgesamt sollen 20 Milliarden Franken abgedeckt werden. Damit wäre ein 500-Jahr-Ereignis voraussichtlich voll ausfinanziert. Der Selbstbehalt der Versicherten läge bei 5 Prozent der Versicherungssumme. Die erste Milliarde müssten die Versicherten tragen. Die weiteren 19 Milliarden würden je zur Hälfte durch die Versicherer und den Bund getragen.

Heute sind 17 kantonale Gebäudeversicherer im schweizerischen Pool für Erdbebendeckung zusammengeschlossen, der im Fall eines Erdbebens freiwillige Leistungen erbringt. Zürich verfügt als einziger Kanton über eine gesetzlich geregelte obligatorische Erdbebenversicherung mit einer Deckung von 1 Milliarde Franken. In anderen Ländern ist die Lage allerdings ähnlich. Auch Deutschland, Österreich und Italien kennen keine obligatorische Erdbebenversicherung. (sda)