«Wir wollen Bauten erfassen, die keine Bewilligung brauchen»

«Wir wollen Bauten erfassen, die keine Bewilligung brauchen»

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Teaserbild-Quelle: Marcel Müller

Mit dem Planungstool «Buildster» will die Docu Media Schweiz GmbH privaten Bauherren das Leben leichter machen. Im Gegenzug erhält sie Informationen zu Bau- und Sanierungsprojekten, für die keine Baubewilligung erforderlich ist. Projektleiter Dominik Mahn sagt, was Buildster kann und welche Chancen es Handwerkern, Herstellern und Dienstleistern bietet.

Quelle: 
Marcel Müller
Dominik Mahn, COO der Docu Media Schweiz GmbH

Mit Buildster hat Docu Media ein Planungstool für Bauherren entwickelt. Was kann man damit machen?

Dominik Mahn: Buildster hilft privaten Bauherren dabei, ihre Bau- oder Sanierungsprojekte einfach zu planen, zu organisieren und automatisch zu dokumentieren. Sie müssen ihre Ideen, Pläne und Rechnungen nicht mehr mühsam in Bundesordnern ablegen, sondern können alle Infos bequem über Smartphone, Tablet oder Computer in einem einzigen Tool erfassen. Zudem können sie alle Projektdaten jederzeit von überall her einsehen, ergänzen oder bearbeiten.

Das Tool ist kostenlos. Welches Geschäftsmodell steckt dahinter?

Ziel ist es, mit Buildster den riesigen Markt nicht bewilligungspflichtiger Massnahmen erstmals zu erschliessen. Wir wollen Bauten und Umbauten erfassen, die keine Baubewilligung brauchen. Angesichts des Rückgangs der Baugesuche gewinnen solche Projekte für das Baugewerbe und industrielle Hersteller an Bedeutung. Darum sind wir überzeugt, dass es für sie interessant ist, sich bei Buildster zu beteiligen.

Docu Media kennt man in der Branche vor allem als Lieferantin von Bau­informationen und als Herausgeberin des Baublatts. Warum hat sie nun eine Smartphone-App entwickelt?

Zunächst ist zu sagen, dass Buildster eine cloudbasierte Lösung ist. Das heisst: Sie läuft nicht nur auf dem Smartphone, sondern auch auf Tablet, PC oder Mac. Wir haben zudem auch für andere Produkte wie den Infomanager eine Smartphone-App entwickelt. Anhand der Nutzerzahlen sehen wir, dass das Interesse an mobilen Lösungen massiv zunimmt. Damit eine möglichst grosse Zielgruppe einen technologischen Zugang zu unseren Produkten findet, müssen wir breit aufgestellt sein. Und da gehört eine App heute definitiv auch dazu.

Welches sind die wichtigsten Funktionalitäten von Buildster?

Das hängt natürlich wesentlich von den Bedürfnissen des einzelnen Nutzers ab. Zentral sind sicherlich die Checklisten, die Buildster bietet. Die Software stimmt diese individuell auf das konkrete Renovations- oder Bauprojekt ab. Die Checklisten helfen dem Bauherrn, bei der Planung und Realisierung alle wichtigen Schritte zur richtigen Zeit zu machen. Zudem sind die­Listen mit einem Ratgeber verknüpft, der vertieftes Wissen zu einzelnen Punkten vermittelt und gleichzeitig passende Produktanbieter anzeigt. Weiter lassen sich in Buildster Pläne, Dokumente und Fotos speichern und mit Zusatzinfos anreichern. So kann der Nutzer zum Beispiel auf einem Plan Änderungen machen und diesen direkt aus dem Tool an den Architekten oder Planer schicken. Eine Kernfunktion von Buildster ist das sogenannte Tagebuch, das all diese Aktivitäten und Einträge chronologisch ordnet und zusammenfasst. So lässt sich der Baufortschritt gut nachvollziehen.

Beim Bauen geht es immer auch ums Geld. Wie bildet Buildster diesen Aspekt ab?

Finanzierung und Fördergelder sind ebenfalls ein zentrales Thema des Tools. Ein integrierter Budgetrechner hilft Bauherren dabei, die Projektkosten im Griff zu behalten. Buildster bietet einen umfassenden Überblick über Förderprogramme von Bund, Kantonen und Gemeinden. Zudem ist es möglich, über Buildster Angebote von Handwerkern, Herstellern, Handel, Industrie und Dienstleistern zu finden. Das Tool liefert, immer abgestimmt auf den Standort und die Massnahme des Bauvorhabens, eine Übersicht der Anbieter von Bauprodukten und -dienstleistungen. Die Firmen, die sich ins Verzeichnis aufnehmen lassen, haben die Möglichkeit, abgestimmte Angebote zu präsentieren.

Sie sagen, Buildster biete den Bauherren Inspirationen im Sinne von Produktvorschlägen. Wie werden diese zusammengestellt?

Der Inspirationsteil umfasst zwei Funktionalitäten. Zum einen haben Hersteller und Anbieter die Möglichkeit, Produkte zu präsentieren. Dabei bekommt der Nutzer ausschliesslich Empfehlungen, die zu seinem Projekt passen: Baut er seine Küche um, bekommt er Ideen von Küchenbauern zu sehen. Plant er hingegen einen neuen Sitzplatz, erhält er Vorschläge zur Gartengestaltung. Dabei schafft Buildster einen direkten Link zu den Herstellern. Interessierte Nutzer können über das Tool unkompliziert direkten Kontakt mit ihnen aufnehmen. Der zweite Bestandteil besteht in der Möglichkeit, selber Bilder einzustellen,
etwa von Möbeln, Materialien oder Geräten, die der Nutzer an einer Messe oder in einem Katalog entdeckt hat. So lassen sich auf einfache Weise Ideen sammeln.

Wie wird die Qualität dieser Inspirationen sichergestellt?

Buildster ist nicht einfach ein automatisiertes Tool, das die Nutzer wild mit Produktinformationen beliefert. Vielmehr steht dahinter eine Fachredaktion, welche die Inspirationen in Abstimmung mit den Herstellern und Dienstleistern aufbereitet und die Angebote richtig kategorisiert. So ist gewährleistet, dass der Anwender nur Informationen erhält, die ihn tatsächlich interessieren.

Wie wählt Buildster die Handwerker und Dienstleister aus, die es dem Nutzer vorschlägt?

Jeder Nutzer muss sich registrieren und die Frage beantworten, an welchem Ort er etwas bauen möchte. Diese Information gleicht das Tool mit den Handwerkern ab, die an Buildster beteiligt sind. Diese haben uns angegeben, in welchen Gebieten sie tätig sind. So ermittelt die Software, welche Handwerker für ein bestimmtes Projekt in Frage kommen. Für den Nutzer erscheinen diese dann in einer übersichtlichen Liste, auf der ganz oben der Handwerker erscheint, der am nächsten ist.

Inwiefern ist dieses Angebot neu?

Einzelne Bestandteile von Buildster gibt es schon lange. Es gibt die Gelben Seiten, Search.ch und Datenbanken, in denen Hersteller und Handwerker zu finden sind. Es gibt inzwischen auch Smartphone-Apps, mit denen sich ein Baufortschritt dokumentieren lässt. Aber in der Summe seiner Möglichkeiten ist Buildster einmalig.

Wie lange dauerte die Entwicklung des Tools?

In Buildster steckt eine Entwicklungszeit von über zwei Jahren. Das fachliche Know-how für die Funktionalitäten von Buildster kam dabei aus unserem Haus. Wir wissen, was der private Bauherr möchte und haben ausserdem eine auf Buildster zugeschnittene Marktbefragung durchgeführt.

Buildster ist eine cloudbasierte Lösung. Wie steht es um den Datenschutz?

Wir gewährleisten, dass die Nutzerdaten sicher sind. Die Übertragung ist, wie es sich gehört, SSL-verschlüsselt. Zudem löschen wir auf Wunsch Nutzerdaten komplett. Das unterscheidet uns von vielen andern Cloud-Anbietern, bei denen das nicht oder nur partiell gewährleistet ist.

Wird das Produkt noch weiterentwickelt?

2016 wird eine französische Version für die Westschweiz erscheinen. Ebenfalls fest geplant ist die Entwicklung einer genuinen Android-App. Momentan kann man Buildster auf Android-Geräten, aber auch über den Webbrowser nutzen. Mittel- und langfristig haben wir grosse Pläne. So wollen wir in Zukunft auch die Architekten in Buildster berücksichtigen. Sie könnten sich im Tool zum Beispiel mit Referenzprojekten präsentieren. Daneben haben wir diverse inhaltliche Ideen, beispielsweise die Implementierung von «Augmented-Reality»-Anwendungen, bei denen man das Smartphone nutzt, um sich anzeigen zu lassen, wie sich ein bestimmtes Produkt im eigenen Wohnzimmer machen würde. (Interview von Marcel Müller)

Hier finden Sie die Buildster-App

Zur Person

Dominik Mahn ist seit 2007 bei Docu Media und zuständig für die Entwicklung der Produkte, insbesondere deren Transformation in den digitalen Markt. Seit Januar 2015 ist er als Geschäftsleitungsmitglied verantwortlich für das operative Geschäft.