Winterthur leistet sich ein «kunstvolles» Polizeigebäude

Winterthur leistet sich ein «kunstvolles» Polizeigebäude

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Trotz angespannter Finanzlage will Winterthur beim rekordteuren Neubau für die Stadtpolizei nicht auf Kunst am Bau verzichten. Dafür soll eine halbe Million Franken zur Verfügung stehen.

Kunst am Bau ist kontrovers – gerade im hoch verschuldeten Winterthur. Bereits 2014 sorgte das 380‘000 Franken teure Kunstprojekt «Kerberos» für heftige Diskussionen. Die Künstlerin Katja Schenker fasste damals die frisch renovierte Kehrichtverbrennungsanlage in der Grüze mit einem rostigen, zerbeulten Zaun ein. Leserbriefschreiber fragten sich, wie man sich in Zeiten der Budgetkrise einen solchen «Beulenzaun» leisten könne. Und der «Landbote» fühlte sich beim Anblick der eingezäunten KVA gar «an Wellblechsiedlungen in der Dritten Welt» erinnert. Das Baublatt berichtete mit einem Augenzwinkern.

Den Kredit «im Gesamtkontext» festgelegt

Voraussichtlich im November stimmt die Winterthurer Stimmbevölkerung über den Bau des 82 Millionen Franken teuren, neuen Polizeigebäudes ab, mit einem 25 Meter hohen Würfelbau und dem dreistöckigen Nebentrakt. Von der jüngsten Vergangenheit offensichtlich unbeeindruckt, will Winterthur auch beim rekordteuren Neubau kräftig in Kunst am Bau investieren. Wie das Winterthurer Kulturdepartement gegenüber dem «Landboten» sagte, soll der Kunst-am-Bau-Kredit, der die anfallenden Wettbewerbskosten bereits enthält, rund 500‘000 Franken betragen. Die Kredithöhe werde «nicht allein anhand von Richtlinien, sondern in einem Gesamtkontext betrachtet und festgelegt», führt die Kulturbereichsleiterin Nicole Kurmann gegenüber dem «Landboten» aus. Deshalb unterschreite der konkrete Kunstkredit das sonst übliche 1 Prozent der Bausumme.

2011 wollte der damalige FDP-Gemeinderat Andreas Bosshart die Ausgaben für Kunst ganz von der Bausumme entkoppeln. In seiner Interpellation nahm er Bezug auf das geplante Polizeigebäude und befand, dass die hohen Beträge für Kunst «in einem gewissen Missverhältnis zu anderen konkurrierenden Investitionen stünden». Der Winterthurer Stadtrat beschloss jedoch, an der aktuellen Praxis festzuhalten. Und eine von FDP- und GLP-Kreisen angedachte Fondslösung bremsten später rechtliche Hindernisse aus. Ob das neue Polizeigebäude tatsächlich von einem Kunstwerk geschmückt wird, steht aber auch bei einer Kreditannahme im November noch nicht definitiv fest. Der endgültige Umsetzungsentscheid nach Abschluss des Wettbewerbs liegt beim Stadtrat. (gd)

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Beim rekordteuren, neuen Polizeigebäude erleben die Winterthurer Kunst-am-Bau-Diskussionen eine Neuauflage.