Wiedergeburt des Berner Christoffelturms?

Wiedergeburt des Berner Christoffelturms?

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Teaserbild-Quelle: Wikimedia, gemeinfrei

Vor 150 Jahren wurde der Berner Chistoffelturm abgerissen. Nun will ihn ein pensionierter Architekt wieder aufbauen.

Wer vom Westen her die Stadt Bern betrat, den empfing bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein zehn Meter hoher, hölzerner Wächter mit Schwert und Hellebarde. Die riesige Statue stand in der Nische des im 14. Jahrhundert erbauten Christoffelturms, der damals als Stadttor diente.

Einst ein Symbol der Macht der Stadt sorgte der rund 55 Meter hohe, massive Turm schliesslich für Streit und rote Köpfe. Denn im Zuge prestigeträchtiger Bauprojekte wie des Bahnhofs und des Bundeshauses wurden Stimmen laut, dass man den „baufälligen, hässlichen und unreinlichen Turm“ abbrechen sollte. Derweil wollten Zunftgesellschaften und Bernburger das Bauwerk sanieren. Schliesslich wurde sein Ende an der Gemeindeversammlung von 1864  mit einem sehr knappen Mehr besiegelt, die Berner stimmten dem Abbruch zu.

Einer der Gründe für das Ja dürften die offenbar schwierigen Verkehrsverhältnisse beim Turm gewesen sein. Auch wenn damals der Architektenverein laut einem Artikel des „Bundes“ vom vergangenen Dezember davon überzeugt war, dass sich der Turm mittels Fussgängergalerien und einer grosszügigeren Tordurchfahrt gut in die neue Situation hätte integrieren lassen. Im Frühjahr 1865 starteten die Abbrucharbeiten. Und die Statue, die fünfhundert Jahre über die Stadt gewacht hatte, wurde grösstenteils zu Brennholz für Bedürftige verarbeitet. Immerhin überlebten Kopf, rechte Hand und Füsse des Kolosses – sie befinden sich heute im Historischen Museum Bern.

150 Jahre später möchte nun ein pensionierter Architekt, den Turm zu neuem Leben erwecken. Wie Markus Saner in der aktuellen Ausgabe des „Bund“ erklärt, denkt er an ein Modell des Bauwerks in Originalgrösse, das am ursprünglichen Standort des Christoffelturms aufgestellt wird. Ein Modell hat er bereits gebaut. Die Turmkopie soll ein leichtes Baugespann sein, welches in der Tragfläche des Baldachins – der Überdachung der Busshaltestellen hinter dem Bahnhof – verankert werden könnte. Bauen liesse sich die Turmkopie mittels Profilkranzkonstruktion. Nachgebildete Überreste der Statue sollen ebenfalls in die Konstruktion integriert werden. Laut dem „Bund“ berichtet, weiss man bei der Stadt zwar von Saners Idee. Ihre Umsetzung steht aber in den Sternen. Immerhin werden derzeit Überlegungen angestellt, wie der Turm sichtbar gemacht werden könnte. (mai)