Wie teuer wird das Netz wirklich?

Wie teuer wird das Netz wirklich?

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Teaserbild-Quelle: IWB
Zwei bis drei Milliarden Franken mehr würde das Schweizer Glasfasernetz kosten, wenn statt einer Faser vier Fasern in jede Wohnung verlegt würden. Das sagte Sunrise-Chef Christoph Brand im Interview mit dem „Tagesanzeiger“ vom 26. Oktober. Unnötige Kosten, warnt er, und diese würden zu Lasten der Verbraucher gehen. Politisch motivierte Unkenrufe oder realistische Einschätzung?


Laut einem Positionspapier der Swisscom ist in den kommenden fünf Jahren mit einer Investition von sieben bis acht Milliarden Franken für die Errichtung des Schweizer Glasfasernetzes zu rechnen. Andere Schätzungen gehen von sechs bis zu zehn Milliarden Franken aus.
Davon entfallen laut Swisscom etwa 80 Prozent auf die reine Verlegung der Kabel: Einziehen in bestehende Leitungsrohre oder neu verlegen. „Nur“ die restlichen 20 Prozent entfallen auf die sogenannte Hardware – Kabel und Verteiler. Bei geschätzten Kosten von acht Milliarden sind das 1, 6 Milliarden. Selbst bei einer Verdoppelung des Materialpreises wären das 1,6 Milliarden mehr. Der Aufwand der Verlegung bleibt sich gleich, egal, wie viele Fasern die verlegten Kabel haben. Bei einer Gesamtsumme von zehn Milliarden würden sich die Kosten nach dieser Kalkulation dementsprechend um zwei Milliarden erhöhen – die Anfangssumme, die Sunrise-Chef Christoph Brand nannte.

Vier Fasern sind beschlossen

Dass definitiv vier Fasern in jede Wohnung verlegt werden, ist bereits beschlossene Sache. Unter der Leitung des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) und der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom) trafen sich die Chefs von Kabelnetzbetreibern, Telekommunikationsdiensten und Elektrowerken mehrmals. Anfang Oktober verkündete Marc Furrer, Präsident der ComCom, eine grundsätzliche Einigung in verschiedenen Punkten wie technische Standards (das baublatt berichtete). Sunrise war aus Kostengründen zwar gegen das Mehrfasermodell, musste dieses aber im Rahmen der Vereinbarung akzeptieren.
 
Swisscom, die seit 1. Januar 2008 für zehn Jahre von der ComCom die Grundversorgungskonzession erhalten hat, ist laut dieser Konzession verpflichtet, die fernmeldetechnische Grundversorgung allen Bevölkerungskreisen in allen Landesteilen bereitzustellen. Dazu gehört neu auch ein Breitband-Internetanschluss. Laut den Erhebungen von Swisscom verdoppelt sich das übertragene Datenvolumen derzeit alle vier Monate, im Mobilfunknetz sogar alle zehn Wochen. In den vergangenen zwei Jahren investierte Swisscom bereits 600 Millionen Franken in die neue Technik.
Parallel dazu haben schon verschiedene Elektrizitätswerke – Zürich, Bern, Basel – mit dem Ausbau eines eigenen Netzes begonnen oder, wie St. Gallen, diesen beschlossen. Hier laufen die entsprechenden Verhandlungen zur Nutzung, da Parallelnetze vermieden werden sollen. Die Kosten für diese Stadtnetze tragen dementsprechend diese Elektrizitätswerke, die diese über die Vermietung der Fasern an die Telekommunikationsanbieter wieder amortisieren wollen. Damit ist die Versorgung der urbanen Räume auf dem besten Weg, innerhalb der kommenden fünf Jahre umgesetzt zu werden.

Stiefkind ländliche Regionen

Die Erschliessung der ländlichen Regionen ist der grösste Kostenfaktor in dieser Kalkulation. Drei- bis fünf Mal mehr an Aufwand und damit an Kosten fallen hierfür laut Swisscom an. Für die Das mindert die Wettbewerbsfähigkeit und verringere die Chancengleichheit, moniert die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB). Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass die technische Umsetzung laut der Swisscom mit einer Verzögerung von bis zu 15 Jahren erst erfolgen soll. Die Forderung der SAB lautet daher, dass Bund und Kantone den Ausbau in diesen Regionen über regionalen Ausschreibungsverfahren forcieren sollen. Weiter solle die nächste Grundversorgungskonzession, die für die nächsten zehn Jahre nach 2017 vergeben wird, entsprechend angepasst werden, da sie derzeit nur den Minimalumfang der Grundversorgung beschreibe, der bewusst technologieneutral gehalten sei. (Katrin Wahl)

Glasfasernetz

Glasfasern bilden die Basis der modernen Datenautobahnen des 21. Jahrhunderts. Glasfaserkabel – auch als Lichtwellenleiter bezeichnet – bestehen aus Quarzglas und übertragen enorme Datenmengen mit Hilfe von Licht. Ihr Zentrum besteht aus einem optisch transparenten Material. Der Kern ist von einem ebenfalls lichtbrechenden Material ummantelt. Es sorgt dafür, dass das Licht im Kabel bleibt. Eine einzige Faser hat einen Durchmesser von wenigen Mikrometern und ist kaum dicker als ein Menschenhaar.
Sie ermöglicht die kaum vorstellbare Übertragungskapazität von bis zu 200 Terabit pro Sekunde – 200.000.000.000.000 Bit. Das entspricht der Datenmenge von rund 34.000 CDs. In Überlandnetzen sind mehre 100 Einzelfasern gebündelt, nicht selten bis zu 1000. Glasfasernetze sind damit konventionellen Kupferkabeln oder Satellitenverbindungen haushoch überlegen.
Die Vorteile sind
  • deutlich höhere Transportkapazitäten
  • Überbrückung sehr grosser Distanzen durch eine geringe Dämpfung (mehr als hundert Kilometer sind möglich – für eine Verstärkung sorgen bei Bedarf so genannte Repeater)
  • Keine Störung benachbarter Fasern durch die Datenübertragung
  • Hohe Abhörsicherheit
  • Geringes Gewicht: mit 30 Gramm Glas kann man einen Kilometer Leitung legen. Eine Kupferleitung mit derselben Kapazität würde 130 Kilogramm wiegen.