Wie Technik die Architektur verändert

Wie Technik die Architektur verändert

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An der Podiumsdiskussion forderte Michael Braungart (auf der Leinwand), dass Baumaterialien verwendet werden, die nicht nur klimaneutral sind, sondern die auch etwas fürs Klima tun. (Stefan Breitenmoser)

Früher verkörperten Bauten Technologie und Fortschritt. Heute findet die technische Innovation in anderen Gebieten statt, die aber wiederum auf das Bauen und die Architektur Einfluss haben. Wie dieser Einfluss aussehen kann, darüber diskutierten an der Swissbau in Basel die amerikanischen Architekten Bryan Allen und Jeanne Gang und der „Cradle to cradle“-Autor Michael Braungart.

An der Podiumsdiskussion forderte Michael Braungart (auf der Leinwand), dass Baumaterialien verwendet werden, die nicht nur klimaneutral sind, sondern die auch etwas fürs Klima tun. (Stefan Breitenmoser)

„Rettet die Technik die Architektur? Oder muss die Architektur vor der Technik gerettet werden?“ Diese Frage stellte Christian Blaser, Präsident der Architektur Dialoge Basel, zum Beginn der Veranstaltung „Tec_Changes_Architecture“ in den Raum. „Früher beeinflusst das Material die Werkzeuge und diese wiederum das Design“, meinte Bryan Allen, Architekt und 3D-Spezialist vom Büro Smith/Allen aus Oakland, aber dies ändere sich. So würde beispielsweise der 3D-Druck zurzeit vor allem für Modelle benutzt, obwohl es auch schon erste Versuche gab, ganze Häuser zu drucken. „Das Problem ist, dass das Material noch nicht so weit entwickelt ist, obwohl wir dieses beim 3D-Druck quasi auf die Moleküle-Ebene runter brechen können“, so Allen.

Er hat sich vor allem mit seinem Pavillon „Ecoviren“ (Bilder: http://cargocollective.com/SmithAllen/ECHOVIREN) der in einem Wald in Kalifornien steht, einen Namen gemacht. Dieser Pavillon ist kompostierbar. Hergestellt wurde die Struktur von einem kleinen 3D-Drucker, der Materialien aus Mais und Zuckerrohr zu rund A4-grossen Stücken herstellt. Diese Elemente können zu Architekturbauteilen zusammengesetzt werden. „Der Vorteil des 3D-Drucks ist, dass man Unikate vor Ort erstellen kann.“ Allen sieht aber noch grosses Potential für den 3D-Druck, denn zurzeit wandle sich dieser noch rasend schnell und werde immer genauer und schneller. „Heute ist Material gleich Werkzeug gleich Design.“

Richtiges Material

Eher auf der Low-Tech-Ebene operiert die Architektin Jeanne Gang vom Studio Gang in Chicago. „Wichtig ist die richtige Wahl des Materials für das entsprechende Projekt“, meinte Gang. Sie hat in ihrer Laufbahn schon mit diversen Materialen gearbeitet. Vor allem einen Namen hat sie sich aber mit dem Aqua Tower (Bilder: http://studiogang.com/project/aqua-tower)  in Chicago gemacht, das durch seine gebrochenen Formen überzeugt. „Die Form ermöglicht einen sozialen Austausch zwischen den Mietern, bricht aber auch den Wind“, erklärte Gang. „Wir Architekten müssen wie Fabrikanten denken und Materialien wählen, welche die Idee des Gebäudes unterstreichen.“

Dies sieht Professor Michael Braungart, Autor des Buches „Cradle to cradle“, nicht ganz so: „Wir müssen Materialien wählen, die nicht nur klimaneutral sind, sondern sogar gut für das Klima sind“, meinte er. So sei ein Baum auch nicht klimaneutral, sondern gut für dieses. Und genau so sollten seiner Ansicht nach auch Häuser sein. „Es sollte bei Gebäuden nicht darum gehen, den Schaden zu minimieren, sondern darum, dass es aktiv etwas nutzt“, so Braungart. Für ihn setzt deshalb die ganze Minergie-Debatte am falschen Ort an. „Denn Effizienz wird uns nicht retten.“

„Menschen als aktive Lösung des Problems“

„Wir schützen nicht. Wir minimieren nur den Schaden“, so Braungart. Das bringe jedoch nichts. Denn wenn ein Vater sein Kind nur noch fünf statt zehn Mal schlägt, sei das Kind auch noch nicht geschützt. Für ihn gibt es deshalb nur ein radikales Umdenken. „Wieso machen wir nur Schuld-Management, anstatt aktiv etwas zu tun“, fragte er die Besucher der Veranstaltung, welche von Architektur Dialoge Basel organisiert wurde. „Es geht nicht um Effizienz. Es geht um Effektivität“, meinte Braungart. Deshalb müssten nicht nur die Materialien neu gedacht und erfunden werden, sondern die Rolle des Menschen an sich. „Wenn man Menschen nur als Verbreiter von zusätzlichen ökologischen Fussabdrücken wahrnimmt, dann sind wir zu viele. Aber wenn man Menschen als aktive Lösung des Problems, die alle etwas dazu beitragen können, wahrnimmt, dann sind wir noch viel zu wenig. Und wir sind nicht zu viele. Wir sind einfach zu blöd.“ (Stefan Breitenmoser)