Wie der Edelstahl auf den Mont Blanc kam

Wie der Edelstahl auf den Mont Blanc kam

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Teaserbild-Quelle: wikimedia.org, Coronium, CC

Die neue Schutzhütte Refuge du Goûter auf dem Mont Blanc ist eine Meisterleistung der Bauingenieurskunst. Der Bau auf fast 4000 Metern Höhe war eine Herausforderung.

Nein, es ist kein Ufo, das da auf dem Mont Blonc in den französischen Alpen gelandet ist. Und es ist auch kein Ei, das ein riesenhaftes Huhn dort gelegt hat. Es ist die neue Schutzhütte Refuge du Goûter, die im Auftrag des Club Alpin Francais (CFA) entstanden ist. Der von Architekt Heré Dessimoz und Holzbauingenieur Thomas Büchi gemeinsam entworfene Neubau fällt vor allem durch seine glänzende Haut aus Edelstahl Rostfrei mit Qualitätssiegel auf – und natürlich durch seine aussergewöhnliche Form.

Transport via Helikopter

Gekostet hat das Bauwerk satte sieben Millionen Euro. Wie es in einer Mitteilung des Warenzeichenverbands Edelstahl Rostfrei e.V. heisst, wurde der Hauptteil allerdings durch den aufwändigen Transport der Bauelemente und Gerätschaften zum Bergkamm verursacht. Dieser erfolgte via Helikopter. Aufgrund der unwirtlichen Arbeitsbedingungen auf Europas höchster Baustelle – Windböen mit bis zu 250 Stundenkilometern, Höchsttemperaturen von minus sieben Grad und dünne Luft – wurden die Bauelemente soweit wie möglich im Tal vorgefertigt. Die Montage in luftiger Höhe habe für die Handwerker dennoch eine enorme Herausforderung bedeutet. Deshalb durfte ohne ärztliche Untersuchung auf entsprechende körperliche Fitness auch keiner dort arbeiten. Die Edelstahl-Verkleidung verlangte den Beteiligten ebenfalls Höchstleistungen ab, mussten die Arbeiten doch auf der Hangseite auf einem mehr als 800 Meter über dem Erdboden angebrachten Gerüst erfolgen. Der Bau steht nämlich nur zur Hälfte auf dem Fels, der Rest ragt über den Abgrund hinaus. Das sei der Beschaffenheit des Felsens geschuldet, der nach Aussage der Planer nur hier stabil genug war, um die Fundamente sicher zu verankern.

Eigene Strom- und Wasserversorgung

Mit dem vierstöckigen Kuppelbau hat der französische Alpenverein in mehrerer Hinsicht Massstäbe gesetzt. Wie der Verband schreibt, ist eine „raffinierte Synthese aus traditionellem Holzbau und Hightech-Bauwerk“ entstanden. In Konstruktion und Fertigungsart trage der elliptische Zylinder der extremen Lage im Hochgebirge Rechnung. Ausserdem ist die Hütte energieautark. Auf dem Plateau an der Ostseite gewinnen 54 Quadratmeter Sonnenkollektoren aus dem dort angesammelten Schnee Schmelzwasser. Dieses wird unterirdisch in einem 20‘000 Liter fassenden Becken gespeichert. Eine 100 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage und Windturbinen erzeugen ausserdem den in der Hütte benötigten Strom. Mit einer eigenen Kleinkläranlage ist auch die Abwasserentsorgung gelöst worden. So erfülle die Refuge du Goûter im ökologisch sensiblen Hochgebirge hohe Ansprüche an Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit. (pd/mt)