Widerstand gegen neue Deponiestandorte in St. Gallen

Widerstand gegen neue Deponiestandorte in St. Gallen

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Der Kanton St. Gallen muss in den nächsten Jahren für genügend Deponien sorgen, um tonnenweise Aushub zu lagern. Deshalb ist er auf der Suche nach Standorten. In den letzten Jahren hat er mehrere geprüft, einzelne Projekte wurden konkretisiert. Aber es dürfte Widerstand geben – denn Deponien sind unbeliebte Nachbarn.

Wo viel gebaut wird, da fällt auch viel Aushubmaterial an. Und das muss irgendwo gelagert werden. Dafür gibt es Deponien. Jeder Kanton hat welche – aber niemand will eine solche Deponie in der Nachbarschaft haben. Das ist auch im Kanton St. Gallen nicht anders. Heute hat Bauchef Willi Haag über den Stand der Deponieplanung in seinem Kanton informiert. „Die Suche nach Standorten ist nicht gerade ein einfaches Problem“, sagte er. Auch wenn es sich um unverschmutzten Aushub handle. Denn fast immer seien von den Plänen private Eigentümer betroffen, die Erschliessung sei schwierig, die Betriebsdauer lang, und es entwickle sich Widerstand wegen der vielen Lastwagenfahrten. Aber es gehöre zu den Aufgaben des Kantons, für die Bauwirtschaft genügend Angebote bereitzustellen. Es sei sinnvoll, Deponien auf das ganze Kantonsgebiet zu verteilen, damit die Lastwagen nicht durch den halben Kanton fahren müssten.

Wo es Deponien geben könnte

Deshalb wurden seit 2010 200 mögliche neue Standorte respektive Erweiterungen bestehender Deponien überprüft. Sechs konnten laut Haag in Betrieb genommen werden (Flumserberg in Flums, Unterkobel in Oberriet, Tüfentobel in St. Gallen, Schollberg in Wartau, Bovel in Pfäfers und Starkenbach in Wildhaus-Alt St. Johann), acht werden weiter abgeklärt oder sind in den Gemeinden aufgelegt worden (Ruob in Amden, Unterhalden in Benken, Steigriemen in Gommiswald/Kaltbrunn, Mürli in Walenstadt, Felbenmaadbüchel in Oberriet, Feld in Rüthi, Unterbuel in Mörschwil und Hummelberg in Waldkirch). Elf weitere Standorte befinden sich in der Planungsphase, sind teilweise aber bereits im Richtplan enthalten (etwa Bergsboden in Quarten, Fuchsbuel in Buchs, Neufeld in Rüthi, Riederen in Mörschwil, Steinachtobel in Mörschwil/Wittenbach, Thurdorf in Oberbüren, Ritzentaa in Bütschwil, Ruodiweid in Kaltbrunn und Rütiholz in Häggenschwil).

Eine Riesendeponie im Steinachtobel?

Den dringendsten Bedarf ortet Willi Haag in der Region St. Gallen-Rorschach; dies wegen der hohen Bautätigkeit, aber auch, weil die grosse Deponie Tüfentobel voraussichtlich in fünf Jahren ihre Kapazitätsgrenzen erreichen wird. Deshalb verfolgt der Kanton dort zwei Varianten: Zum einen ist eine Grossdeponie im Steinachtobel angedacht. Sie würde Platz für über zehn Millionen Kubikmeter Aushubmaterial bieten. Allerdings müsste hierfür der Bach Steinach verlegt werden. Die Detailprüfung will der Kanton noch diesen Monat an die Hand nehmen. Umweltverbände haben allerdings bereits ihren Widerstand angekündigt.

Als Alternative zu einer Grossdeponie sieht Haag mehrere dezentrale, kleinere und mittlere Deponien vor. Um all den Aushub zu lagern, den eine Grossdeponie aufnehmen könnte, müssten auf längere Sicht zehn bis 20 solcher Deponien geschaffen werden. Und das in der dicht besiedelten Region St. Gallen-Rorschach. (mt/pd)