Wettbewerb um mehr Patienten

Wettbewerb um mehr Patienten

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Die Alterung der Gesellschaft führte zu einem Boom beim Spitalbau. Die Möglichkeit der privaten Finanzierung heizte aber auch einen Wettbewerb um bessere Leistungen und mehr Patienten an. Ob die anhaltend hohen Investitionen auch volkswirtschaftlich sinnvoll sind, wird die Zukunft zeigen.

Der Investitionsbedarf bei Spitalliegenschaften bleibt hoch. Zwar sind in den vergangenen Jahren in verschiedenen Kantonen Spitäler saniert oder neu gebaut wurden. Doch immer noch sind zahlreiche Spitäler überaltert und müssen in den nächsten Jahren erneuert oder ersetzt werden. Zumeist liegen die Kosten im dreistelligen Millionenbereich. Der Neubau eines grossen Spitalzentrums jedoch kann die Milliardenschwelle durchbrechen. Und die geplante Gesamterneuerung des Universitätsspitals Zürich soll sogar 3,5 Milliarden Franken kosten. Voraussichtlich Ende Dezember werden die bereinigten Gestaltungspläne der Anlage vorliegen.

Gemäss den Zahlen von Docu Media Schweiz GmbH pendelten die geplanten Bauinvestitionen für Spitäler sowie Alters- und Pflegeheime in den Jahren 2001 bis 2007 zwischen 460 und 850 Millionen Franken. Danach kletterten die geplanten Ausgaben kontinuierlich auf 2,17 Milliarden im Jahr 2014.

Privatfinanzierung setzt sich durch

«Der Wiederbeschaffungswert der Spitäler beläuft sich auf 40 Milliarden Franken», schätzt Christian Elsener, der beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen PWC den Bereich Infrastruktur und Immobilienberatung leitet. Werden die Medizin- und Informationstechnik dazu gerechnet, liegt diese Summe bei 52 Milliarden. Das entspricht ungefähr dem Wiederbeschaffungswert der Schweizer Nationalstrassen.

Seit der neuen Spitalfinanzierung nach Fallpauschalen ab 2012 sind manche Kantone dazu übergegangen, die Investitionen privat über Banken, Versicherer und Investoren abzuwickeln. «Aktuelle Beispiele zeigen, dass privatwirtschaftliche Finanzierungen für öffentliche Spitäler zu ansprechenden Konditionen machbar sind», so Elsener. Doch ebenso seien Investoren an Eigenkapitallösungen interessiert. Insgesamt zeichne sich ab, dass die Immobilie im Eigentum des Spitals zum Regelfall werde.

Wettrüsten unter den Spitälern?

«Die Spitäler sollten dazu eine Ebitda-Marge von 10 Prozent anstreben», so Elsener. 2010 lag diese noch bei 5,7 Prozent. Eine Stichprobe von PWC ergab, dass der Kostenzuschlag für Investitionen bei 8 Prozent lag. Darin berechnet sind Abschreibung, Verzinsung und die übrigen Eigentümerkosten. PWC empfiehlt, die Kosten der Spitalimmobilie nach dem Ansatz des Lebenszyklus zu budgetieren.

Die Motive für Investitionen in Spitalbauten sind gemäss Elsener verschieden. Oft besteht ein technischer Nachholbedarf, der sich auch in hohen Betriebskosten niederschlägt. Teilweise wird der Spitalbau auch von Politikern forciert, die ein Zeichen setzen wollen. Zusätzlich werden Überlegungen angestellt, wie man ein Spital im Markt der medizinischen Leistungen attraktiv hält oder sogar das Leistungsangebot steigert. Volkswirtschaftliche Überlegungen, die das gesamte Gesundheitswesen betreffen, werden dabei in den Hintergrund gedrängt.

Bettenkapazität abgebaut

Eine 2015 von PWC durchgeführte Umfrage bei 21 grossen Spitälern ergab, dass diese unvermindert stark investieren wollen. Pro Gebäude sind 158 Millionen Franken geplant, zu 75 Prozent für den stationären und zu 25 Prozent für den ambulanten Bereich. Insgesamt wird zunehmend weniger über die öffentliche Hand finanziert, als das vor der neuen Spitalfinanzierung der Fall war. «Spitäler, die Geld für bauliche Massnahmen oder einen Leistungsausbau brauchen, finden problemlos einen Investor», so Elsener. Der Investitionskostenzuschlag bei der Fallpauschale werde hingegen zum Auslaufmodell.

Die Spitalimmobilien sind einem starken Wandel ausgesetzt. Seit über zehn Jahren sinkt gemäss der PWC-Studie sowohl die Zahl der Spitäler als auch deren Bettenkapazität pro Einwohner. Zusätzlich bleiben die Patienten weniger lang im Spital und die Gesundheitskosten pro Kopf steigen aufgrund der verbesserten Leistung der Spitäler, der teureren Medizinaltechnik und der Alterung der Gesellschaft. (ur)

Hier können Sie die PWC-Studie herunterladen