Wenn Häuser verwahrlosen

Wenn Häuser verwahrlosen

Gefäss: 
Zerbrochene Fenster, offensichtlich leer stehende Häuser oder herumliegender Müll können den Verwahrlosungsprozess ganzer Quartiere verstärken. Darum geht es bei der so genannten Broken-Windows-Theorie (Theorie der zerbochenen Fenster), die in den USA entwickelt wurde.
 
Menschen nehmen solche Anzeichen der Verwahrlosung wahr und schliessen daraus, dass hier soziale Normen nicht gelten und dass auf nichts Rücksicht genommen werden muss. Basierend auf dieser Erkenntnis wurde in den USA die Null-Toleranz-Strategie entwickelt, zu der sich etwa die Stadt New York bekennt. Diesem Trend folgen weltweit immer mehr Städte.
 
Der erste Eindruck, den man von einer Fassade, von einer Strasse, von einem Quartier erhält, bestimmt das Mass der Sorgfalt, mit der man dieser Umgebung begegnet. Aber auch, wie man mit ihr umgeht. Das Gleiche gilt für Begegnungen unter den Menschen: Der erste Eindruck von einem Menschen bestimmt massgeblich, ob man mit diesem Menschen zur Zusammenarbeit bereit ist. Zu diesem Schluss kommen Forscher am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeingütern in einer Studie. Sie untersuchten mit Experimenten den Einfluss der Erwartungshaltung auf das eigene Verhalten. „Wer andere für Egoisten hält, handelt auch selbst meist egoistisch“, fasst Studienleiter Michael Kurschilgen die Ergebnisse zusammen. Die Studie zeigt, dass Menschen sich in hohem Masse von ihrer ursprünglichen Erwartungshaltung gegenüber anderen leiten lassen und zwar besonders, wenn diese Haltung von Anfang an negativ geprägt ist. Auch positive Vorinformationen vor einer Begegnung bringen selten ein Abrücken von einer negativen Voreinstellung.
 
Daraus folgern die Forscher, dass jeder Cent für den Substanzerhalt von Wohnvierteln nicht nur Stadtkosmetik ist, sondern auch ein guter Schutz vor Verwahrlosung und Kriminalität. Denn mit einem ersten angenehmen Eindruck entsteht gar nicht erst eine negative Haltung gegenüber einer Umgebung. Die Verwahrlosung lässt sich nicht nur durch Überwachung und Kontrolle verhindern. , dazu gehört auch viel Kooperation und Übereinstimmung und Verantwortungsgefühl von allen, die sich in dieser Umgebung bewegen. (mai/mgt)