Wenn Fachkräfte auf den RAV brach liegen

Wenn Fachkräfte auf den RAV brach liegen

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Regionale Arbeitsvermittlungsstellen (RAV) könnten dabei helfen, den Fachkräftemangel zu entschärfen – auch in der Baubranche. Dies  zeigt eine Studie, welche die Arbeitsmarktbeobachtung Ostschweiz, Aargau, Zug und Zürich (Amosa) in Auftrag gegeben hat.

Mehr  als jeder dritte Erwerbstätige kann heute laut Amosa eine höhere berufliche Bildung oder ein Fachhochschul- oder Universitätsstudium vorweisen. Dies betrifft auch Arbeitslose. So ist der Anteil an Stellensuchenden mit höheren Bildungsabschlüssen zwischen 2002 und 2013 von 10 Prozent auf 17 Prozent angewachsen - in Zürich und Zug gar auf 24 Prozent. Derweil mangelt es in verschiedenen Branchen an Fachkräften, wenn auch nicht überall in gleichem Masse.

Für ihre Studie hat die Amosa einen Fachkräftemangelindikator entwickelt. Zudem wählte sie fünf Berufsklassen zur vertieften Analyse aus, in denen es an Fachkräften fehlt und die für die RAV und  die Wirtschaft von Bedeutung sind. Es handelt sich dabei um Stellensuchende aus der  Metallverarbeitung und dem  Maschinenbau, aus dem Baugewerbe und  aus Ingenieurberufen sowie um arbeitslose Techniker und Informatiker. Die Arbeitslosigkeit in diesen Berufen ist tief – mit Ausnahme des Maschinenbaus und des Bausektors. Dies bestätigt laut Amosa einerseits das Bild von Berufen mit hoher Nachfrage nach Arbeitskräften, andererseits zeigt dies, dass auch in sehr gefragten Berufen Stellensuchende auf den RAV gemeldet sind. Letztere sind stellen ein  ungenutztes Potenzial bei Rekrutierung von Fachleuten dar.

Dass künftige Mitarbeiter sowohl beruflich als auch geographisch flexibel sind, kann eine wichtige Rolle für den Ausgleich von Engpässen bei qualifiziertem Personal spielen.  Die Analyse dieses Aspektes bei Erwerbstätigen und Stellensuchenden zeigte, dass Arbeitslose in der Regel flexibler sind, als jene, die einen Job haben – und zwar über alle Qualifikationsstufen hinweg.

Weiterbildung für jedes Alter

An einer Tagung hat Amosa zusammen mit Vertretern von Unternehmen, Behörden und Verbänden der betroffenen Berufe das Potenzial der RAV als Rekrutierungskanal unter die Lupe genommen und nach Massnahmen gesucht, um arbeitslose Fachkräfte zu fördern und schneller in den Arbeitsmarkt zurückzubringen. So wollen die  RAV ihre Handlungsspielräume nutzen, Stellensuchende und Arbeitgeber schneller und besser zusammenzubringen, in dem sie etwa Jobmessen und Job-Speed-Datings veranstalten.

Weil sich die Arbeitslosigkeit meist auf Faktoren zurückführen lässt, die sich bereits  lange vor der Entlassung auswirken,  braucht es laut Amosa präventive Massnahmen.  Die gezielte Aus- und Weiterbildung der Angestellten ist deshalb besonders wichtig – unabhängig von ihrem Alter.  Denn vor allem in wissenslastigen Berufen ändern sich die Anforderungsprofile schnell. Umso wichtiger ist es, für die Angestellten ihr Wissen regelmässig aktualisieren zu können. (mai/mgt)