Wenn die Toten reden könnten

Wenn die Toten reden könnten

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Im Dorfkern von Domat/Ems traten beim Abbruch eines Wohnhauses ein mittelalterlicher Friedhof mit über 100 Gräbern zutage. Antropologische Untersuchungen sollen nun vertiefte Informationen über die Bestatteten – Erwachsene, Kinder und Säuglinge – liefern.
 
Der Archäologische Dienst des Kantons Graubünden geht davon aus, dass der Friedhof zur Kirche S. Magdalena gehört, die urkundlich schon im 9. Jahrhundert erwähnt wird, die aber im 18. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Bau der Dorfkirche Mariä Himmelfahrt abgebrochen wurde. Weil sich die einzelnen Gräber mehrfach überlagern, nimmt man an, dass der Grund über lange Zeit als Bestattungsort genutzt wurde. Wie alt die Skelette tatsächlich sind, werden Untersuchungen zeigen. An einem aus der mittleren Schicht konnte das Alter mittels Radionkabondatierungen bereits bestimmt werden: Es stammt aus dem 12. Jahrhundert. Damit sei für die darunter liegenden Gräber noch eine deutlich frühere Datierung anzunehmen, schreibt der Archäologische Dienst in einer Medienmitteilung. Bei den Toten handelt es sich vermutlich um die Mitglieder einer christlichen Dorfgemeinschaft. Denn die meisten wurden mit dem Blick gen Osten und ohne Grabbeigaben begraben.

Dorkern birgt archäologische Schätze

Der alte Dorfkern von Domat/Ems ist eine richtige Fundgrube: Während der letzten 30 Jahre haben Bauvorhaben im Umkreis des Dorfplatzes immer wieder archäologische Entdeckungen zutage gefördert. So haben die bisherigen Untersuchungen gezeigt, dass das Gebiet zwischen dem Kirchhügel, der Tuma Casté und dem östlichen Dorfrand während Bronze-, Eisenzeit und auch in der römischen Epoche immer besiedelt war. Darüber wie in Domat/Ems im Mittelalter gelebt wurde weiss man wenig, oder gibt es vielmehr wenig Zeugnisse. Abgesehen von der Kirche St. Peter und dem romanischen Turm auf dem Kirchenhügel. Der Friedhofsfund könnte dies ändern. Die Skelette sollen anthropologisch unter die Lupe genommen werden, um etwas über Lebenszeit, Sterbealter, Geschlecht, körperliche Verfassung, Ernährung und Krankheiten der mittelalterlichen Bevölkerung in Ems zu erfahren.  (mai)
 
Auf der Website des Kantons Graubündens gibt es einen kurzen Film über die Ausgrabungen: www.gr.ch