Wenn Dächer schwitzen

Wenn Dächer schwitzen

Gefäss: 
Gebäude kühlen, ohne Strom zu verbrauchen. Wie das geht, haben Forscher der ETH Zürich herausgefunden. Sie kreierten eine Kunststoffmatte für Dächer, die bei Sonnenschein „schwitzt“ und damit für tiefere Temperaturen sorgt.
 
Für die Matte verwendeten Wendelin Stark und sein Forscherteam ein spezielles Polymer mit der Abkürzung PNIPAM, das von einer wasserdurchlässigen Membran geschützt wird. Bei Regen saugt sich das Material mit Wasser voll. Bei direkter Sonneneinstrahlung zieht es sich zusammen und presst das Wasser an die Oberfläche. Dort verdunstet es wie Schweiss auf der Haut, wodurch dem Gebäude Wärme entzogen wird.
 
Getestet haben die Forscher das Prinzip an Modelleisenbahn-Häuschen: Sie deckten die Dächer mit fünf Millimeter dicken Matten ab und bestrahlten diese mit einer Lampe, die das Sonnenlicht imitiert. Dabei massen sie die Temperatur im Inneren. Die Kühlleistung der PNIPAM-Matte war deutlich besser als einer gewöhnlichen Polymermatte. Der Grund dafür liegt darin, dass die gewöhnliche Polymermatte mit einem normalen Schwamm, während die PNIPAM-Matten nur bei Erwärmung Wasser abgeben. Schon eine wenige Millimeter dicke Matte könnte bei einem Einfamilienhaus an einem Sonnentag im Juli rund 60 Prozent der für die Klimatisierung aufgewendeten Energie einsparen, wie die Berechnungen der Forschenden ergaben.
 
Bevor die Matte indes auf echten Gebäuden verwendet werden kann, müsse noch geklärt werden, ob die Verdampfungsmatten Frost überstehen, zitiert die Mitteilung Erstautorin Aline Rotzetter. Da die Kühlmethode nun in einer Fachzeitschrift veröffentlicht und nicht patentiert sei, stünde es jedermann frei, sie aufzugreifen und zur Marktreife weiterzuentwickeln. „Eignen würden sich unsere schwitzenden Matten auch für Entwicklungs- und Schwellenländer in warmen Weltregionen, denn das System ist sehr kostengünstig“, sagte Rotzetter. (mai/sda)